Rallycross

2021 sollen am Estering wieder die Motoren röhren

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Maximilian Bronner
2019: Der Schwede Robin Larsson führt bereits nach der ersten Kurve. So wie im Vorjahr sollen auf dem Estering auch 2021 wieder die Motoren aufheulen.

2019: Der Schwede Robin Larsson führt bereits nach der ersten Kurve. So wie im Vorjahr sollen auf dem Estering auch 2021 wieder die Motoren aufheulen.

Foto: Maximilian Bronner

Deutsch-Belgische Meisterschaft garantiert den Zuschauern zwei volle Tage Motorsport. Suche nach einem neuen Promoter geht weiter.

Buxtehude.  Während die Rallycross-Autos weitestgehend eingemottet werden, beginnt für Jan-André Lemme im Winter die arbeitsintensivste Zeit des Jahres. Der erste Vorsitzende des Automobil Club Niederelbe (ACN) ist momentan mit der Planung der Rallycross-Saison auf dem Buxtehuder Estering beschäftigt. Bisher steht eine Doppelveranstaltung zur Deutschen und Belgischen Rallycross-Meisterschaft (DRX) am 26. und 27. Juni fest, weitere internationale Rennen könnten 2021 noch hinzukommen.

Anders als in der Vergangenheit werde es sowohl am Sonnabend, als auch am Sonntag ein eigenes DRX-Rennen geben, erklärt der ACN-Vorsitzende Lemme. „Die Deutsch-Belgische Meisterschaft ist als Doppelveranstaltung geplant, sodass an beiden Tagen eigene Finals gefahren werden. Die Zuschauer bekommen so zwei volle Tage Motorsport“, sagt Lemme. In den letzten Jahren wurden die Qualifikations- und Finalläufe noch auf beide Wochenendtage aufgeteilt.

ACN-Vorsitzender koordiniert auch Deutsche Meisterschaft

Jan-André Lemme wird dabei zukünftig in Doppelfunktion tätig sein. Neben seinem Engagement für den ACN ist er zukünftig als DRX-Serienkoordinator für die Attraktivität der gesamten Meisterschaftsserie verantwortlich. Nachdem der bisherige DRX-Koordinator nicht mehr angetreten war, wurde Lemme von der DRX-Kommission vor einigen Wochen zu seinem neuen Amt ernannt. „Als Serienkoordinator muss ich die Serie attraktiver gestalten. Dazu zählen Sponsoring, Außendarstellung, Werbung und mehr. Außerdem bin ich das Bindeglied zwischen den Veranstaltern, Fahrern und dem Deutschen Motor Sport Bund“, erklärt Lemme.

Die größte Herausforderung: Die DRX-Serie soll professioneller werden – ohne dabei Teams mit kleineren Budgets zu verlieren. „Die DRX soll trotzdem Leuten mit geringeren Budgets die Möglichkeit geben, dort teilzunehmen. Diese Vielfalt macht den Rallycross-Sport aus“, weiß Lemme.

Ob tausende Zuschauer zugelassen werden, ist noch ungewiss

Zurzeit gehe er davon aus, dass im nächsten Sommer Rallycross-Rennen stattfinden werden. Ob allerdings auch wie im gewohnten Umfang mehrere tausend Zuschauer an der Strecke stehen werden, sei nach wie vor ungewiss. „Wir wünschen uns natürlich Zuschauer, ich könnte mir vorstellen, dass eine kleinere Anzahl an Zuschauern zugelassen wird, als in den vergangenen Jahren. Eine DRX ohne Zuschauer wäre gerade so möglich, ohne dass wir ein Minusgeschäft machen“, sagt der ACN-Vorsitzende.

Zukünftig hofft er, als DRX-Serienkoordinator eine eigene Nachwuchs-Serie gründen zu können. Die „Rookie 1600“-Klasse sei bereits eine gute Möglichkeit für junge Fahrer, den Einstieg in den Rallycross-Sport zu finden. „Dort kann man schon mit relativ wenig Geld teilnehmen. In der Klasse ist Motorsport ab 14 Jahren möglich. Es ist gut möglich, dass es einen Nachwuchscup geben wird, wenn sich da ein Hersteller findet, der Einheitsfahrzeuge bietet“, sagt Lemme.

