Fussball Oberliga Hamburg

5:1 – FC Süderelbe heißt der klare Sieger im Südderby

| Lesedauer: 7 Minuten
Günther Bröde
Nico Reinecke vom FC Süderelbe kommt vor dem Buchholzer Jakob Schulz (links) an den Ball. Nach einer unübersichtlichen Situation wurde dem FCS-Kapitän der Treffer zum 3:1 gutgeschrieben.

Nico Reinecke vom FC Süderelbe kommt vor dem Buchholzer Jakob Schulz (links) an den Ball. Nach einer unübersichtlichen Situation wurde dem FCS-Kapitän der Treffer zum 3:1 gutgeschrieben.

Foto: Felix Schlikis / Lobeca.de

Die unterlegenen Gäste vom TSV Buchholz 08 hadern mit einer seltenen Entscheidung des Schiedsrichters und der Wahl ihres Schuhwerks.

Neugraben/Buchholz.  Das 5:1 (2:1) des FC Süderelbe im Südderby der Fußball-Oberliga Hamburg gegen den TSV Buchholz 08 ist nicht nur vom Ergebnis her bemerkenswert. Auch die Entscheidung von Schiedsrichter Thomas Bauer, kurz vor der Halbzeitpause den Buchholzer Ljubisa Panic mit Gelb und direkt danach mit Gelb/Rot des Spielfeldes zu verweisen, löste bei manchem Zuschauer Verwunderung aus.

Doch der Reihe nach: Die Erwartungen waren vor dem Oberligaderby der beiden Südvereine auf beiden Seiten groß. Der FC Süderelbe, der sich in Hamburgs höchster Spielklasse auf dem Weg nach oben befindet, hatte in den vergangenen neun Partien nur einmal verloren: gegen den Tabellenführer TSV Sasel. Zwar verlief die Saison insgesamt betrachtet eher durchschnittlich mit bis dahin neun Siegen, vier Unentschieden und acht Niederlagen. Ende vergangenen Jahres lief es allerdings sehr ordentlich mit zehn Punkten aus den letzten fünf Partien.

Zuletzt hatte Buchholz oft gut ausgesehen gegen diesen Gegner

Trotzdem hatte sich auch der TSV Buchholz 08 etwas ausgerechnet. „Der Gegner liegt uns“, strahlte 08-Finanzvorstand Simon Beecken vor dem Spiel Optimismus aus. Das letzte Derby hatten die Nordheider auf eigener Anlage mit 2:0 gewonnen, davor hatten die Nordheider beim 3:3 am Kiesbarg immerhin einen Teilerfolg erzielt. Buchholz 08 reiste als Tabellen-14. an mit erst 25 Treffern in 21 Spielen. Der letzte Sieg lag vier Spiele zurück.

08-Trainer Nabil Toumi ließ die zwei Winter-Neuzugänge Cedric Rathje von der SG Scharmbeck-Pattensen und Hussein Sharba vom TSV Bardowick zunächst auf der Bank Platz nehmen, wechselte sie aber im Verlauf der Partie ein. Seine Spieler hatte er eindringlich vor den Platzverhältnissen am Kiesbarg gewarnt und aufgefordert, sehr genau auf das passende Schuhwerk zu achten. Doch sein Appell war bei einigen Spielern offensichtlich auf taube Ohren gestoßen.

Winter-Neuzugänge von SG Scharmbeck-Pattensen und TSV Bardowick

Die Heimmannschaft ließ vor einer spärlichen Fankulisse von der ersten Minute an erkennen, dass sie ihrer Favoritenrolle unbedingt gerecht werden wollte. So dauert es auch nur gut fünf Minuten bis zum Führungstreffer, für den der Süderelbe-Anhang den quirligen Lucas Camacho feierte, dessen Schuss von links auf das Tor allerdings vom Buchholzer Tizian Backhaus abgefälscht wurde. Fünf Minuten später war es dann der nicht weniger agile Alexander Koval, der für den FC Süderelbe zum 2:0 einnetzte.

Auffällig war, dass viele Buchholzer Standprobleme auf dem harten und rutschigen Boden am Kiesbarg hatten. „Viele hatte die falschen Schuhe an, einige waren auf dem Kunstrasenplatz mit hohen Stollen aufgelaufen und haben nicht einen Zweikampf gewonnen“, ärgerte sich Nabil Toumi nach der Partie und nannte die mangelhafte Vorbereitung als einen Grund für die Derbyniederlage.

