Spannendes Saisonfinale

„Wir wollen uns in der Oberliga etablieren“

| Lesedauer: 6 Minuten
Markus Steinbrück
Die Tennis-Damen des Harburger TB (hinten, v.l.): Juliette Clement, Cheyenne Geschonke, Neuzugang Eva Kreyenbrink, Carlotta von der Linde; (vorn, v.l.) Nele Tomforde, Maja Münch, Trainer Christian Dammann und Emily Wagener. Es fehlen Maxine von der Linde, Karolin Weiß, Nika Terentieva und Leonie Dressler.

Die Tennis-Damen des Harburger TB (hinten, v.l.): Juliette Clement, Cheyenne Geschonke, Neuzugang Eva Kreyenbrink, Carlotta von der Linde; (vorn, v.l.) Nele Tomforde, Maja Münch, Trainer Christian Dammann und Emily Wagener. Es fehlen Maxine von der Linde, Karolin Weiß, Nika Terentieva und Leonie Dressler.

Foto: Harburger TB

Nach einigen Ab- und Aufstiegen schlagen die Tennisdamen des Harburger TB wieder in Hamburgs höchster Klasse auf – und das nicht nur im Sommer.

Harburg.  Die erste Tennis-Damen-Mannschaft des Harburger Turnerbunds (HTB) hat die Rückkehr in die Oberliga Hamburg perfekt gemacht. Am letzten Spieltag der Verbandsligasaison kam es zu einem echten Endspiel gegen den Nachbarn SV Wilhelmsburg. Am Ende einer sechsstündigen Auseinandersetzung im Sportpark Jahnhöhe durften die Gastgeberinnen jubeln.

Zwar verloren sie das Spiel mit 4:5, die vier gewonnen Matches genügten aber, um sich in der Abschlusstabelle vor den punktgleichen Wilhelmsburgerinnen zu behaupten. Damit spielen die jungen HTB-Damen, die in den vergangenen Jahren mehrfach ab- und aufgestiegen waren, nun sowohl in der Winter- als auch in der Sommersaison in der höchsten Hamburger Spielkasse. Dort wollen sie sich mittelfristig etablieren.

Verletzungen bei Maja Münch und Carlotta von der Linde

„Der SV Wilhelmsburg um die Spitzenspielerinnen Ann Sophie Stuhlmann und Dana Hoops war der erwartet schwerer Gegner. Es hat sich ein Punktspiel auf des Messers Schneide entwickelt“, sagte HTB-Trainer Christian Dammann. Im Vorfeld war klar, dass den Harburger Tennisdamen vier gewonnene Spiele zum Aufstieg reichen würden. Dammann hatte gehofft, diese vier Punkte bereits nach den sechs Einzeln im Sack zu haben. Doch es kam anders.

Im Duell der Spitzenspielerinnen kämpfte Maja Münch (HTB) vom zweiten Satz an mit Wadenproblemen und unterlag Ann Sophie Stuhlmann schließlich mit 6:4, 2:6 und 3:10. Noch schlimmer erwischte es Carlotta von der Linde. Sie verletzte sich bei einem Sturz schwer am Ellenbogen, musste aufgeben und fiel somit auch für das Doppel aus. Einige Tage später kam die ernüchternde Diagnose: Bruch des Radiusköpfchens am Ellenbogen – fünf Wochen Gips.

Taktische Doppelaufstellung von Trainer Dammann wird belohnt

Immerhin gewannen Nele Tomforde, Juliette Clement und Emily Wagener ihre Einzel glatt in zwei Sätzen, so dass ein Sieg in den drei abschließenden Doppeln für den Aufstieg reichen würde. Dammann agierte taktisch geschickt, wählte die Zusammensetzung der Doppelpaarungen so, dass er frei entscheiden konnte, welches Doppel an welcher Position antritt.

Seine Hoffnungen ruhten auf der Kombination Nele Tomforde, die im Einzel an Position zwei spielt, und Juliette Clement (Nr. 5). „Von ihrer Spielweise her ergänzen sich die beiden gut“, sagte Dammann. Der Trainer sollte Recht behalten. Tomforde/Clement gewannen ihr Doppel gegen Bendona Doagbodzi/Celien Bosma mit 6:2, 6:0 und fuhren den so wichtigen vierten Punkt zum Aufstieg in die Oberliga Hamburg ein.

