Coronavirus

Die Quarantäne-Sorgen des HSV-Handballers Dominik Axmann

Dominik Axmann (r.) ist Handball-Profi beim HSVH. Er kommt aus Buxtehude.

Dominik Axmann (r.) ist Handball-Profi beim HSVH. Er kommt aus Buxtehude.

Foto: Witters

Der Buxtehuder ist Profi beim HSVH. Wie einige Mitspieler wurde er positiv getestet. Inzwischen lebt er in einer "Corona-Schutzblase".

Buxtehude/Hamburg.  Wohnung, Training, Wohnung. So klingt es, wenn Dominik Axmann (21) in drei Worten seinen Tagesablauf beschreibt. „Ich fahre im Grunde nur von der Wohnung zum Training und wieder zurück. Das einzige was ich sonst noch mache, ist zu meinen Eltern zu fahren oder ab und zu spazieren zu gehen“, sagt der gebürtige Buxtehuder, als ihn das Abendblatt am Telefon erreicht. Axmann ist Profi bei den Zweitliga-Handballern des Handball Sport Verein Hamburg (HSVH). Von Ende September bis Mitte Oktober befand sich der 21-Jährige insgesamt 23 Tage in häuslicher Quarantäne. Zunächst hatten sich fünf andere HSVH-Spieler mit dem Coronavirus infiziert, dann erhielt Axmann selber das positive Testergebnis.

„Ich hatte eigentlich gar keine Symptome. Bei mir war es ein bisschen bitter, dass ich erst so spät das positive Ergebnis erhalten habe. Wir haben die Tests zu früh gemacht, weshalb ich am Anfang nicht wusste, dass ich auch infiziert bin. Ich dachte, dass ich ganz normal in Quarantäne muss, wie die anderen auch. Als wir am nächsten Montag dann zur Sicherheit alle noch mal getestet wurden, ist bei mir doch noch ein positives Ergebnis rausgekommen“, erinnert sich der Buxtehuder.

Mit seinen Mitspielern Pelle Fick (20) und Thies Bergemann (24) teilt er sich eine Wohnung. Echte Langeweile sei somit nicht aufgekommen. „Als wir alle drei in Quarantäne waren, haben wir es uns da echt schön gemacht. Wir haben uns eine improvisierte Tischtennisplatte aufgebaut. Der Verein hat uns dann noch Langhanteln und Fahrräder gebracht, außerdem konnten wir Darts spielen“, berichtet Axmann.

Wohnzimmer zum Fitnessstudio umfunktioniert

Das Wohnzimmer wurde somit kurzerhand zum Fitnessstudio umfunktioniert – anhand von Trainingsplänen konnten sich die drei Mannschaftskollegen provisorisch fit halten. Körperlich sei er jedoch noch nicht wieder auf dem alten Niveau. „Kraftmäßig kann man auf einem guten Level bleiben. Wenn man sich aber so lange gar nicht außerhalb der Wohnung bewegen darf, fehlt irgendwann die Ausdauer“, sagt er.

Am vergangenen Sonntag konnte der Rückraumspieler am fünften Zweitliga-Spieltag endlich in die Saison einsteigen. Da sich im Vorfeld des Auswärtsspiels beim TV Großwallstadt jedoch erneut zwei HSVH-Akteure infiziert hatten und weiteren Spielern eine Quarantäne verordnet wurde, mussten die Hamburger mit einem Mini-Kader antreten. „Das Spiel war ein einziger Kampf. Wir waren nur zehn, beziehungsweise mit Lac (Co-Trainer Blazenko Lackovic (39), Anm. d. Red.) elf Leute. Das war schon ziemlich kräfteraubend“, berichtet Dominik Axmann, der am Ende des Spiels einen 27:28-Auswärtssieg bejubeln durfte.

Um Spielabsagen zu vermeiden, müssen die Handball-Zweitligisten antreten, solange die Hälfte des Kaders zur Verfügung steht. Corona hin oder her. Trotz drohender Wettbewerbsverzerrung hat Dominik Axmann Verständnis für die Regelung. „Es ist natürlich schwierig, eine Grenze festzulegen, die für alle gilt. Dann muss jede Mannschaft eben noch mehr kämpfen. Für die Verletzungen und die Regeneration nach den Spielen ist es natürlich nicht förderlich. Am Ende will man aber auch nicht mit neun Nachholspielen dastehen“, sagt der 21-Jährige.

„Die Situation ist echt bescheiden.“

Um zukünftige Spielabsagen zu vermeiden, hat der mittlerweile Corona-erprobte HSVH seinen Spielern Verhaltensregeln an die Hand gegeben. „Sie wollen und können uns nichts verbieten, haben aber an unsere Vernunft appelliert, vor allem weil wir jetzt eine Mannschaft sind, die schon mehrere Fälle hatte. Alle müssen jetzt aufpassen, dass es nicht noch mal passiert.

Deswegen sollen wir Bars und Restaurants eher meiden, vor allem dann, wenn der Abstand zu anderen Menschen zu gering ist“, sagt Axmann. Während viele seiner Freunde sich an den Wochenenden (bisher) weiterhin treffen können, lebt der 21-jährige in einer Corona-Schutzblase. „Die Situation ist echt bescheiden. Man versucht, vereinzelt noch etwas mit Freunden zu machen. Grundsätzlich ist es hart, weil man jetzt als junger Mensch einfach mal irgendwo dabei sein möchte. Ich muss als Leistungssportler natürlich immer darauf achten, dass es nicht zu viel wird. Aber irgendwie dabei zu sein, einfach mal ein bisschen etwas erleben“, sehnt sich der Buxtehuder nach Normalität.

Auch im Studium gibt es Herausforderungen

Zurzeit studiert Axmann neben seiner Profi-Karriere Wirtschaftsingenieurwesen an der Universität Hamburg. Im anstehenden Hybrid-Semester – einer Mischung aus Präsenz- und Online-Veranstaltungen – warten weitere Herausforderungen. Die Anzahl der Kontakte zu seinen Kommilitonen muss Axmann so gering wie möglich halten. „Ich werde versuchen, alles weitestgehend von zu Hause zu machen. Ich werde nicht erzwingen, in die Uni zu gehen. Wenn es aber nicht anders geht, werde ich das mit meinem Trainer besprechen“, sagt er. Aufgrund der Fallzahlen gehe er jedoch davon aus, dass der Großteil des Semesters online stattfinden wird.

Sportlich bleibt die diesjährige Zweitliga-Saison ein Flug ins Ungewisse. Am vergangenen Wochenende konnten erneut nur fünf der neun angesetzten Spiele stattfinden. „Es motiviert einen umso mehr, wenn man weiß, dass jedes Spiel das letzte sein kann. Deswegen versucht man das Maximale rauszuholen und es zu genießen. Es kann ganz schnell wieder vorbei sein, das haben wir in der letzten Saison erlebt“, antwortet Dominik Axmann auf die Frage, ob es durch die ständige Ungewissheit nicht Motivationsprobleme gebe.

Im Vergleich zur Vorsaison, in der die Hamburger beim Saisonabbruch auf dem achten Platz standen, wolle sich die Mannschaft in dieser Saison steigern. „In der aktuellen Situation ist es aber schwierig, konkrete Saisonziele, wie das obere Tabellendrittel, zu setzen. Wir versuchen, das Bestmögliche rauszuholen. Bisher hat das ganz gut geklappt“, sagt er, bevor er sich zurück in seinen gewohnten Tagesrhythmus verabschiedet. Wohnung, Training, Wohnung.