Judo

Zwei Südamerika-Meister aus Stöckte

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Markus Steinbrück
Charina Jeromin und Marcel Busch vom HSV Stöckte zeigen ihre auffälligen Goldmedaillen, die sie gemeinsam bei den offenen Meisterschaften von Südamerika gewannen. 

Charina Jeromin und Marcel Busch vom HSV Stöckte zeigen ihre auffälligen Goldmedaillen, die sie gemeinsam bei den offenen Meisterschaften von Südamerika gewannen. 

Foto: HSV Stöckte

Judoka des Hansa-Sportvereins (HSV) gewinnen 26 Medaillen bei den offenen und virtuellen Titelkämpfen.

Winsen.  Die Judoabteilung des Hansa-Sportvereins (HSV) Stöckte ist für umfangreiche Aktivitäten bekannt. Und das nicht nur in Zeiten, in denen Sporthallen geöffnet sind. Im Grunde vergehen keine Schulferien, in denen den jungen Mitgliedern, überwiegend Schülerinnen und Schülern, keine Aktivitäten angeboten werden. Im Rahmen des Sommerferienprogramms ging es beispielsweise mit einer selbst konstruierten Seilbahn über die Luhe, bevorzugt mit Landung im Wasser.

In erster Linie zeichnen Charina Jeromin, Rebecca Rehmann und Marcel Busch für die Organisation verantwortlich. Ihr Engagement im Zeichen über die reine Sportart Judo hinaus war in diesem Jahr sowohl dem HSV Stöckte als auch dem Kreissportbund Harburg-Land eine Auszeichnung wert. Der KSB verlieh der HSV-Judoabteilung den Almut-Eutin-Gedenkpreis. Der mit 250 Euro dotierte Preis wird Jahr für Jahr an Sportvereine oder Gruppen verliehen, die sich um die Kinder- und Jugendförderung verdient gemacht haben. Dieser Bereich lag der langjährigen KSB-Vorsitzenden Almut Eutin besonders am Herzen.

Almut-Eutin-Gedenkpreis für Kinder- und Jugendförderung

Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass die Judoka des HSV Stöckte auch für die Sommerferien diverse Aktivitäten auf die Beine gestellt hatten. Der Plan für die letzte Ferienwoche sah so aus: Sonntag: Überraschungsausflug zum Klettern nach Grömitz; Mittwoch: Judo-Training; Donnerstag: Japanische Kissenschlacht; Freitag: Spiele ohne Grenzen; Sonnabend: Segelkurs in Heiligenhafen. Plötzlich allerdings ploppte die Ausschreibung für die internationalen Meisterschaften von Südamerika auf. An diesen offenen Titelkämpfen hatte der HSV Stöckte im vergangenen Jahr bereits teilgenommen.

Das Gute daran: auf die Reise quer über den Globus, die ohnehin nicht zu finanzieren gewesen wäre, konnten Teilnehmer verzichten. In Zeiten der Corona-Pandemie wurden die Südamerika-Meisterschaften online ausgetragen. Die Teilnehmer mussten Videos von Kata-Vorführungen einreichen. Bei diesem Schattenkampf gegen einen imaginären Gegner – in der Karate-Variante jüngst sogar olympische Disziplin – geht es um die perfekte Ausführung der Techniken (siehe Infokasten).

Juristische Auseinandersetzung über neue, aber defekte Matten

Und so wurde das Ferienprogramm um gezieltes Judo-Training erweitert, teilweise zwei Einheiten pro Tag. „Die Trainingsbedingungen waren eingeschränkt, stehen doch die neuen Matten weiterhin unter Verschluss“, berichtet Trainerin Charina Jeromin. Zum Hintergrund: Der HSV Stöckte hatte eine neue Bodenfläche angeschafft, die auch für sehbehinderte Judoka geeignet sein sollte. Allerdings erwiesen sich die gelieferten Matten als schadhaft. Aktuell anhängig ist eine juristische Auseinandersetzung zwischen Sportverein und Sportartikelhersteller. Bis zur Klärung dürfen die neuen Matten nicht benutzt werden, befinden sich also unter Verschluss.

Die verbliebene Mattenfläche war sehr klein und durfte nur von zwei Sportlern gleichzeitig benutzt werden. „Die jungen Sportler entwickelten eventuell gerade deshalb schnell Ehrgeiz und trainierten mit viel Disziplin an der Perfektion ihrer technischen Vielfalt“, so Jeromin. Letztlich starteten 16 Nachwuchssportler des HSV Stöckte in der in Japan, im Kodokan, entwickelten Kinder-Kata „Kodomo no Kata“. Die jeweils 13 Jahre alten Jette Buchholz und Laurenz Degener stellten sich in der „Nage no Kata“ der Konkurrenz aus weiten Teilen des amerikanischen Kontinents. Die Trainer Marcel Busch und Charina Jeromin taten es ihren Schützlingen gleich, starteten in der Kategorie „Randori no Kata“ der Erwachsenen.

Konkurrenz aus Sao Paulo und Rio de Janeiro landet nur auf den Plätzen

Diese Kata ist fester Bestandteil zum Erlangen des 1. Dan (1. Meistergrad, schwarzer Gürtel). Diese beiden Duos – Buchholz/Degener sowie Busch/Jeromin – holten überraschend den Titel bei den offenen südamerikanischen Meisterschaften und verwiesen die Konkurrenz aus Sao Paulo und Rio de Janeiro auf die Plätze zwei und drei. In der Gruppe 2 der unter Elfjährigen und der Gruppe 3 der unter 15-Jährigen war das Podium jeweils komplett in Stöckter Hand.

Nach dem Einreichen der Videos mussten die Sportlerinnen und Sportler aus Winsen lange warten, bevor das Kampfgericht seine Bewertungen öffentlich machte. Alles in allem belegten die Judoka des HSV Stöckte sieben erste, drei zweite und drei dritte Plätze. Einige Tag später hatten auch die 26 Medaillen, angetreten waren jeweils Duos, die weite Reise aus Brasilien nach Niedersachsen unbeschadet hinter sich gebracht.

Nach diesem erfolgreichen Wiedereinstieg in das Wettkampfgeschehen geht es für Jette Buchholz und Laurenz Degener am kommenden Sonnabend, 2. Oktober, mit dem nächsten Highlight weiter. Sie starten in Oyten bei den Landes-Kata-Meisterschaften.

Infokasten: Wettkampfjudo und Kata

Beim weit verbreiteten Wettkampfjudo versuchen zwei Judoka, den jeweils anderen auf den Rücken zu werfen, im Haltegriff zu halten, zu heben oder zu würgen, um als Sieger aus dem Kampf hervorzugehen. Daneben gibt es Techniktraining in geschlossenen Situationen, diese Form des Trainings nennt sich Kata.

Bei einer Kata-Meisterschaft kommt es auf die perfekte Ausführung und das perfekte Timing der einzelnen Techniken an. Auch die Etikette wird bewertet. Eine Disziplin, die viel Konzentration und Trainingsfleiß erfordert. Andererseits ist sie eine wichtige Grundlage, um im bekannten Wettkampfjudo erfolgreich zu bestehen.

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