Turnen in Liverpool

Karina Schönmaier auf dem Sprung zur Kunstturn-WM

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Markus Steinbrück
Gemeinsam freuen sich Mareen Jacobs (links) und Karina Schönmaier aus Bremen über die großen Erfolge beim Wettkampf in Ketsch.

Gemeinsam freuen sich Mareen Jacobs (links) und Karina Schönmaier aus Bremen über die großen Erfolge beim Wettkampf in Ketsch.

Foto: Blau-Weiss Buchholz / BW Buchholz

Die 17-Jährige von Blau-Weiss Buchholz gewinnt erste nationale Qualifikation. Wie ihre Mannschaft in der 1. Bundesliga abgeschnitten hat.

Buchholz.  Dass man es auch als Turnerin aus einem vergleichsweise kleinen Verein im Süden Hamburgs auf die große internationale Bühne schaffen kann, bewies jüngst Emma Malewski. Die 18 Jahre alte Hamburgerin war in jungen Jahren für die Kunstturngemeinschaft (KTG) Lüneburger Heide an die vier olympischen Frauen-Geräte gegangen. Bei den European Championships im August in München gewann die mittlerweile für TuS Chemnitz-Altendorf startende Malewski dann EM-Bronze mit dem deutschen Team und wurde völlig überraschend Einzel-Europameisterin am Schwebebalken.

Nun schickt sich mit Karina Schönmaier eine weitere Turnerin an, zumindest die Qualifikation für eine große internationale Meisterschaft zu schaffen. Die 17-Jährige von Blau-Weiss Buchholz hat die erste Qualifikation des Deutschen Turnerbundes (DTB) für die Weltmeisterschaften vom 29. Oktober bis 6. November in Liverpool gewonnen. „Eine Sensation. Das hat es in der Sportstadt Buchholz noch nicht gegeben“, so Trainerin Susanne Tidecks. Die bislang größten Erfolge der Schülerin aus Bremen waren DM-Bronze 2021 und DM-Silber 2022, jeweils am Sprung.

Beste Vierkämpferin am dritten Wettkampftag der 1. Bundesliga

Ausgetragen wurde die erste Qualifikation im Rahmen des dritten Wettkampftages der 1. Bundesliga in Ketsch in der Kurpfalz. Als beste Mehrkämpferin sammelte Karina Schönmaier insgesamt 51,35 Vierkampf-Punkte und führte das Turn-Team Kiehn Group Lüneburg-Buchholz auf den fünften Platz von acht Riegen. Persönlich habe sie sich mit dieser Leistung in den engeren Kandidatinnenkreis für die Weltmeisterschaften geschoben, heißt es auf der DTB-Homepage. Lea Marie Quaas (TuS Chemnitz-Altendorf/49,50) und Anna-Lena König (KRK Karlsruhe/48,25) hätten teilweise überzeugen können.

Aus dem EM-Bronze-Team fehlten Seitz, Voss, Malewski und Bui

Aus dem EM-Bronzeteam von München trat nur Pauline Schäfer-Betz (KTV Chemnitz) an; die Vizeweltmeisterin am Schwebebalken ließ jedoch den Stufenbarren aus. Die Europameisterin an diesem Gerät, Elisabeth Seitz (MTV Stuttgart), musste aufgrund einer Coronainfektion verzichten. Sarah Voss (TZ DSHS Köln) hatte sich mit Wadenproblemen vorzeitig für die WM abgemeldet. Emma Malewski zog sich im Vorfeld eine Verletzung am Zeh zu, sodass auch die Europameisterin am Schwebebalken diesmal nicht dabei war. Kim Bui (Stuttgart) hatte nach der EM ihre lange Karriere beendet.

Zweite WM-Qualifikation am 15. Oktober in Rüsselsheim

Bis zu zehn Turnerinnen will Bundestrainer Gerben Wiersma nach Rüsselsheim zur zweiten und entscheidenden Qualifikation am 15. Oktober einladen. „Das wird eine Big Challenge“, sagte der Niederländer mit Blick auf die Aufstellung des WM-Teams. Er hoffe, wieder auf Seitz und Malewski zurückgreifen zu können, wolle aber gleichzeitig nichts riskieren. „Das nächste Jahr ist wichtiger“, betonte Wiersma. Dann wollen die DTB-Frauen das Ticket für die Olympischen Spiele 2024 in Paris lösen.

Turn-Team Lüneburg-Buchholz – Klassenerhalt ist fast perfekt

Beim Erstliga-Wettkampf stand mit Nancy Siepmann unvermittelt eine junge Trainerin in der Verantwortung, die vor allem zum Lernen und Beobachten mitgefahren war. Doch dann musste sich Cheftrainerin Susanne Tidecks mit einer starken Bronchitis und Mandelentzündung abmelden und das Bett hüten. Auch Katharina Kort, die Heimtrainerin von Karina Schönmaier, fiel erkrankt aus. Co-Trainerin Siepmann übernahm die gesamte Organisation vor Ort und hielt gleichzeitig Kontakt zu Tidecks und Kort.

Co-Trainerin Nancy Siepmann eine hervorragende Vertreterin

Die Ergebnisse sprechen auch für eine gute Leistung der Vertreterin: mit Rang fünf beim Wettkampf in Ketsch verteidigte das Turn-Team Kiehn Group Lüneburg-Buchholz den fünften Platz in der Gesamtwertung der 1. Frauen-Bundesliga. Für die Aufsteigerinnen ist der Klassenerhalt greifbar nah.

Besonders hervorzuheben: Am Sprung erzielte Lüneburg-Buchholz gemeinsam mit der TG Karlsruhe-Söllingen das höchste Geräteergebnis der 1. Liga. Für die 50,600 Punkte verantwortlich waren Karina Schönmaier, Mareen Jacobs (beide BW Buchholz), Marina Prylutska (BW Buchholz/Turnzentrum Kiew) und Sonja Fischer (TSV Waging).

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