„Licht in der Halle ist aus“

Leuchtendes Beispiel für Engagement – erst recht bei Corona

| Lesedauer: 7 Minuten
Markus Steinbrück
Der Kleine Stern des Sports in Silber für Platz zwei in Niedersachsen ging an die Judoka des Hansa-Sportvereins Stöckte. Darüber freuen sich (v.l.) Frank Soetbeer (Volksbank Lüneburger Heide), Carolin Charina Jeromin und Marcel Busch (gemeinsame HSV-Abteilungsleiter).

Der Kleine Stern des Sports in Silber für Platz zwei in Niedersachsen ging an die Judoka des Hansa-Sportvereins Stöckte. Darüber freuen sich (v.l.) Frank Soetbeer (Volksbank Lüneburger Heide), Carolin Charina Jeromin und Marcel Busch (gemeinsame HSV-Abteilungsleiter).

Foto: Franz Fender / Genossenschaftsverband

Judoabteilung des Hansa-SV Stöckte belegt Platz zwei bei „Sternen des Sports“ in Niedersachsen und gewinnt insgesamt 3000 Euro Preisgeld.

Winsen. Ein Jahrzehnt lang engagierte sich die Volksbank Lüneburger Heide umfassend für die Sterne des Sports. Ein Projekt, bei dem es nicht um sportliche Höchstleistungen geht. Vielmehr werden Sportvereine für gesellschaftliches Engagement mit Preisgeldern und öffentlicher Darstellung belohnt. Prominente Sportler kamen zu den Siegerehrungen in die Region, der Todtglüsinger SV fuhr mehrfach zur Bundessiegerehrung nach Berlin.

Mittlerweile hat sich die Volksbank aus dem Projekt „Sterne des Sports“ zurückgezogen. Sie setzt nun vor allem auf die Crowdfunding-Aktion „Viele schaffen mehr!“, unterstützt die Projektarbeit von Vereinen durch kräftige Zuschüsse zu Kleinspenden. „Dadurch können wir mehr Gruppen und Vereine erreichen, sie besser betreuen und mit größeren Beträgen unterstützen“, sagt die Projektkoordinatorin Elke Baunack.

„Topf der Findelkinder“ für Bewerber ohne betreuende Volksbank

Bei den Sportvereinen in den Kreisen Harburg, Lüneburg und im Heidekreis sind die „Sterne des Sports“ nicht in Vergessenheit geraten, auch wenn sie keine betreuende Volksbank mehr zur Seite haben. Vereine können sich trotzdem bewerben, können ihre Unterlagen über das Onlineportal www.sterne-des-sports.de einreichen und landen im sogenannten „Topf der Findelkinder“. Diesen Weg beschritt im vergangenen Jahr mit Erfolg der SUP Outdoor Verein (SOV) Lüneburg. Genau den gleichen, ebenso erfolgreichen Weg ging in diesem Jahr die Judoabteilung des Hansa-Sportvereins (HSV) Stöckte.

Schon bei der Bewertung der Projekte aller Findelkinder war die Jury vom HSV-Projekt „Das Licht in der Halle ist aus – da macht das Judoteam viel draus“ so angetan, dass sie es auf Platz eins setzte. Mit diesem Großen Stern des Sports in Bronze war ein Preisgeld von 1500 Euro und die Qualifikation für den Landesentscheid verbunden. Bei der Bewertung der besten niedersächsischen Projekte landeten die engagierten Winsener Judoka erneut weit vorn. „Als bei der Siegerehrung in Hannover die Filme der sechs eingeladenen Vereine gezeigt wurden, hätten wir nicht gedacht, dass es für uns für die Top-3 reicht“, sagte Carolin Charina Jeromin, die die Abteilung gemeinsam mit Marcel Busch leitet.

Projekt: „Das Licht in der Halle ist aus – da macht das Judoteam viel draus“

Sie wurden eines Besseren belehrt: Als Zweitplatzierten bleibt dem HSV Stöckte zwar der Sprung zur Bundessiegerehrung verwehrt, dafür gab es bei der kleinen Feierstunde im Rahmen aktueller Möglichkeiten abermals 1500 Euro Preisgeld, eine Urkunde und eine Trophäe, den „Kleinen Stern des Sports in Silber“. Mit Frank Soetbeer gehörte letztlich auch ein Vertreter der Volksbank Lüneburger Heide zur Delegation. „Carolin Jeromin und Marcel Busch begeistern mich. Das Engagement der beiden für die Judosparte des HSV Stöckte ist sehr beeindruckend“, sagte der Regionalleiter Mittelstand in Winsen.

