Kirche

Flüchtlinge gemeinsam unterstützen

Die Corneliusgemeinde in Fischbek gründete die Initiative „Willkommen in Süderelbe“

Als die ersten Flüchtlinge 2015 in Fischbek untergebracht werden sollten, war man im Stadtteil schon vorbereitet. Dank der Initiative „Willkommen in Süderelbe“. Einem Netzwerk, zu dem rund 1200 Menschen gehören. Bis zu 300 von ihnen sind ständig in diversen Arbeitsgruppen aktiv. Sie geben Deutschunterricht, übernehmen Patenschaften, arbeiten mit Flüchtlingen in einer Fahrradwerkstatt oder organisieren das Café Welcome, das einmal wöchentlich zur Begegnung einlädt. Andere Freiwillige springen bei Bedarf ein. „Die Bereitschaft, etwas zu tun, ist immens groß“, sagt Pastor Gerhard Janke von der Corneliusgemeinde in Fischbek. Zusammen mit dem Ehrenamtlichen Hans Korndörfer gründete er die Initiative.

Beide hatten sich schon länger Gedanken über das Thema Flucht gemacht. „Es zeichnete sich ja schon 2014 ab, dass die Flüchtlingszahlen ansteigen, wir wollten das auch in unserem Stadtteil thematisieren und uns als Kirche dazu positionieren“, sagt Pastor Janke. Das fand auch Hans Korndörfer. Der ehemalige Inhaber eines Taxi-Betriebs ist schon seit vielen Jahren in der Gemeinde aktiv, singt im Kirchenchor, beteiligt sich in der Liturgie-Gruppe. Sie bereitet die monatliche Gestaltung des Impuls-Gottesdienstes zu einem ausgesuchten Thema vor. Anfang 2015 sollte es das Thema Flucht sein.

In diesem Zeitraum fragte auch Bezirksamtsleiter Thomas Völsch an, ob eine Infoveranstaltung für Bürger in der Corneliuskirche möglich sei. Es ging um Pläne zur ersten Flüchtlingsunterkunft. „Auf der Veranstaltung wurde dann sehr kontrovers diskutiert, aber am Schluss hatten wir eine lange Namensliste mit Menschen, die helfen wollten“, sagt Hans Korndörfer. Die Initiative war geboren.

Ihren ersten Einsatz hatte sie im September 2015. An nur einem Wochenende sollte ein Baumarkt zum Erstaufnahmelager umfunktioniert werden. „Nach einem Aufruf über unseren E-Mail-Verteiler hatten wir innerhalb einer Stunde mehr als 100 Leute zusammen, die mit anpackten“, sagt Hans Korndörfer. Seitdem ist „Willkommen in Süderelbe“ fester Bestandteil in Fischbek. Vom Kirchenkreis Hamburg-Ost wurde zur Unterstützung eine Assistenzstelle eingerichtet.

Die Initiative sei wichtig für die gute Atmosphäre im Stadtteil, sind sich Janke und Korndörfer einig. „Es kommen auch Menschen vorbei, die zunächst Vorbehalte haben oder nach den kontroversen Diskussionen über Flüchtlinge verunsichert sind“, sagt Pastor Janke. Durch den Kontakt mit dem Einzelnen und seiner Geschichte verlören viele ihr Unbehagen.

Das gemeinsame Engagement fördert auch die Begegnung der Bürger unter­einander. Von Beginn an waren die Michaelisgemeinde in Neugraben und die Thomasgemeinde Neuwiedenthal mit involviert. „Und es machen viele Menschen mit, die nicht konfessionell mit uns verbunden sind“, sagt Janke. Dazu gehörten ganz besonders der örtliche Sportverein, TV Fischbek und diverse Schulen.

Hans Korndörfer hat sich nun auch zur Wahl für den Kirchengemeinderat aufstellen lassen. Die Gemeinde hat zurzeit 3100 Mitglieder und auch neben der Flüchtlingsarbeit ein sehr aktives Gemeindeleben. „Das Positive, das die Gemeinde schon hervorgebracht hat, wollen wir aufrechterhalten und gleichzeitig neue Menschen ansprechen“, so Korndörfer. Denn eines ist ganz klar, Fischbek und Umgebung werden an Bevölkerung zunehmen. Es ist nicht nur der Bau einer großen Flüchtlingsunterkunft mit 1000 Menschen geplant, sondern auch zwei große Neubaugebiete. Auch für sie möchte die Gemeinde da sein.