Kirche

Wenn das Vertrauen schwindet

Vier Hamburger Geistliche beschreiben ihre Zweifel – an ihrem Glauben, an Gott und an der Vernunft der Menschen

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ibt es Gott? Und – angesichts millionenfachen Leides – ist er wirklich gut? Liebt er uns Menschen tatsächlich? Kennt er, auf den ich doch mein Leben aufgebaut habe, mich überhaupt? Seine Verheißung, mir „Leben in Fülle“ (Johannes 10,10) zu schenken – ist sie wahr?

Es war vor allem die letzte Frage, die Angst nicht wirklich leben zu dürfen, die mich vor einigen Jahren in eine massive Krise trieb. Angst kann lähmen. So weit, dass ich irgendwann kaum fähig war, auch nur aufzustehen: „Mich umfingen die Fesseln des Todes, mich befielen die Ängste der Unterwelt“ (Psalm 116,3). Alles schien sinnlos und daher unendlich viel Kraft zu kosten.

Dass ich in einem bestimmten Moment zu der Überzeugung kam: „Ja, es gibt einen Weg!“, sehe ich als ein Geschenk des Himmels an. Es machte mir Mut. Ich suchte mir einen Ort für eine Auszeit und eine Begleitung. Eine harte Wegstrecke lag vor mir. Der schmerzhafteste Moment war der, in dem mir die Ursache dieser Krise klar wurde. Es war nicht eigentlich Gott, sondern ich hatte ein falsches Bild von ihm. Ich hatte zugelassen, dass sich Menschen an die Stelle gesetzt hatten, die nur Gott selbst gebührt, und war so in emotionale Abhängigkeiten geraten. Diese Einsicht gab mir die Chance, mich in einem langen und mühsamen Prozess da herauszuarbeiten.

Monate später, als ich so langsam, langsam wieder Boden unter den Füßen spürte, kam zugleich die Frage auf: Ist das schon alles? Hat Gott nicht noch etwas für mich in petto, was noch kommt?

Es kam. Mir wurde die Erfahrung geschenkt, dass Gott da ist, dass er lebt, ja: dass er in mir lebt, er, der das Leben, die Fülle selbst ist.

Einen Augenblick lang nur, unter Umständen, unter denen ich es nie erwartet hätte. Aber Gott ist souverän. Er wirkt, wann und wo er will.

Dieser eine Augenblick wog alles auf. Und er hat etwas verändert. Nicht, dass jetzt alles anders wäre; einige Wochen später kamen die alten Zweifel zurück. Doch in dem Moment, in dem ich dachte, sie würden mich überwältigen und alles gehe von vorn los – da war auch die Erinnerung wieder da an diese andere Realität, die noch darunter liegt und am Ende stärker sein wird. Nur die nackte Erinnerung, nichts war spürbar. Aber das genügte, um Zweifeln und Angst ins Gesicht sehen zu können. Sie lösten sich. So ist es geblieben.

Es gibt Zeiten, in denen ich mich tagtäglich hindurchkämpfe durch diese Zweifel, von Gott zum Leben, zum Leben in Fülle bestimmt zu sein. Doch die Erinnerung an jene Erfahrung gibt mir auch die Kraft dazu. Die Angst ist noch da, ja. Aber ich fürchte sie nicht mehr.