Kirche

Aufbruch in eine neue Heimat

Wer längerfristig oder für immer auswandern möchte, muss viel organisieren und bedenken. Tipps für die Vorbereitung

Ob allein, als Paar oder mit der ganzen Familie: Wer plant, für längere Zeit oder auf Dauer ins Ausland umzusiedeln, muss vorab viel organisieren und klären. Dazu gehört nicht nur die Überlegung, wie lange das Ersparte reicht, bis man im neuen Land Fuß gefasst hat, sondern auch, mit welchem Visum man bleiben und arbeiten darf. Wie unterschiedlich das von Land zu Land ist und was es nicht nur vor der Abreise, sondern auch für den Fall einer Rückkehr zu bedenken gibt, weiß Cornelia Banisch, Beraterin im Raphaelswerk. Die Beratungsstelle vom Caritasverband informiert und begleitet Deutsche, die auswandern oder zurückkehren, ausländische Flüchtlinge, die weiterwandern wollen, sowie binationale Paare.

1Was sind die Gründe für das Auswandern?

Cornelia Banisch: Die Motive sind sehr unterschiedlich. Manche suchen nach einer besseren Berufsperspektive im Ausland. Andere haben ein Jobangebot in der ausländischen Tochterfirma eines deutschen Unternehmens bekommen. Bei Paaren stammt oft auch ein Partner aus dem Land, in das der Rest der Familie schließlich umziehen will. Oder die Menschen wollen einfach ihren Traum verwirklichen und in dem Land Fuß fassen, das sie schon immer fasziniert hat. Im Durchschnitt sind die Auswanderer zwischen Anfang 20 und Mitte 50, aber auch Rentner zieht es in ferne Länder.

2Welches sind die beliebtesten Ziele?

Zu den klassischen Zielen zählen neben europäischen Ländern wie der Schweiz oder Spanien vor allem die USA, Kanada, Australien und Neuseeland. Ich betreue auch Menschen die nach Sri Lanka, Indien, Singapur oder in afrikanische Länder auswandern wollen. Da die Einreisebedingungen und die Situationen der Auswandernden sehr unterschiedlich sind, bereite ich mich auf jede Beratung individuell vor.

3Was ist generell zu empfehlen, wenn man ans Auswandern denkt?

Man sollte sich in dem Land, in das man auswandern möchte, schon etwas auskennen, am besten schon erste Kontakte dort haben und sich bereits ausbaufähige Sprachkenntnisse angeeignet haben.

4Was sollte man über sein Zielland in Erfahrung bringen?

Wenn ich woanders leben und arbeiten möchte, muss ich wissen, wie die Aufenthaltsbestimmungen in diesem Land geregelt sind. Wenn es sich um einen Mitgliedstaat der EU handelt, gibt es wenige Beschränkungen. Für außereuropäische Staaten benötigt man eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Für sie muss man bestimmte Kriterien erfüllen, das braucht eine genaue Vorbereitung.

5Was muss ich zum Beispiel tun, wenn mein Traumland Kanada heißt?

Staaten wie Kanada suchen sich ihre Einwanderer aus. Da in bestimmten Berufen Fachkräftemangel herrscht, erhalten Menschen mit entsprechenden Qualifikationen am ehesten ein Visum mit Arbeitserlaubnis. Zunächst muss man bei der kanadischen Regierung in einem Online-Profil seine Daten eingeben. Die Angaben zu Alter, Ausbildung, Berufserfahrung und Sprachkenntnissen werden mit Punkten bewertet. Je höher die Punktzahl ist, umso höher sind die Chancen darauf, eine Einladung für einen Visumantrag zu erhalten. Dafür muss man dann ein Sprachzertifikat und eine Berufsanerkennung vorlegen, die man schon vorher besorgt haben sollte.

6Was kann ich tun, wenn ich die Visa-Anforderungen nicht erfülle?

Um beim Beispiel Kanada zu bleiben, kann man die Punktzahl erhöhen, indem man seine Sprachkenntnisse verbessert und Berufserfahrung im Ausland sammelt. Das ist zum Beispiel durch einen Work-and-Travel-Aufenthalt möglich. Dafür können junge Leute bis 35 Jahre ein sogenanntes Working-Holiday-Visum für einen maximal zwölfmonatigen Aufenthalt beantragen.

7Ab wann muss man sich in Deutschland abmelden?

Sobald man keinen Wohnsitz mehr in Deutschland hat. Mit der Abmeldung ist man auch nicht mehr krankenversichert. Deshalb empfiehlt es sich, für die erste Zeit im neuen Land eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen.

8Warum sollte man vor der Ausreise an eine eventuelle Rückkehr denken?

Es gibt viele Gründe, warum der Aufenthalt nicht so läuft wie geplant. Im Zielland können politische Unruhen ausbrechen oder Wirtschaftskrisen, es kann der Tod eines Partners oder eine Trennung eintreten, oder man kann sich nicht wirklich einleben, findet nicht den richtigen oder verliert seinen Job. Sollte einer dieser Fälle eintreten, sollte man darauf auch finanziell vorbereitet sein, denn es gibt im Ausland keine Hilfe für Rückkehrer, auch nicht für die Wiederbeschaffung von Pässen oder für Tickets.

9Wie sollte die Reserve aussehen?

Man sollte eine eiserne Reserve anlegen, die für drei bis sechs Monate reicht, inklusive Rückflüge. Und es ist sinnvoll, sich Grenzen zu überlegen, etwa bis wann bei Jobverlust spätestens ein neuer Job gefunden werden muss. Gut wäre auch, Kontakte in Deutschland aufrechtzuerhalten. Auf jeden Fall sollte man sich bewusst machen, dass eine vorzeitige Rückkehr kein Scheitern ist, sondern eine Facette der Auswanderung.

Raphaelswerk-Beratungsstelle Hamburg, Caritasverband für Hamburg e. V., Adenauerallee 41, Kontakt über www.raphaelswerk.de oder Tel. 248 44 20

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