Kampfsport

In der Mischung liegt die Kraft

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Sven Bleilefens
Dienstags und Donnerstags wird in der Sporthalle Göhlbachtal „Kajukenbo“ gelehrt. Die Gruppe der Erwachsenen ist schon bei den ersten Trainingsstunden erstaunlich groß.

Dienstags und Donnerstags wird in der Sporthalle Göhlbachtal „Kajukenbo“ gelehrt. Die Gruppe der Erwachsenen ist schon bei den ersten Trainingsstunden erstaunlich groß.

Foto: Sven Bleilefens

Der Harburger Sport-Club hat eine Kung-Fu-Abteilung gegründet. Tjark Krebs trainiert zweimal wöchentlich jung, alt – und alle dazwischen.

Harburg.  Vielsagend kommt die Ankündigung eines neuen Angebots durch den Harburger Sport-Clubs(HSC) nicht gerade daher. „Auf was genau das hinausläuft, weiß ich noch gar nicht“, sagt zum Beispiel Christina Scherbinske, die ihren Sohn Tjalf zu einer der ersten Übungsstunden von „Kajukenbo – Wun Hop Kuen Do Kung Fu“ begleitet hat. Wie bitte? Immerhin dürfte der eine oder die andere mit dem Begriff Kung Fu etwas anfangen können. Den Älteren werden eventuell Kampfsportszenen mit Bruce Lee in den Sinn kommen.

Und was verbirgt sich nun hinter der etwas sperrigen Bezeichnung? Wir haben es hier, verkürzt gesagt, mit einer Kombination mehrere Faustkampfstile zu tun. Sie landete in den 1970er-Jahren in Hamburg und wird seit Neuestem von Tjark Krebs beim Harburger SC gelehrt.

Harmonische Kombination, unter anderem von Karate, Judo und Boxen

„Der beschriebene Kung-Fu-Stil vereint verschiedene Richtungen, unter anderem aus dem Karate, Judo und Boxen, auf eine fließende, harmonische Art und Weise“, erzählt Martin Krebs, Vater und langjährige Trainer von Tjark Krebs. Wie kann ich mich am besten verteidigen? Das ist die Devise, die den Schülerinnen und Schülern schrittweise greifbar gemacht wird. Diese kämen aus ganz unterschiedlichen Gründen zum Kung Fu, hat Martin Krebs in vielen Jahren als Lehrer erfahren. Ob zur Schulung des Körpergefühls, aus Lust auf Wettkampf oder um eine solide Fitness zu erreichen. Üblicherweise kommunizieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmern ihre persönlichen Wünsche und Ziele. Diese werden bei der Auswahl der Trainingsinhalte entsprechend berücksichtigt.

Dienstags und donnerstags wird zwischen 17 und 19 Uhr in der Sporthalle Göhlbachtal in Harburg trainiert. In der ersten Stunde ist jeweils der Nachwuchs gefordert. Beim ersten Probetraining für die Kinder steht der Spaß an der Bewegung im Vordergrund. Aufwärmen, Dehnen, „Rückfäuste“ in die Luft, Liegestütz. „Die Beine spannen wir kräftig an, nicht so wie Spaghetti“, ruft Tjark Krebs. Auf der Zuschauerbank treffen sich die Blicke von Eltern, Begleitern und Reporter. Ohne dass ein Wort fällt, ist jedem und jeder die Botschaft anzusehen: „Gut, dass ich hier sitzen bleiben darf.“

Gemeinsam: Routiniers geben den Anfängern geduldig Tipps

Die Kinder haben sichtlich Spaß. Beim „Tigerstand“ bleibt ihnen noch die Puste für ein vergnügtes Kichern. Zugute kommt dem Übungsleiter, dass er schon seit 2014 Trainerstunden gibt, mehrere Jahre davon leitet er auch Kinder an. An diesem Dienstag bleibt die Gruppe noch überschaubar: Tjalf, Carmen und Emma hat es Spaß gemacht, sie wollen wiederkommen. Im Verein herrscht die Überzeugung, dass das, wie Martin Krebs es formuliert, „nur der Anfang war.“ Weitere Anmeldungen stünden in Aussicht.

Nach einer Stunde erfolgt der fliegende Wechsel: die Kinder gehen, nun sind alle ab 13 Jahren gefordert. Die Anzahl der Sportlerinnen und Sportler ist deutlich größer, der Unterschied in den Vorkenntnissen ebenfalls. Gut die Hälfte trägt bereits einen Gürtel – und das nicht, weil die Hose rutscht. Gürtel verschiedener Farben werden in Kampfsportarten verliehen, wenn man das nächste Level an Kenntnissen und Fähigkeiten erreicht und die Prüfung erfolgreich abgelegt hat. Tjark Krebs baut schnell erste Partnerübungen ein (das An- und Abgrüßen nicht vergessen). Innerhalb dieser Duos können die Routiniers den Anfängern geduldig Tipps geben, während der Trainer von einem zum nächsten zieht.

Harburger SC plant generelle Ausweitung der Sportangebote

Toni Baars ist einer der Neuen. „Ich komme wieder, das war cool“, sagt er anschließend. Zwar habe er ordentlich Respekt vor den erfahrenen Sportlerinnen und Sportlern verspürt, die Zusammenarbeit habe ihm aber enorm geholfen. Mit einem dieser Gürtelträger, Bastian Schoop, stimmt er schließlich überein, dass der Trainingsauftakt sehr gelungen sei. Dem kann sich auch Tjark Krebs nur anschließen: „Die Anspannung war im Voraus da, ist aber ganz schnell verflogen. Mir hat es Spaß gemacht und ich hoffe, den Teilnehmern auch.“

Aufgrund der Pandemie musste der Startschuss für diese neue Abteilung des HSC mehrfach verschoben werden, nun ist der Anfang gemacht. Gemäß Thorsten Hrdina, seit etwa einem Jahr Präsident des Sportvereins, soll das nur der Anfang für eine generelle Ausweitung der Sportangebote beim Harburger SC sein. Weitere neue Abteilungen seien in Planung. „Tjark Krebs ist absolut autark. Wenn er Hilfe braucht, unterstützen wir ihn. Wir sind froh, dass er da ist“, sagt Präsident Hrdina abschließend.

Informierende Erklärung: Was ist Kajukenbo?

Kajukenbo setzt sich aus Karate, Judo, Jiu-Jitsu, Kenpo, dem chinesischen und dem westlichen Boxen zusammen. Daraus entwickelte sich später das Wun Hop Kuen Do, ein kombinierter Faustkampfstil. Dieser wurde von Senior Grandmaster Al Dacascos begründet und in den 1970er-Jahren nach Hamburg gebracht. In Harburg werden Selbstverteidigung, Kickboxen, der philippinische Stockkampf, Fallschule, Hebeltechniken und vieles mehr unterrichtet. Geschult werden dadurch das Selbstvertrauen, die Koordination, Kondition, Konzentration und auch die Reflexe.

Die Trainingszeiten beim Harburger SC: dienstags und donnerstags für Kinder 6 bis 12 Jahren: von 17 bis 18 Uhr; für Jugendliche und Erwachsene ab 13 Jahre: von 18.15 bis 19.15 Uhr; Schulsporthalle Göhlbachtal 38, 21073 Hamburg; ein zweiwöchiges kostenloses Probetraining ist möglich. Informationen auch im Internet unter www.harburger-sport-club.de.

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