Alexandar Mucunski erzielt einziges Tor für Gäste aus der Nordheide

Nach dem 2:0 hätten die beiden bis dahin auffälligsten Angriffskräfte und Torschützen des FC Süderelbe, Camacho und Koval, das Ergebnis bei zwei weiteren Torchancen schon vor der Pause in die Höhe schrauben können. Von den Gästen dagegen war im Angriff so gut wie nichts zu sehen. Bis zur 23. Minute: Da rutschte Alexandar Mucunski im Süderelbe-Strafraum in eine Flanke von links und schloss den ersten und – wie sich herausstellen sollte – einzigen schön herausgespielten Angriff der Nordheider mit einem Schuss unter die Latte zum 1:2-Halbzeitstand aus Gästesicht erfolgreich ab.

Das hätte noch einmal Mut machen können, doch an den Kräfteverhältnissen änderte das wenig. Im Gegenteil: In der 43. Minute klammerte Ljubisa Panic in Höhe der Mittellinie Süderelbes Alexander Koval. Weil der sich aber nach mehreren Schritten aus der Umklammerung befreien konnte, ließ Schiedsrichter Thomas Bauer Vorteil gelten. Dann allerdings grätschte Panic seinem Gegenspieler noch in die Beine, und der Unparteiische pfiff. Bauer zückte die gelbe Karte für das erste, bis dahin ungeahndete Festhalten und zeigte sofort danach Gelb/Rot für das zweite Vergehen.

Gelb und Gelb/Rot innerhalb weniger Augenblicke für Ljubisa Panic

„Dass solch eine Entscheidung überhaupt möglich ist, habe ich heute auch erst gelernt“, kommentierte später Süderelbes Trainer Stefan Arlt die für viele nicht nachvollziehbare Schiedsrichterentscheidung. Sie basierte darauf, dass der Unparteiische beide Verwarnungen ob der Härte der Fouls verhängte und das anfängliche Klammern des Buchholzers nicht als taktisches Foul bewertete. Dann wäre es bei einer gelben Karte geblieben. „Und das wäre die einzig richtige Entscheidung gewesen“, haderte Nabil Toumi mit der nicht alltäglichen Schiedsrichterentscheidung.

In der zweiten Halbzeit dauerte es eine gute Viertelstunde, bis der FC Süderelbe seine Vorteile in weitere Treffer ummünzte. Nach einem Eckstoß von Ömer Akyörük landete der Ball in der 64. Minute irgendwie im Tor. Offiziell wurde Nico Reinecke als Torschütze bekanntgegeben. Stefan Arlt hatte da schon zwei Spielerwechsel vollzogen und zog mit den Einwechslungen von Razak Bandi und Fabian Carlsen nach.

Süderelbe-Trainer Stefan Arlt mit glücklichem Händchen bei Wechseln

Genau die richtige Wahl, wie sich herausstellen sollte. Es waren diese beiden Einwechselspieler, die erst zum 4:1 in der 83. und dann zum 5:1 in der 88. Minute trafen. „Wir haben genauso gespielt, wie wir es uns vorgenommen hatten, waren ganz klar spielbestimmend und haben jederzeit das Tempo hoch gehalten. Der Platzverweis für den Buchholzer Spieler hat zu unserem Erfolg beigetragen“, freute sich der Trainer mit dem glücklichen Händchen.

Während Stefan Arlt sich darüber freute, den Nachbarverein auf Abstand gehalten zu haben, sich seine Mannschaft um einen auf den achten Tabellenplatz verbessern konnte und weiter im Aufwärtstrend bleibt, sieht es für den TSV Buchholz 08 eher düster aus im Kampf um den Klassenerhalt. Besonders dann, wenn am Saisonende möglicherweise sogar fünf Mannschaften absteigen müssten.

Buchholz-08-Trainer Nabil Toumi rechnet mit fünf Absteigern

Wovon Nabil Toumi ausgeht. „Wir stehen praktisch nur einen Platz über dem Strich und haben jetzt mit Gegnern wie dem HEBC, TuRa Harksheide, SV Curslack-Neugengamme und TuS Osdorf vier direkte Duelle mit Mitabstiegskandidaten vor uns.“ Seine Spieler dürfen sich am heutigen Montag auf eine schonungslose Analyse des Derbys und mögliche Konsequenzen gefasst machen, kündigte der Trainer des TSV Buchholz 08 an. Am kommenden Sonntag, 29. Januar, um 14 Uhr kommt der HEBC auf die Otto-Koch-Kampfbahn.

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