Himmel & Elbe

Katharina Fegebank: Der Glaube ist ihr innerer Kompass

Lesedauer: 6 Minuten
Sabine Tesche
Katharina Fegebank in ihrer Heimatkirche in Bargteheide, wo sie aufgewachsen ist

Katharina Fegebank in ihrer Heimatkirche in Bargteheide, wo sie aufgewachsen ist

Foto: Andreas Laible

Sie hatte ihr politisches Erweckungserlebnis im zerbombten Sarajewo. Woher ihr Gottvertrauen kommt – im neuen Himmel & Elbe.

Hamburg. Katharina Fegebank ist kaum durch die Holzpforte der Kirche Bargteheide getreten, da sagt sie schon: „Also, das ist für mich wie Nach-Hause-Kommen hier. Das ist Heimat.“ Sie atmet tief durch und schwelgt kurz in Erinnerungen an Kinderkirche, Konfirmationsunterricht und Weihnachtsgottesdienste, die sie in der schönen alten Backsteinkirche erlebt hat.

In Bargteheide ist Hamburgs Zweite Bürgermeisterin und Wissenschaftssenatorin aufgewachsen, hier leben ihre Eltern und hierher kommt sie, wenn sie ein paar Tage Auszeit braucht. „Wenn ich in dieser Kirche bin, sitze ich in der dritten Reihe von hinten. Das war auch schon als Konfirmandin so“, sagt die 44-Jährige.

Sie wächst auf in einem politisch geprägten Elternhaus – Vater und Mutter sind Lehrer. Das Thema Glauben spielt in ihrer Familie keine große Rolle, ist unterschwellig jedoch immer da und „meine beiden jüngeren Brüder und ich wurden mit christlichen Werten erzogen“, sagt Fegebank. Dazu zählt sie Barmherzigkeit, Nächstenliebe und ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden. Am wichtigsten findet sie jedoch Güte, „also dass man verzeihen kann und vorurteilsfrei auf andere zugeht“.

Sie hält manchmal Zwiesprache mit Gott

Die Politikerin hat großes Gottvertrauen. „Ich halte in schwierigen Situationen oder wenn ich traurig bin auch Zwiesprache mit Gott. Mein Glaube ist eine feste Größe, die mich durch mein Leben trägt. Er ist mein innerer Kompass, der mich sicher leitet.“

Eine behütete Kindheit, hohe Eloquenz, oft gute Laune und viel Selbstbewusstsein: Katharina Fegebank ist gut gerüstet, als sie ein Jahr nach ihrem Einser-Abitur nach Freiburg zum Studium der Politikwissenschaft, Anglistik und des Öffentlichen Rechts geht. „Dort hat uns ein Professor gleich erklärt, dass wir eine verlorene Generation seien, keinen Job finden würden, denn wir lernten ja nichts Handfestes“, sagt sie, „da dachte ich: Na warte, dir zeig ich es.“

Praktikum beim Hamburger Abendblatt

Sie macht Praktika in verschiedenen Berufsfeldern: beim Stormarner Teil des Abendblatts, bei den Grünen im Bundestag und im Planungsstab von Heide Simonis (SPD), damals Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein. Bis dato hatte Fegebank nicht über eine Politikerkarriere nachgedacht, „aber Simonis hat mir gezeigt, wie viel man als Politikerin bewegen kann. Ich war sehr beeindruckt von ihr.“

Himmel & Elbe: das aktuelle Magazin

Prägend ist für sie jedoch ihr ehrenamtliches Engagement bei AIESEC, einer internationalen Studierendenorganisation. Sie organisiert Austausche für Studierende aus der ganzen Welt und wird 2000 für ein halbes Jahr „Youth Consultant“ bei der Uno in New York. Nach ihrem Magister in Freiburg geht sie 2002 nach Berlin.

Aus einem Praktikum bei dem Institut für Europäische Politik wird der erste feste Job: als Projektmanagerin für die Slowakei und Bosnien-Herzegowina. „Da habe ich festgestellt, dass ich gut unter Druck arbeiten kann, 13 Projekte und Workshops in sechs Monaten“, sagt sie. In dieser Phase hat sie auch ihr „politisches Erweckungserlebnis“.

Zweifel gehören zum Glauben dazu

„Ich stand mit politischen Vertretern im zerbombten Sarajewo, habe mir ihre Geschichten von Krieg, Tod und Trauer angehört. Einer sagte zu mir: ,Ihr wisst gar nicht, wie gut es euch geht, in diesem stabilen und friedlichen Deutschland‘.“ Danach habe sie sich entschlossen, politisch aktiv zu werden, „um diesen Frieden zu erhalten“. Gleichzeitig kommen düstere Gedanken in ihr hoch: „Ich habe die Sinnfrage gestellt, wie Gott solche grausamen Dinge zulassen kann. Aber diese Zweifel gehören wohl zum Glauben dazu.“

Sie zieht zurück nach Hamburg, tritt bei den Grünen ein und macht dort innerhalb kürzester Zeit Karriere. 2008 wird sie zur jüngsten Landesparteichefin, 2011 nach der krachenden Wahlniederlage der Hamburger Grünen von ihren Parteikollegen im Amt dennoch bestätigt. „Das war für mich sicher ein Tiefpunkt. Vor der Bestätigung habe ich mich gefragt, ob ich noch die richtige Frau am richtigen Ort bin.“ Ihre Offenheit überrascht. Fegebank ist Politikprofi, aber dennoch zugewandt und warmherzig. Im Nachhinein sieht sie sich gestärkt durch die Krise.

Privat erlebt sie Liebes- und Mutterglück

Zudem hatte sie noch ein zweites Standbein als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Präsidium der Leuphana Universität Lüneburg. „Ich wollte finanziell immer unabhängig sein.“ Doch dann setzt sie im nächsten Wahlkampf alles auf eine Karte. „Ich habe meinen Job gekündigt, es gab keinen doppelten Boden.“

Seit 2015 bestimmt sie als Zweite Bürgermeisterin und Wissenschaftssenatorin die Geschicke der Hansestadt mit. Aber sie will mehr: Hamburgs Erste Bürgermeisterin werden. Doch das gelingt ihr nicht. Die Wähler entscheiden sich 2019 für Peter Tschentscher (SPD), Fegebank nimmt es sportlich.

Privat erlebt Katharina Fegebank 2015 mit dem Unternehmer Mathias Wolff nicht nur Liebes-, sondern drei Jahre später auch doppeltes Mutterglück. Die Beziehung ist gleichberechtigt – „obwohl Mathias das derzeit wohl eher verneinen würde, er kümmert sich mehr um unsere Zwillingstöchter“, sagt Fegebank lächelnd. Sie hasst Fragen danach, wie sie große Karriere und kleine Kinder vereinen kann. „Das würden Sie einen Mann nie fragen“, weist sie eine RTL-Reporterin noch vor zwei Jahren zurecht.

Fegebank ist Vorbild für junge Frauen und Mütter

Dennoch ist sie – ob sie es will oder nicht – Vorbild für viele junge Frauen, dass eben doch beides gut zusammen geht. „Das setzt mich auch manchmal unter Druck“, sagt sie ehrlich. Sie nimmt sich bewusst Auszeiten für die Kinder – am Morgen, am Wochenende – und ist dankbar für die familiäre Hilfe, die sie von den Großeltern der Kleinen bekommt. Ein christliches Ritual haben sie und ihr Partner noch in diesem Jahr im Blick: „Wir wollen die Mädchen taufen lassen.“ Ob in Bargteheide oder in Hamburg, das weiß sie noch nicht.