Sportlicher Lockdown

Handballer ziehen die Reißleine

HT Norderstedt schlug im Viertelfinale des Hamburger Pokalwettbewerbs im Februar TV Fischbek. Corona verhindert nun das nächste Kräftemessen.

HT Norderstedt schlug im Viertelfinale des Hamburger Pokalwettbewerbs im Februar TV Fischbek. Corona verhindert nun das nächste Kräftemessen.

Foto: Anne Pamperin

Furcht vor Corona – Handballverbände stellen den Spielbetrieb in den unteren Klassen mit sofortiger Wirkung ein.

Harburg.  Ab sofort gibt es keinen Handballsport mehr in den unteren Ligen – noch bevor in Berlin die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten der Länder ihre jüngsten Corona-Beschlüsse verkündeten, hatten die norddeutschen Handballverbände angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen bereits die Reißleine gezogen und den Spielbetrieb mit sofortiger Wirkung eingestellt. Im Bezirk Harburg und in den Landkreisen Harburg und Stade sind von der Aussetzung des Spielbetriebs alle Mannschaften in allen Altersklassen bis zur Oberliga vom Handball-Lockdown betroffen.

Auf den Spielbetrieb in den Handball-Bundesligen haben die Beschlüsse der Landesverbände keine Auswirkungen. Die Bundesligafrauen des Buxtehuder SV und die Handball-Luchse Buchholz 08-Rosengarten dürfen ihre Heimspiele wie vorgesehen am Sonnabend austragen. Ganz unerwartet kommt die komplette Einstellung des Spielbetriebs in den unteren Handball-Ligen nicht. Es hatte sich angedeutet, auch für die Handballmänner des TV Fischbek, die sich drei Monate lang besonders verantwortungsvoll auf den Start in die neue Handballsaison vorbereitet hatten. Am Sonnabend sollte ihr erstes Heimspiel in der Süderelbe Arena über die Bühne gehen. Wenn auch ohne Zuschauer. Schweren Herzens hatten sie sich aus freien Stücken dazu durchgerungen, ihre Spiele in eigener Halle zunächst ohne ihre Fans zu bestreiten.

Nicht einmal mehr „Geisterspiele“ sind möglich

Gegner vor leeren Rängen in der Süderelbe Arena wäre am Sonnabend HT Norderstedt gewesen. Dass es jetzt aber nicht einmal ein „Geisterspiel“ in der Süderelbe Arena geben wird, hatten die Handballer des TV Fischbek schon vor Bekanntwerden der Entscheidung der Handballfunktionäre selbst bestimmt. „Wir hatten uns schon mit dem Gegner darauf verständigt, eine Spielverlegung zu beantragen“, sagt Team-Manager Michael Hägele. Wie schon eine Woche vorher, als die Fischbeker auch ihr erstes Ligaspiel der neuen Saison, zu dem sie bei der HSG Tarp/Wanderup in Schleswig-Holstein antreten sollten, wegen eines Coronafalls und zwei Spielern mit Symptomen in den eigenen Reihen vorsichtshalber abgesagt hatten. „Wir haben immer versucht, alle Regeln einzuhalten und Vorsicht walten zu lassen.

Wer Halsschmerzen oder andere Erkältungssymptome hatte, musste zu Hause bleiben. Viele Trainingseinheiten haben wir sogar ausfallen lassen“, erzählt Michael Hägele und ergänzt: „Aber die Gesundheit geht nun einmal vor. Wir sind alle Sportler und wollen unbedingt Handball spielen. Aber wir sind alle auch berufstätige Menschen, haben Familien und Angehörige. Wir müssen uns schützen und letztlich schützen wir mit jeder Spielabsage auch den Gegner.“

Bis zum Dienstag waren Handballspiele in der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein noch erlaubt. Zwar hatte der Hamburger Handballverband (HHV) den Spielbetrieb unter seinem Dach bereits vollständig ausgesetzt, doch die gemeinsamen Oberligen des Hamburger und des Handball-Verbandes Schleswig-Holstein (HVSH) waren von dieser generellen Absage nicht betroffen. Auch weil Schleswig-Holstein zu diesem Zeitpunkt noch kein generelles Spielverbot angeordnet hatte. Kontaktsport war beim nördlichen Nachbarn zu diesem Zeitpunkt mit bis zu 30 Personen noch erlaubt. Doch nach einer Pressekonferenz von Ministerpräsident Daniel Günther hat jetzt auch der Handball-Verband Schleswig-Holstein seinen gesamten Spielbetrieb vorerst bis zum 22. November 2020 eingestellt – und das ausdrücklich auch in der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein.

Schlingerkurs der Verbände war nicht durchzuhalten

Zuletzt hatte man sich in Schleswig-Holstein noch am Montagabend in einer Dringlichkeitssitzung des Präsidiums mit den Vorsitzenden der Kreishandballverbände darauf verständigt, den Spielbetrieb fortzuführen. Der HVSH ist aber nicht der einzige Landesverband, der zuletzt einen Schlingerkurs gefahren ist. Auch die anderen norddeutschen Verbände mussten zurückrudern.

Der Hamburger Handball-Verband etwa hatte zunächst noch die jeweils obersten Ligen in seinem Verantwortungsbereich, also die Landesligen der Männern und Frauen, von der generellen Einstellung des Spielbetriebs ausgeschlossen. Doch damit waren die betroffenen Sportler und Vereine nicht einverstanden. Einstimmig bei den Männern und mit großer Mehrheit bei den Frauen hatten sie sich für eine Aussetzung des Spielbetriebs auch in ihren Ligen ausgesprochen und diese Forderung letztlich auch durchgesetzt.

Anders als der Hamburger Handballverband hatte das Präsidium des Handball-Verbandes Niedersachsen (HVN) den Vereinen aus Gebieten mit einem Inzidenzwert von über 35 freigestellt, die Spiele auszutragen oder zu verlegen. Doch jetzt hat die Wirklichkeit auch den HVN eingeholt und auch Niedersachsen hat den Spielbetrieb total eingestellt. „Zunächst bis Ende des Jahres“, sagte HVN-Präsident Stefan Hüdepohl mit Blick auf die nach wie vor ständig steigenden Covid-19-Fallzahlen.

Bereits am vergangenen Wochenende waren in Niedersachsen in den Seniorenspielklassen 85 von 106 angesetzten Spielen wegen der ursprünglichen Regelungen des HVN verlegt worden. Nur 21 Spiele wurden ausgetragen. Stefan Hüdepohl: „Wir wollten den Mannschaften ein Höchstmaß an Freiraum einräumen. Jetzt haben die Vereine mit den Füßen abgestimmt und wir akzeptieren das.“

Ab Montag sollen dann die Landesverordnungen aufgrund der am Mittwoch in Berlin gefassten Beschlüsse zum zweiten Corona-Lockdown greifen, von denen besonders jede Art von Mannschaftssport betroffen ist.