Kirche

„Manchmal sehe ich hinter dem Licht des Glaubens einen Schatten“

Ich bin dankbar für die Stille des Gebets. Für das Licht einer flackernden Kerze. Für Gott, der verspricht, dass Er der ist, der gegenwärtig ist (Exodus 3,14). Es wächst in dieser Stille so etwas wie Vertrauen zu Gott. Es beginnt etwas, das man Glaube nennen könnte. Je länger ich in dieser Stille sitze, desto mehr sehe ich hinter dem Licht des Glaubens aber auch einen Schatten. Es ist ein Schatten namens Zweifel. Dieser Zweifel äußert sich in Fragen: Was tue ich hier? Was soll mein Gebet? Wer hört mir eigentlich zu? Und wem vertraue ich mich in dieser Stille eigentlich an?

Ich rede mir gut zu: Wo der Glaube aufleuchtet, da entstehen auch die Schatten des Zweifels. Das ist ganz natürlich. Mein inneres Selbstgespräch setzt sich fort: Zweifel sind eine Art Glaubensversicherung. Zweifel versichern meinen Glauben an Gott gegen ein starres Nur-für-richtig-Halten.

Es ist also gut, dass ich zweifle. Mein Glaube als Vertrauen beweist so seine Lebendigkeit. In meinem Innern brodelt es weiter: Zweifel sind überlebenswichtig. Nur wer zweifelt, hinterfragt. Und nur wer hinterfragt, bringt die mitunter auch verstellte Wahrheit ans Licht. Blind glauben möchte ich ja gerade nicht. Mein Glaube braucht Zweifel.

Die Stille hat sich verzogen. In mir ist es plötzlich laut geworden. Ich fordere die Stille des Gebets zurück. Und sie kehrt tatsächlich zurück. Doch die neu eingekehrte Stille hat plötzlich etwas Neues im Gepäck. Dort, wo das Licht des Glaubens den Schatten meines Zweifels berührt, entsteht in einer Grauzone ein Drittes: die Verzweiflung. Die Verzweiflung nährt sich davon, dass ich um Glaube und Zweifel herumkreise. Ich suche ein tragendes Vertrauen, scheitere aber dabei. Ich suche einen verlässlichen Glauben und erfahre nur Schwäche.

Aus der praktischen Synthese von Glaube und Zweifel wird vorerst nichts. Denn die Verzweiflung lässt sich nicht so einfach einhegen. Als Schwindel, Trockenheit, dunkle Nacht, Krankheit zum Tode wurde sie in der Geschichte der Frömmigkeit schon beschrieben. In dieser Verzweiflung vervielfachen sich die Zweifel im Glauben zu einem Zweifel am Glauben.

Aus der Stille des Gebets ist jetzt eine spürbare Unruhe geworden. Zweifel und Verzweiflung lassen nicht locker. Ich kann sie auch nicht als willfährige Gäule vor meinen Glaubenskarren spannen. So beende ich dann das Gebet. Ich stehe auf und puste die Kerze aus. Ich tapse in die Küche. Dort erwartet mich eine volle Spülmaschine. Diese kümmert sich nicht um meine Zweifel. Und das muss gar nicht schlecht sein.