Bezirksliga

Jens Fuhrmann ist nach zwölf Jahren Fußballpause wieder da

| Lesedauer: 5 Minuten
Markus Steinbrück
Mit einem 28 Mann starken Kader und neuem Trainerteam startet der SV Bendestorf in die neue Saison der Fußball-Bezirksliga zwei. Ziel ist der Klassenerhalt.

Mit einem 28 Mann starken Kader und neuem Trainerteam startet der SV Bendestorf in die neue Saison der Fußball-Bezirksliga zwei. Ziel ist der Klassenerhalt.

Foto: Markus Steinbrück / HA

Der 55-Jährige ist neuer Ligamanager beim SV Bendestorf. Neuer Trainer André Müller bringt zehn Spieler von Buchholz 08 mit.

Bendestorf.  An seinen Abgang beim VfL Maschen kann sich Jens Fuhrmann genau erinnern. „Es war der 6. März 2007, mittags um 12.15 Uhr“, erzählt der heute 55-Jährige, „da hat der Präsident angerufen und mir mitgeteilt, dass unsere Zusammenarbeit endet.“ Fuhrmann war die treibende Kraft hinter den großen Erfolgen des Seevetaler Vereins, die den VfL bis in die Spitzengruppe der Niedersachsenliga, der heutigen Oberliga Niedersachsen, führten. Anschließend war Fuhrmann noch eine Saison für den SV Henstedt-Rhen in der damaligen Oberliga Nord tätig, bevor er sich aus der Öffentlichkeit zurückzog.

Jetzt, nach zwölf Jahren Fußballpause, hat der Dental-Kaufmann eine neue Aufgabe gefunden, die er mit jeder Menge Engagement und Enthusiasmus angeht. Fuhrmann ist der neue Ligamanager beim Fußball-Bezirksligisten SV Bendestorf. Es ist nicht die einzige Personalie bei dem Verein, der aufgrund des coronabedingten Abbruchs eine weitere Saison in der Bezirksliga spielen wird. Prominent ist vor allem die Position des Trainers besetzt, genauer die des Spielertrainers.

Jeden Tag fünf mal die Woche nach Hamburg

André Müller hat viele Jahre für den TSV Buchholz 08 in der Oberliga Hamburg gespielt, bevor es ihn vor zweieinhalb Jahren zum seinerzeit von Sören Titze trainierten FC Teutonia 05 zog. Dessen Schritt in die Regionalliga Nord konnte und wollte Müller nicht mitgehen. „Ich habe mir andere Ziele gesetzt. Fünfmal pro Woche zum Training nach Hamburg zu fahren, geht einfach nicht“, sagte der 28-Jährige, der bei der Aurubis AG arbeitet.

Parallel zu seiner aktiven Karriere trainierte der Offensivakteur mehrere Jahre Nachwuchsmannschaften, zuletzt die U18-Junioren von Buchholz 08 in der Oberliga. Die Idee war, mit diesem Team in den Herrenbereich aufzurücken und als Oberligareserve in der Bezirksliga Süd anzutreten. Doch die Verantwortlichen in der Nordheidestadt hatten andere Pläne. So schauten sich Müller und Fuhrmann, dessen Sohn Lennon im Juniorenteam spielte, nach Vereinen in der Nähe um. „Wir hatten schon beim ersten Gespräch das Gefühl, dass hier alles passt“, erzählt Jens Fuhrmann.

Man habe sich noch zwei, drei andere Vereine angeschaut, war sich aber bald mit dem Vorsitzenden Frank Dohnke in Bendestorf einig. Ursprünglich sollte Müller als Co-Trainer beginnen. Als der langjährige Bendestorfer Trainer Patrick Hohnschild jedoch verkündete, nach zehn Jahren eine Pause machen zu wollen, rückte André Müller eine Stufe nach oben.

Zehn Spieler aus der A-Jugend von Buchholz 08

Ihrem Coach sind gleich zehn Spieler aus der bisherigen A-Jugend von Buchholz 08 gefolgt, die meisten gehören dem Jahrgang 2002 an. Ergänzt um Thimo Stender (VfL Jesteburg), Szymon Maluski (MTV Ramelsloh) und Anton von der Lieth (FC Este 2012), alle ebenfalls noch keine 20 Jahre alt, hat der SV Bendestorf 13 Neuzugänge und einen insgesamt 28 Mann starken Kader.

Durch die enge Verzahnung mit der in der 2. Kreisklasse aktiven zweiten Mannschaft, die ihre Heimspiele vor der Ersten austrägt, sollen alle Akteure Spielpraxis bekommen. „Meine Philosophie ist es, junge Leute zu entwickeln. Wir haben aber auch gestandene Leute im Kader“, sagt Spielertrainer Müller. „Unser Ziel ist der Klassenerhalt. Natürlich müssen wir uns erst finden und den jungen Leuten Zeit geben.“

Wenig glücklich ist man beim SV Bendestorf über die Staffeleinteilung, die nicht nach regionalen Gesichtspunkten erfolgte. Die Vereine aus dem Landkreis Harburg wurden in beide Staffeln einsortiert. Der nur wenige Kilometer von Bendestorf entfernte beheimatete Aufsteiger Buchholzer FC wurde beispielsweise in die Parallelstaffel gesteckt.

„Der Verband wirft uns Knüppel zwischen die Beine“

„Der Verband wirft uns Knüppel zwischen die Beine“, sagt Ligamanager Jens Fuhrmann. „Wir haben höhere Buskosten zu Auswärtsspielen und geringere Einnahmen aus Eintrittsgeldern, weil es weniger Derbys gibt. In der Summe macht das etwa 5000 Euro pro Saison aus.“

Dass die Kalkulation von durchschnittlich 200 Zuschauern pro Heimspiel realistisch ist, zeigte exakt diese Resonanz beim Testspiel gegen den Regionalligisten Eintracht Norderstedt. Die Fans verhielten sich sehr diszipliniert, trugen sich in Anwesenheitslisten ein und brachten überwiegend eine eigene Sitzgelegenheit mit. Alternativ hatte Fuhrmann weiße Klappstühle vom benachbarten griechischen Restaurant besorgt.

Im Testspiel gegen den drei Klassen höher aktiven Gegner zeigten die Gastgeber vor allem in der Offensive vielversprechende Ansätze. Allerdings fehlte die Genauigkeit und die Entschlossenheit, um mehr als den Ehrentreffer durch Philip Mühle in der 77. Minute zu erzielen. Für den Regionalligisten trafen Jan Lüneburg (2), Cobe Williams, Alex Rajao da Cunha und Nick Gutmann zum 5:1-Auswärtssieg.

Norderstedt hatte tags zuvor mit 2:1 beim TSV Havelse gewonnen und schonte in Bendestorf einige Stammkräfte. Für den SVB geht es kommenden Sonntag, 9. August, um 14 Uhr mit einem Heim-Testspiel gegen Oberliga-Aufsteiger VfL Lohbrügge weiter. Altona 93 musste sein Kommen wegen des Viertelfinales im Lottopokal absagen.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Sport