Unter der Überschrift „Das Licht ist in der Halle aus – da macht das Judoteam viel draus“ fasst der Hansa-Sportverein Stöckte das Feuerwerk an Ideen seines jungen Trainerteams zusammen, mit dem der Judo-Nachwuchs während der Coronazeit bei Laune und auf der Matte gehalten werden sollte. Online-Trainings und Wettbewerbe im Livestream, Flashmob am Gartenzaun, Überraschungen zu Ostern und Halloween, ein digitaler Adventskalender, Ferienausflüge und ein Video zu den Werten des Judo, das sogar beim Deutschen Judo-Bund Eindruck machte, sind einige von zahlreichen Aktionen.

Einsatz lohnt sich: Trotz Corona mehr Mitglieder und mehr aktive Judoka

„Vor Corona waren wir sportlich stark und hatten eine gute Gruppe. Das wollten wir nicht verlieren“, so Jeromin. Es gab auch zwei Workshops, in denen Kinder und Jugendliche lernten, eigene Videoclips zu produzieren. Der Enthusiasmus auf und neben der Matte steckte an: Die Zahl der Abteilungsmitglieder ist von 100 auf etwa 150 gewachsen, die Zahl der aktiven Judoka hat sich von 50 auf 120 mehr als verdoppelt. Die meisten neuen Gesichter in den Anfängerkursen sind zwischen sechs und zehn Jahren alt.

Bei der Landessiegerehrung in Hannover wurde nur der Verein TTC Förste mit dem Projekt „Nicht in meinem Namen. Wir zusammen gegen Rassismus“ höher bewertet. Der Club aus Osterode am Harz erhielt aus den Händen von Staatssekretär Stephan Manke den mit 2500 Euro dotierten „Großen Stern des Sports in Silber“ und vertritt Niedersachsen am 24. Januar 2022 in Berlin, wenn Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die „Goldenen Sterne“ überreicht.

Anti-Rassismus-Projekt aus Osterode gewinnt im Niedersachsen

Das Siegerprojekt: Aufgeschreckt von Berichten über rechtsradikale Vorfälle wollte der Verein gemeinsam mit anderen „Nein“ zu jeder Form von Gewalt und Diskriminierung sagen. In der laufenden Saison verzichtet der Club auf einen Trikotsponsor. Trikots, Hosen und Trainingsanzüge sind stattdessen mit einem speziellen Anti-Rassismus-Logo und den Namen der Unterstützer bedruckt. Finanziert hat der TTC Förste das Projekt über eine Crowdfunding-Aktion, für die er bei Facebook und auf seiner Internetseite warb. Mehr als 100 Sponsoren beteiligten sich. Das Anti-Rassismus-Logo stellt der Verein kostenlos zur Verfügung.

Auf dem dritten Platz (1000 Euro Preisgeld) landet der Garbsener SC, ausgezeichnet für die Maßnahme „Sport als Chance“, für die Förderung von fußballspielenden Mädchen aus sozial schwächeren und bildungsfernen Familien. Weiterhin wurden drei Förderpreise an Eintracht Hildesheim, den RC Tempo Ritterhude und HV Dauelsen verliehen.

Das Preisgeld wird in eine Aktion für die Judo-Jugend investiert

„Die Sportvereine, die im Rahmen des Landeswettbewerbes konkurrieren, sind allesamt leuchtende Beispiele für herausragendes ehrenamtliches Engagement – und damit auch für unsere Gesellschaft“, sagte Staatssekretär Stephan Manke. „Die weiterhin andauernde Corona-Pandemie wird daran nichts ändern – ganz im Gegenteil: Hier kommt den Vereinen eine umso wichtigere Rolle in diesen für unsere Gesellschaft so herausfordernden Zeiten zu.“

Was macht der HSV Stöckte mit den 3000 Euro Preisgeld? Carolin Charina Jeromin muss nicht lange überlegen: „Natürlich werden wir das in eine Aktion für die Judo-Jugend investieren.“

Nominiert als Trainerin des Jahres – Abstimmung bis 30. November

Das große Engagement der Trainer und Trainerinnen beim HSV Stöckte hat überregional Aufmerksamkeit erregt. Der Niedersächsische Judo-Verband und Deutsche Judo-Bund nahmen einige Aktionen in ihren Best-Practice-Bereich auf, anderen Vereinen zur Nachahmung empfohlen. Der Abteilungsleiterin winkt darüber hinaus eine persönliche Auszeichnung.

Noch bis kommenden Dienstag, 30. November, 23.59 Uhr, veranstalten der Deutsche Judo-Bund und das Judo-Magazin eine Online-Abstimmung über Deutschlands Trainer des Jahres 2021 in drei Kategorien. In der Kategorie „Besonderes Engagement in der Pandemie“ ist die 35 Jahre alte Carolin Charina Jeromin zusammen mit zwei weiteren Frauen nominiert. Abstimmen können alle Interessierten online unter www.judobund.de/aktuelles/trainer-des-jahres-2021/online-abstimmung/

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