Volleyball-Bundesliga

Kampf, Arbeit und der Sieg im Niedersachsenderby

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Markus Steinbrück
Mit zunehmender Spielzeit erwies sich der Dreierblock der SVG Lüneburg mit Gijs van Solkema, Michel Schlien und Viktor Lindberg (von links) als zunehmend stabiler. Hier stemmen sie sich dem Schlag von Stijn van Tilburg (Nr. 4, Giesen) entgegen.

Mit zunehmender Spielzeit erwies sich der Dreierblock der SVG Lüneburg mit Gijs van Solkema, Michel Schlien und Viktor Lindberg (von links) als zunehmend stabiler. Hier stemmen sie sich dem Schlag von Stijn van Tilburg (Nr. 4, Giesen) entgegen.

Foto: Markus Steinbrück / HA

Die Volleyballer der SVG Lüneburg zwingen die TSV Giesen Grizzlys in fünf Sätzen in die Knie. Einzug in die Play-offs ist zum Greifen nah.

Lüneburg.  An Rechenspielchen rund um die Tabelle der Volleyball-Bundesliga möchte sich Stefan Hübner nicht beteiligen. „Da kennen sich meine beiden Kinder besser aus, vor allem der Große“, sagte der Trainer der SVG Lüneburg schmunzelnd. Ein gutes Gefühl, dass sich seine Mannschaft auf einem guten Weg in die Play-offs befindet, hat der Coach aber allemal. Erst recht nach dem hart erkämpften 3:2 (16:25, 25:22, 25:18, 21:25, 15:12)-Heimsieg gegen die TSV Giesen Grizzlys. Die SVG Lüneburg gewann nicht nur das Niedersachsenderby gegen das Team aus Hildesheim, sondern distanzierte auch einen Konkurrenten im Kampf um einen der ersten acht Plätze.

Lüneburg rückt auf den fünften Tabellenplatz vor

Diese Top-8 berechtigen nach Abschluss der 20 Hauptrundenspiele zur Teilnahme am Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft. Die SVG Lüneburg rückte mit den zwei Punkten aus dem Tiebreaksieg in Reppenstedt auf den fünften Tabellenplatz vor (28 Punkte), die Gäste stehen derzeit unter dem Strich auf Rang neun (23 Punkte). Beide Vereine haben noch drei Spiele auszutragen, und damit mindestens eines mehr als die direkte Konkurrenten.

„Es war heute ein richtiger Play-off-Fight. Es war nicht besonders schön. Es war Kampf, es war Arbeit, wir haben alles reingehauen“, sagte Stefan Hübner, dem eines wichtig zu betonen war: „Den Gegner haben wir auf keinen Fall unterschätzt.“ Dieser Eindruck hätte beim unbedarften Beobachter im ersten Satz entstehen können. Da liefen die Gastgeber früh einem Rückstand hinterher (5:7, 7:13, 11:17). Sie schafften es zu keinem Zeitpunkt, noch einmal in Schlagdistanz zu kommen. Meist gelang den Lüneburgern nur eine gute Aktion, den nächsten Punkt machte Giesen. Die präsentierten sich mit einer guten Feldabwehr, variablen Angriffen und bekamen auch im Block häufig eine Hand an den Ball. So ging der Durchgang über 20:13 schließlich mit 25:16 deutlich an die Gäste.

SVG beginnt ein bisschen nervös und müde

„Unsere Block- und Feldabwehr war anfangs sehr schlecht“, sagte Hübner, „wir waren nicht richtig wach und vielleicht ein bisschen nervös.“ Dass seine Mannschaft erst am Mittwoch, also drei Tage zuvor, den Berlin Recycling Volleys, die immerhin das Viertelfinale der Champions League erreicht haben, ebenfalls einen kraftraubenden Kampf über fünf Sätze (2:3) geliefert hatte, wollte Hübner nicht als Ausrede gelten lassen. „Der Punkt in Berlin hat uns gutgetan. Er hat uns Selbstvertrauen gegeben“, sagte er vielmehr.

Dass seine Spieler besser spielen und selbstbewusst auftreten können, stellten sie im zweiten Satz unter Beweis. Jetzt machten sie allein über den Aufschlag mehr Druck, und es entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel. Bei 18:20 schien das Pendel wieder zugunsten der Giesen Grizzlys auszuschlagen. Doch nach einer Hübner-Auszeit machte die SVG zunächst drei Punkte in Folge zum 21:20. Nach dem 21:21-Ausgleich waren es Jordan Ewert, Viktor Lindberg, William Craft und erneut Ewert mit seinem knallharten Hinterfeldangriff, die den Satzausgleich herstellten (25:22). Noch deutlicher, vor allem dank nun starker Blockarbeit, gewann die SVG Lüneburg den dritten Satz (25:18), um den vierten wieder abgeben zu müssen (21:25).

Jordan Ewert verwandelt den ersten Matchball zum 3:2-Sieg

Im Tiebreak schließlich bescherten zwei starke Aufschläge von Florian Krage den Gastgebern die 9:7-Führung. Richard Peemüller machte von Außen das 10:8, Gijs van Solkema per Aufschlag-Ass durch die Mitte das 11:8 und ein technischer Fehler der Gäste führte zum vorentscheidenden 12:8 für die Lüneburger. Sie führten bei 13:11 und 14:12 zwar nur noch mit zwei Punkten. Jordan Ewert verwandelte aber gleich den ersten Matchball zum 3:2-Gesamtsieg.

„Es war die ganze Zeit hochintensiv und wir sind froh, dass wir zwei Punkte mitnehmen konnten. Heute waren wir vor allem über die Außenpositionen stark“, sagte Hübner. Im Kampf um den Einzug in die Play-offs hat die SVG Lüneburg nun gute Karten. „Es ist schön, nach dieser Hinrunde wieder in solch einer Position zu sein“, sagte Hübner, dessen Team nach nur drei Siegen in den ersten neun Partien bis Jahresende mit Rang neun vorlieb nehmen musste.

In zwei der letzten drei Spiele geht es gegen Friedrichshafen

Bereits am Donnerstag tritt die SVG Lüneburg auswärts bei den Bisons Bühl an. Danach geht es noch zweimal gegen den Tabellenführer VfB Friedrichshafen, zunächst am kommenden Sonnabend, 27. Februar, um 19 Uhr in der Gellersenhalle in Reppenstedt. Spannend zu sehen sein wird, wie der Branchenprimus vom Bodensee die zweiwöchige Quarantäne verkraftet hat. Deswegen schied Friedrichshafen auch kampflos aus der Champions League aus.

Die meisten der insgesamt 102 Punkte für die SVG Lüneburg gegen den TSV Giesen machten Jordan Ewert (21), Richard Peemüller (16), Viktor Lindberg (13) und Michel Schlien (11). Dem Letztgenannten gelangen allein sieben Punkte über erfolgreiche Blocks. Als wertvollster Spieler beim Sieger wurde Peemüller ausgezeichnet, die silberne MVP-Medaille ging an Pearson Eshenko.

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