Lemme liebäugelt mit der Gründung einer Nachwuchsserie

Im Jahr 2019 gastierte mit der „Titans RX“-Serie erstmals eine Rennserie mit derartigen Einheitsfahrzeugen auf dem Estering. Allerdings nicht für Nachwuchsfahrer – sondern für internationale Profis. Noch sei allerdings unklar, ob es die Serie von Titans-Gründer Max Pucher auch im kommenden Jahr geben wird. „Wir stehen mit Max Pucher in Kontakt. Wenn er seine Serie stattfinden lässt, kann es durchaus sein, dass wir wieder mit dabei sind“, sagt der ACN-Vorsitzende Lemme.

Zurzeit steht über dem internationalen Rallycross-Sport allerdings ein großes Fragezeichen. Die großen Werksteams wie Ford, Audi, Peugeot oder Volkswagen haben die FIA Rallycross-Weltmeisterschaft (WRX) bereits vor zwei Jahren verlassen. Damals wurden erste Pläne bekannt, nach denen die WRX-Serie zukünftig rein elektrisch gefahren werden solle.

US-amerikanischer Promoter „IMG“ ist kurzfristig ausgestiegen

Vor einigen Wochen sorgte zudem die Meldung für Aufsehen, dass der US-amerikanische WRX-Promoter „IMG“ in diesem Winter aus der WM-Serie aussteigt. IMG hatte in den vergangenen Jahren stärker auf internationale Strecken mit Formel-1-Flair gesetzt. Der Buxtehuder Estering konnte die hohen Kosten als kleine Traditionsstrecke schließlich nicht mehr stemmen und stieg 2018 aus der WRX aus. „Wir beobachten, was international nach dem IMG-Ausstieg passiert. Niemand weiß, was jetzt mit der EM und WM passiert“, sagt Jan-André Lemme.

Noch ist unklar, ob sich für die kommende Saison ein neuer Promoter finden lässt. „Der IMG-Rückzug wird definitiv Auswirkungen haben. Auf dem Level braucht man einfach einen Promoter. Die Frage ist, ob sich noch jemand bereit erklärt, dem Ganzen neues Leben einzuhauchen“, sagt Lemme. Denkbar sei beispielsweise, dass sich die EM-Serie von der zukünftig elektrischen WM-Serie abspaltet. Der Motorsport-Dachverband FIA hat die Grundsatzentscheidung zur elektrischen WRX-Serie unabhängig vom scheidenden Promoter IMG getroffen.

Mehrere Rennen könnten in Buxtehude stattfinden

Somit ist für den Estering in der kommenden Saison sowohl die Titans-, als auch die EM- oder gar WM-Serie zurzeit noch nicht vom Tisch. „Die ganze Geschichte müsste bis zum Frühjahr geklärt sein. Die Serien selber bräuchten eigentlich jetzt schon, spätestens aber bis Ende Januar ein Konzept, dass sie uns vorlegen“, sagt Jan-André Lemme, dessen arbeitsintensiven Wochen noch lange kein Ende haben werden.

DRX-Rennkalender 2021 steht fest

Die Deutsche Rallycross-Meisterschaft (DRX) hat am gestrigen Donnerstag den Rennkalender für das Jahr 2021 präsentiert. Insgesamt werden sechs Läufe ausgefahren. Um die Reisebelastung für die Teams zu verringern, werden sowohl auf dem Buxtehuder Estering, als auch auf dem Ewald-Pauli-Ring in Schlüchtern (Hessen) jeweils zwei Läufe ausgefahren.


Nach dem Auftaktrennen, das am 22. und 23. Mai auf dem Gründautalring (Hessen) stattfindet, gastiert die DRX am letzten Juni-Wochenende für den zweiten und dritten Saisonlauf in Buxtehude.


Die Teams treten am 14. und 15. August auf dem Eurocircuit Valkenswaard (NL) an. Die Doppelveranstaltung in Schlüchtern bildet am 18. und 19. September den Saisonabschluss.

( bron )

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