Quarantäne nach Testspiel

Corona-Chaos: Team verzichtet auf den Spielbetrieb

Mannschaftsfoto beim Corona-Test: TSV-Kapitän David Wagner (links) ließ sich mit sechs weiteren Spielern bei  Dr. Rüdiger Quandt in Meckelfeld auf das Virus testen. 

Mannschaftsfoto beim Corona-Test: TSV-Kapitän David Wagner (links) ließ sich mit sechs weiteren Spielern bei  Dr. Rüdiger Quandt in Meckelfeld auf das Virus testen. 

Foto: David Wagner / TSV

Corona-Chaos im Amateurfußball – Bezirksliga-Kicker des TSV Over/Bullenhausen verzichten aus Rücksicht auf Arbeitgeber der Spieler auf Ligastart

Over . Die Vorfreude auf die neue Saison sei riesig gewesen, erzählt Dennis Huwer. Rund ein halbes Jahr konnte der Fußballobmann des Kreisligisten TSV Over/Bullenhausen kein Punktspiel seines Vereins sehen. An diesem Sonntag sollte der TSV mit einem Heimspiel gegen die SG Estetal in die neue Saison starten – am Dienstag folgte jedoch die böse Überraschung. Beim letzten Testspielgegner, dem Bezirksligisten MTV Egestorf, wurde ein Spieler positiv auf das Coronavirus getestet.

„Das Gesundheitsamt hat dann für alle Spieler eine 14-tägige Quarantäne angeordnet. Und das obwohl manche Spieler mittlerweile ein negatives Testergebnis haben“, sagt Dennis Huwer. Manche Spieler bekämen bei ihren Arbeitsstellen dadurch richtig Probleme, erzählt er. Insbesondere dann, wenn es im Laufe der Saison weitere Corona-Fälle geben sollte.

„Es ist teilweise sehr verwirrend“

Kurzerhand beschloss der TSV Over/Bullenhausen, unter diesen Bedingungen in der anstehenden Saison nicht anzutreten. Der TSV Over/Bullenhausen spielt als niedersächsischer Verein in der Kreisliga Harburg. Allerdings wohnen auch mehrere Spieler in Hamburg, sodass verschiedene Gesundheitsämter für die einzelnen Teile der Mannschaft zuständig sind. Erst am Donnerstag seien alle Spieler von den verschiedenen Gesundheitsämtern benachrichtigt worden, erzählt Fußball-Obmann Huwer. „Die Quarantäne gilt erstmal für alle Spieler. Es ist teilweise sehr verwirrend. Ein Spieler, der in Altona wohnt, musste keinen Test machen. Sieben andere Spieler haben sich in Meckelfeld testen lassen. Wiederum andere haben mittlerweile ein negatives Testergebnis, müssen aber trotzdem in Quarantäne bleiben“, berichtet Huwer. Zudem sei zunächst unklar gewesen, ob sich auch der Trainer in Quarantäne begeben müsse. Dass das Gesundheitsamt die Quarantäne pauschal für die gesamte Mannschaft anordnet, verstehe Huwer ebenfalls nicht.

„Soweit ich weiß, muss es über 15 Minuten zu einem intensiven Kontakt kommen. Natürlich haben wir während des Spiels alle Kontakt. Ich kenne aber keinen Zweikampf, der 15 Minuten dauert“, sagt der TSV-Obmann. Huwer bemängelt auch die Unterstützung des Niedersächsischen Fußballverbands (NFV). Auf der Internetseite des Verbands finde sich hauptsächlich Information zur Prävention. „Wenn man aber wissen möchte, wie man sich nach einem positiven Fall verhalten soll, wird man nur auf das Gesundheitsamt verwiesen“, sagt Dennis Huwer. Der NFV teilte auf Abendblatt-Nachfrage mit, dass die Vereine am 26. August ein sechsseitiges Dokument mit Handlungsempfehlungen erhalten hätten.

Unterschiedliche Handhabung der Behörden

Grundsätzlich könne der NFV jedoch nur Empfehlungen aussprechen. Entscheidend seien letztendlich die Beschlüsse der einzelnen Gesundheitsämter. „Keinerlei Einfluss haben wir auf die unterschiedliche Handhabung der jeweiligen Behörden. In der Region Hannover zum Beispiel wurden nach einem positiven Corona-Befund eines Spielers nur diejenigen Mitspieler in Quarantäne geschickt, die mit ihm eine Fahrgemeinschaft gebildet haben, nicht aber der Rest der Mannschaft“, teilte der NFV-Landesverband schriftlich mit.

Frank Dohnke, kommissarischer Vorsitzender im NFV-Kreis Harburg, zeigte sich von der strengen Quarantäne-Regelung überrascht. „Dass die Spieler trotz eines negativen Tests trotzdem 14 Tage in Quarantäne bleiben müssen, war uns nicht klar. Ich dachte, dass die Quarantäne, wie bei den Reiserückkehrern, nach einem negativen Test wieder aufgehoben wird“, sagt Dohnke.

Nachdem er von der Situation beim TSV Over/Bullenhausen erfahren habe, schrieb Dohnke umgehend eine E-Mail an den NFV-Landesverband. „Ich habe den NFV sofort um Klärung gebeten. Es wäre hilfreich, wenn die Spieler wie Reiserückkehrer behandelt werden. Wenn das jetzige Vorgehen Schule macht, wird es schwierig, die Saison umzusetzen“, sorgt sich Dohnke.

Viele Arbeitgeber sind nicht begeistert

„Der NFV und der LandesSportBund stehen seit Monaten in regelmäßigen Austausch mit dem niedersächsischen Ministerium für Inneres und Sport, um die Interessen die Sports und seiner Vereine in unserem Bundesland zu vertreten“, teilte der NFV hierzu auf Abendblatt-Nachfrage mit. Die Spieler des TSV Over/Bullenhausen befinden sich noch bis zum 25. September in Quarantäne. „Eigentlich hätten wir zwei Tage später das nächste Punktspiel gehabt.

Der Verband hätte uns aber zusätzlich ein paar Tage Vorbereitungszeit geben müssen“, sagt Obmann Dennis Huwer. Viele Arbeitgeber seien nicht begeistert, wenn es in Zukunft zu einer erneuten Quarantäne käme. „Mir haben schon drei Spieler gesagt, dass sie unter diesen Umständen nicht antreten können“, sagt Huwer.

Fraglich sei auch, wann die Vereine die Nachholspiele austragen können. Außerdem könne niemand prognostizieren, wie viele Spiele aufgrund von Quarantäne-Bestimmungen der Gesundheitsämter überhaupt verlegt werden müssen. „Im Moment sind wir erstmal über jedes Spiel froh, das gespielt werden kann. Mit einem vorzeitigen Saisonabbruch wäre jetzt keinem geholfen. In Zukunft ist aber sicherlich Flexibilität gefragt. Möglicherweise müssen auch in der Winterpause Spiele stattfinden. Eine zweite Option ist, die Saison im Juni zu verlängern“, sagt Frank Dohnke vom NFV-Kreis Harburg.

Auch der NFV-Landesverband weist auf die Risiken im Amateursport hin. „Das Eis, auf dem Amateurfußball steht, dieses Eis ist leider nicht so dick wie das des Profifußballs. Amateurspieler bewegen sich nicht ausschließlich im Kreise ihrer Mannschaftskollegen, sondern sie arbeiten, studieren, gehen in die Schule, besuchen Feste und fahren in Urlaub. Das sind Risiken, die niemand kalkulieren kann“, heißt es auf Abendblatt-Nachfrage. Einen geregelten Spielbetrieb könne niemand garantieren.