SV Wilhelmsburg gewinnt 5:4, bleibt aber Tabellenzweiter

Am Ende stand ein 5:4-Gesamtsieg für den SV Wilhelmsburg, der einen starken Auftritt auf der Jahnhöhe hinlegte. Den Aufstieg aber feierten die Damen des Harburger TB. „Über die gesamte Saison gesehen ist das verdient“, sagte Christian Dammann. „Ausschlaggebend hierfür war eine geschlossene Mannschaftsleistung und eine klasse Atmosphäre innerhalb des Teams.“

Etablierte Spielerinnen wie Maja Münch, Nele Tomforde, Juliette Clement und Carlotta von der Linde hätten nicht nur Qualität in die Mannschaft gebracht, sondern auch den nachrückenden Nachwuchsspielerinnen Maxine von der Linde (20 Jahre), Cheyenne Geschonke (17) und Emily Wagener (20) den Einstieg in die erste Damen sehr erleichtert. „Unsere jungen Spielerinnen haben den ganz jungen das weitergegeben, was wir ihnen vor einigen Jahren an die Hand gegeben haben. Alles in allem ein toller Haufen, mit dem es Spaß bringt zu arbeiten“, sagte der Trainer.

Ein Neuzugang vom Niederrhein für die Oberliga-Hallensaison

Für die im Januar 2022 beginnende Hallenserie kann der Coach mit einer weiteren Spielerin planen. Eva Kreyenbrink ist vor zwei Monaten vom Niederrhein nach Hamburg gezogen und hat sich dem HTB angeschlossen. Die 23-Jährige soll dazu beitragen, den Klassenerhalt in der Oberliga zu schaffen.

Eingebettet war der Sommersaison-Abschluss einiger Tennis-Mannschaften des Harburger Turnerbundes in den Tag der offenen Tür im Sportpark Jahnhöhe. Sehr gute Resonanz lösten die Präsentationen und Mitmachaktionen der 22 Abteilungen und Kindertagesstätte HaakeFüchse aus. Auch über eine Reihe neuer Mitglieder dürfen sich die Verantwortlichen des Harburger TB freuen, gerade in Zeiten nach Corona eine wichtige Nachricht für Sportvereine generell.

Herren 55 verpassen knapp den Aufstieg in die Nordliga

Gegen Ende des vierstündigen Tages der offenen Tür fielen wichtige Entscheidungen auf dem Tenniscourt. Auch für die Herren 55 ging es um den Aufstieg in die nächsthöhere Klasse. Sie verpassten nach einem wahren Krimi den greifbar nahen Sprung in die Nordliga. Das Entscheidungsspiel gegen den Lemsahler SV war gleichbedeutend mit dem Endspiel um die Hamburger Meisterschaft. Einen herben Rückschlag mussten die Gastgeber schon in den Einzelmatches verkraften. Spitzenspieler Patrick Buhr lag mit 6:3, 2:0 in Führung, als er sich einen Muskelfaserriss zuzog und aufgeben musste. Dieser Punkt ging an Lemsahl.

Nach acht Matches stand es 4:4. Das letzte Doppel musste die Entscheidung über den Aufstieg bringen. Vor den Augen zahlreicher Fans und bestens in Szene gesetzt von der vor Jahresfrist neu installierten Flutlichtanlage, hatten Markus Eschweiler und Frank Holländer vier Matchbälle. Verwandeln konnten sie keinen davon. Und so mussten sich die HTB-Herren 55 im Champions-Tiebreak des dritten Satzes – zuvor hatte jedes Doppel einen Satz gewonnen – mit 14:16 geschlagen geben. Damit gewannen die Gäste des Lemsahler SV das Finale mit 5:4 und jubelten über den Aufstieg in die Nordliga. Den Herren 55 des HTB blieb nur, fair zu gratulieren.

Ein Paar: Carlotta von der Linde und ATP-Profi Nikolos Bassilaschwili

Dass Carlotta von der Linde beim letzten Saisonspiel der HTB-Tennisdamen dabei war, ist nicht selbstverständlich. Sie ist die Lebensgefährtin des ATP-Profis Nikolos Bassilaschwili und bereist mit dem Georgier üblicherweise die große Tenniswelt. In Zeiten von Corona und vielen Online-Vorlesungen konnte die 23-Jährige ihr Studium parallel aber gut vorantreiben.

Kennengelernt hatten sich die aus Buxtehude stammende Von der Linde und der 29-Jährige vor einigen Jahren am Hamburger Rothenbaum. Bassilaschwili hat das Sandplatzturnier in den Jahren 2018 und 2019 zweimal gewonnen. In der Weltrangliste wird er derzeit an Position 35 geführt.

( msb )

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