Kirche

Ferien auf Balkonien genießen

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Es muss ja nicht immer eine große Reise sein. Tipps, wie man sich auch beim Urlaub zu Hause bestens erholen kann

Raus aus dem Alltag, was Neues erleben und wieder Kraft tanken, das sind die häufigsten Ansprüche an den Urlaub. Dazu muss man gar nicht unbedingt verreisen. Auch wer sich für Ferien zu Hause entscheidet, kann entspannte Tage verbringen. Wie es eine erfüllte Zeit werden kann, dazu gibt Iris Macke, Redakteurin beim Verein Andere Zeiten e. V., einige Anregungen. Sie basieren auf dem Buch „Zeit. Mein Urlaubsbuch“, das vom Verein herausgegeben wurde.

1Was ist nötig, damit der Urlaub auch zu Hause wirklich funktioniert?

Iris Macke: Es ist schon eine Umstellung, wenn man aus einem strukturierten Alltag kommt, den man im Job und zu Hause hat, und dann am gleichen Ort bleibt, um dort Ferien zu machen. Deshalb sollte man sich bewusst machen, dass man Urlaub hat, und diesen schon im Vorfeld so planen, als wenn man verreisen würde. Eine grobe Planung reicht, denn es sollte auch möglich sein, etwas spontan zu tun, weil zum Beispiel das Wetter sich gerade dafür eignet. Ohne Plan besteht die Gefahr, dass man sich langweilt oder wieder in die Alltagsroutine verfällt und am Ende frustriert ist.

2Wie kann ich denn aus der Alltagsroutine herauskommen?

Indem ich meine Gedanken schon mal bewusst in den Urlaub schicke. Das klappt zum Beispiel, wenn man das Spiel „Ich packe meinen Koffer und nehme mit“ umdreht in „Ich packe meinen Koffer und lasse hier“. Wenn ich erkenne, dass es etwa der Stress der Arbeit ist, den ich in meinem Urlaub ablegen möchte, entscheide ich mich bewusst zum Zurücklassen. Um in Urlaubsstimmung zu kommen, kann man sich auch eine Erkenntnis aus der Hirnforschung zunutze machen. Danach aktiviert unser Gehirn die gleichen Gehirnregionen, egal ob wir etwas real erleben oder es uns nur vorstellen. Für ein positives Gefühl sollten wir uns also ruhig mal ausmalen, wie zum Beispiel das Meer riecht oder wie Himbeeren schmecken.

3In der Ferne fasziniert uns das Unbekannte, wie finden wir das zu Hause?

Indem man die ausgetretenen Pfade verlässt. Gedanklich und auch praktisch. Man kann beispielsweise einfach mal losgehen und bisher unbekannte Wege in der eigenen Umgebung erkunden. Etwas, wozu man sonst nie Zeit hat. Wer ganz mutig ist, lässt auch die Uhr zu Hause und verlässt sich sozusagen auf den eigenen Bauch. Der meldet sich schon, wenn er Hunger hat. Und ich schaue einfach, was mir der Tag bietet. Oder man steht eine Stunde vor Sonnenaufgang auf. Schaut dann zu, wie sie aufgeht, erlebt ihre Kraft. Um die Sinne anzuregen, kann man auch einen Regenguss nutzen. Warum nach dem Schauer nicht mal barfuß über die nasse Wiese gehen? Für einen Perspektivwechsel kann man mal eine andere Kirche besuchen als die eigene Gemeinde oder eine Moschee. Das führt mich eventuell zu Fragen an die Religion und an mich, wie etwa: „Worüber würde ich mit Gott sprechen? Was bewegt mich?“

4Wie kann das heimische Urlaubs­erlebnis noch vertieft werden?

Urlaub kann ja auch als eine Chance genutzt werden für etwas, was man schon lange einmal machen wollte. Das kann etwas Kreatives sein, zum Beispiel Zeichnen lernen. Dafür sollte man rechtzeitig vor seinen Urlaubstermin schauen, was es für Veranstaltungen gibt, ob zum Beispiel im Museum ein Sommerkurs läuft. Wer sich einen solchen Wunsch erfüllt, erlebt bei Gefallen nicht nur im Urlaub Glücksmomente, sondern kann das in seinem Alltag als neue Bereicherung fortführen. Nicht zu unterschätzen ist auch körperliche Bewegung im Urlaub. Es muss nicht gleich das große Sportprogramm sein. Egal ob Radtour oder Yogastunde, jede körperliche Anforderung bringt auch neue gedankliche Impulse mit sich.

5Wie kann man zu zweit im Urlaub in ein persönliches Gespräch kommen?

Um sich zu zweit einmal anders zu begegnen, kann man sich Fragen stellen wie: „Was war dein erstes Urlaubserlebnis als Kind? Was ist dein größter Traum? Was war für dich die größte Überraschung in diesem Jahr?“

6Welche Vorteile bietet der Urlaub am Heimatort?

Wenn man sich im scheinbar vertrauten Umfeld umsieht, eröffnen sich unter Umständen ganz neue Perspektiven. Vielleicht bietet die nächste Kirchengemeinde ein Gemeindefest an oder einen besonderen Sommer-Gottesdienst, etwa an der Elbe. Es besteht die Chance, andere Menschen kennenzulernen, und neue Kontakte lassen sich längerfristiger aufbauen als an einem Urlaubsort. Oder man nutzt die Zeit, um endlich mal wieder alte Freunde zu treffen, vorausgesetzt sie sind nicht selbst verreist.

7Wie umgehen mit den anfallenden Arbeiten im Haushalt?

Das Handy schalten viele im Urlaub nur für eine Stunde am Tag ein, um wichtige Mails zu checken. Das wäre auch eine Empfehlung für zu Hause: maximal eine Stunde am Tag die nötigsten Haushaltsdinge zu erledigen und dann aufzuhören. Wer unbedingt noch den Keller aufräumen will, sollte sich bewusst Zeit dafür einplanen. Ein gutes Urlaubserlebnis kann aber auch ein Tag bescheren, der extra fürs Nichtstun reserviert ist.

Zum Weiterlesen: „Zeit. Mein Urlaubsbuch“,
8,50 Euro, zu bestellen unter www.anderezeiten.de oder unter Tel.: 47 11 27 27