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Faire T-Shirts tragen sich besser

Wer Fairtrade-Produkte kauft, hilft nicht nur deren Erzeugern. Zehn Tipps

Britta Lüdeke-Kaufholz ist Coach in der Rathauspassage und arbeitet dort im FairLaden. Dort gibt es fair gehandelte Lebensmittel wie Tee, Kaffee, Süßigkeiten, Nüsse, Getreideprodukte und Getränke. Darüber hinaus bietet der Shop Kunsthandwerk, faire Kleidung, Taschen und Geschenkartikel an. Die Einkäufer arbeiten mit unterschiedlichen Fairhandel-Importeuren wie „Gepa“, „El Puente“ oder „dwp“ zusammen. Es gibt auch Secondhand-Kleidung für Damen und Herren. Die Rathauspassage ist eine Betriebsstätte der gemeinnützigen passage gGmbH. Diese ist Mitglied im Landesverband der Diakonie.

1Ist Fairtrade ein geschützter Begriff oder ein Label?

Britta Lüdeke-Kaufholz: Das Original „Fairtrade“ ist ein Siegel und unterliegt Kontrollen in der gesamten Produktions- und Handelskette. Das Siegel steht dafür, dass alle aus fairer Produktion erhältlichen Zutaten zu 100 Prozent nach den Regeln der weltweit gültigen Fairtrade-Standards gehandelt wurden, egal ob Eiscreme, Kaffee oder Schokolade.

2Welche Voraussetzungen muss ein Fairtrade-Händler erfüllen, um so ein Produkt zu verkaufen?

Für uns als quasi Weltladen mit großem Kleider-Secondhand-Bereich hat sich diese Frage nie gestellt. Doch Unternehmen, die Produkte mit dem Fairtrade-Siegel unter ihrer Marke vertreiben möchten, dürfen dies nur als Lizenzpartner von TransFair, also Fairtrade Deutschland. Das Hauptziel ist, den konventionellen Handel so zu verändern, dass benachteiligte Kleinbauern und Arbeiter von diesen Veränderungen profitieren und verbesserte Marktzugänge erhalten, sodass sie aus eigener Kraft ihre soziale und wirtschaftliche Situation verbessern können.

3In welchen Bereichen gibt es Fairtrade-Produkte?

Die Produktpalette fair gehandelter Ware wird immer größer – zur Freude aller beteiligten Akteure. Von Kunsthandwerk über Lebensmittel, Kleidung und Lederwaren gibt es inzwischen fast alles zu kaufen. Es gibt auch fair gehandelte Blumen und Goldstücke. Das Siegel gibt es in Deutschland inzwischen auf mehr als 3000 Produkten in 42.000 Geschäften.

4Was für Menschen kaufen Ihrer Erfahrung nach faire Produkte?

Unsere Kunden sind überwiegend Menschen, denen eine sozial gerechtere Welt mit fairen Preisen insbesondere auch im Erzeugerland wichtig sind. Fair-Käufer sind also ganz bewusste Käufer, die alle Ressourcen der Erde sinnvoll nutzen wollen, ohne auszubeuten. Rund 70 Prozent unserer Kunden sind Frauen über 50 Jahre, die meisten sind gebildet und viele darunter auch Akademikerinnen.

5Was habe ich als Verbraucher davon, wenn ich ein faires Produkt kaufe?

Mit jedem Kauf eines fair gehandelten Produkts hat man als Kunde die Welt ein bisschen besser gemacht.

6Ist Fairtrade automatisch auch ökologisch?

Nicht zwingend, aber häufig sind die Produkte, insbesondere im Lebensmittelbereich, auch ökologisch hergestellt.

7Fairtrade-Produkte sind teurer als andere gleichwertige Waren, warum ist das so?

Bei Fairtrade-Produkten wird bereits der Produzent fair bezahlt, das heißt nicht ausgebeutet, und somit erhöhen sich die Einstandspreise. Und die ziehen sich entsprechend bis zum Endpreis durch.

8Gibt es auch schicke faire Mode, oder wird hier eher der Öko-Stil gepflegt?

Faire Mode ist natürlich auch schick und modern. Bei Accessoires wie Taschen, Schals und Gürteln ist derzeit ein Materialmix sehr gefragt. Und seien Sie gewiss: Ein faires Baumwoll-T-Shirt trägt sich auch viel besser, da das Bewusstsein beim Träger immer mitschwingt.

9Eine-Welt-Läden und Kirchengemeinden bieten überwiegend Fairtrade-Produkte an. Welche Botschaft wollen Sie dabei rüberbringen?

Kirchen stehen unter anderem für christliches Handeln, somit auch für faires Handeln, und aus ihrer Initiative sind die Weltläden vor einigen Jahrzehnten in ganz Deutschland entstanden – genau das ist auch die Botschaft. Wir sind eine Welt und sollten in allen Bereichen fair mit­einander umgehen.

10In welchen Läden in Hamburg gibt es sonst noch Fairtrade-Produkte?

Inzwischen hat ein kleiner „Siegeszug“ von fair gehandelten Produkten auch in normalen Geschäften und Supermärkten Einzug gehalten. Das schafft bei vielen Kunden ein Bewusstsein dafür.

Die Rathauspassage bietet langzeitarbeitslosen Menschen Arbeit. Ziel ist es, die Menschen durch Zuwendung, Wertschätzung und Fortbildung wieder zu stabilisieren. Die Geschäfte dort befinden sich direkt unter dem Rathausmarkt und sind über den Zugang zu S-/U-Bahnen der Haltestellen
Jungfernstieg und Rathaus (Ein-/Ausgang Rathausmarkt) zu erreichen.Weitere Infos über faire Produkte gibt es unter: www.fairtrade-deutschland.de