Kirche

„Ängste und Zweifel gehören einfach zu meinem Leben“

Wenn Familienangehörige schwer erkranken, das geschah in meiner Familie leider häufiger, steht die Welt still, und der Rest wird egal. Draußen ist es hell, der Himmel klar und sonnig; in mir herrscht das Gegenteil. Die Sorgen und Ängste sind da, ich kann sie nicht abstellen und auch nur schwer kontrollieren. Ich bin eben auch in solchen Zeiten impulsiv und emotional.

Und dann kann es geschehen, dass ich alles infrage stelle: Gibt es Gott überhaupt, und warum müssen ich und meine Familie das jetzt so erleben? Wenn er doch allmächtig wäre, dann würde das doch so gar nicht geschehen. Es ist manchmal wie eine Gedankenspirale, die nach unten geht: Vielleicht gibt es Gott nicht, keine Hoffnung, keine gute Ewigkeit. Wie kann ich mit solchen Gedanken Vorbild oder Begleiterin im Glauben sein?… Da kann ich mich richtig hineinsteigern. Gefühle der Panik sind mir dann nicht fremd.

Solche Situationen gab und gibt es in meinem Leben immer wieder. Mit meinen nun 33 Jahren habe ich allerdings mutig beschlossen, mich in Geduld zu üben. Die Schicksalsschläge mit den Sorgen, Ängsten und Glaubenszweifeln gehören einfach zu meinem Leben dazu. Jede und jeder kennt und erlebt sie. Das tröstet mich. Es hilft mir, offen damit umzugehen. In unruhigen Zeiten geduldig sein, das klappt nicht jeden Tag gut, aber ich übe ja auch noch.

Von dem Gedanken, dass Gott allmächtig sein soll, habe ich mich im Laufe meines Glaubenslebens verabschiedet. Das glaube ich nicht. Aber ich glaube an ein Geheimnis des Lebens, das ich Gott nenne, von dem ich erfahren habe, dass es mich durch die Tiefen trägt. Eine Kraft von außen, die mich trotz des Negativen weitermachen lässt. Eine Kraft, die mir zeigt, wie schön und lebenswert es ist, auf der Welt zu sein – mit all den Menschen, die ich liebe. Vielen Menschen gibt genau dieser Glaube, den ich verkündige, Halt. Das geht für mich nur dann, wenn ich die Zweifel nicht ausspare. Auch wenn mir, ganz sicher sogar, wieder etwas dazwischenkommen wird.