Buchholz

Turner Alexander Vogt stellt neuen Weltrekord auf

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Markus Steinbrück
Alexander Vogt bei einem Rückwärtssalto während seines Weltrekordversuchs. Im Hintergrund Fernsehgarten-Moderatorin Andrea Kiewel.

Alexander Vogt bei einem Rückwärtssalto während seines Weltrekordversuchs. Im Hintergrund Fernsehgarten-Moderatorin Andrea Kiewel.

Foto: ZDF/Jana Kay

Der Buchholzer brachte per Rückwärtssalto 15 Luftballons in einer Minute zum platzen – die alte Marke stand bei 12 Ballons.

Buchholz.  Einen Titel hatte Alexander Vogt schnell weg. „Salto-King“ tauften ihn die Mallorca-Stars nach seinem gelungenen Auftritt im ZDF-Fern­sehgarten am vergangenen Sonntag. Wenn Micki Krause, Jürgen Milski, Lorenz Büffel, Tim Toupet und Almklausi sich eine solche Bezeichnung, in der eine Menge Hochachtung mitschwingt, ausdenken, widerspricht man nicht. Warum auch? Immerhin hatte der 33 Jahre alte Modellathlet aus Buchholz live im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) einen Weltrekord aufgestellt.

Rückwärtssalti sind Vogts Spezialität

Es war nicht der erste Fernsehauftritt von Alexander Vogt, bei dem Salti, speziell Rückwärtssalti, eine zentrale Rolle spielen. Schon 2012 hatte er im „Sommerfest der Abenteuer“, moderiert von Florian Silber­eisen, einen Weltrekord aufgestellt, der seinerzeit Eingang in das Guinness-Buch der Rekorde fand. Per Fallrückzieher versenkte der Hobbyfußballer Vogt innerhalb einer Minute neun Fußbälle in einem Handballtor. In der Folge war er sogar für eine Show der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) gebucht worden. Zwei Jahre später dann der Auftritt mit den meisten Zuschauern. Bei „Wetten dass...?“, seinerzeit moderiert von Markus Lanz, bot er eine Wette an, bei der es darum ging, einen Turm aus Bierkisten mittels Rückwärtssalti zu erklimmen. Bei jedem Salto erhöhten seine Helfer den Turm um eine Kiste. Vogt gewann seine Wette allerdings nicht.

Doch sein Name und seine Kontaktdaten waren und sind fett im Notizbuch von Joe Alexander markiert. Und so dachte der Extremcoach mit eigener Agentur in Hamburg sofort an den ehemaligen Bundesligaturner aus Buchholz, als das ZDF nach ungewöhnlichen Rekordangeboten für den Fernsehgarten suchte. Mit von einer Turnmatte abgesprungenen Rückwärtssalti sollten möglichst viele Luftballons zerstört werden, die in zweieinhalb Meter Höhe aufgehängt sind.

Nur ein sportfreier Tag in der Woche

Die alte Bestmarke – zwölf Ballons innerhalb einer Minute – war im Besitz von Marko Milutinovic, ebenfalls ein ambitionierter Gerätturner. Alexander Vogt wollte diesen Rekord mindestens auf 13 Ballons steigern. Ende vergangenen Jahres hatte der Lehrer der Oberschule Jesteburg seine Karriere auf Bundesliganiveau beendet. Fit ist er trotzdem geblieben, gönnt sich meistens nur einen sportfreien Tag pro Woche.

„Vier Wochen vor der Sendung habe ich mit dem speziellen Training angefangen“, erzählt Alexander Vogt. „Am Anfang sah es gar nicht gut aus. Ich habe gemerkt, dass die Aufgabe nicht so einfach ist.“ Vogt vollführte seine Rückwärtssalti von kleinen Trampolins, Sprungbrettern oder anderen Erhöhungen. „Es ging vor allem darum, Kraftausdauer aufzubauen und das Schwindelgefühl zu kontrollieren“, so der sympathische Sportler, der in Jesteburg Erdkunde und Sport unterrichtet.

Reißzwecken am rechten Schuh

Eine Umstellung im Vergleich zu den bekannten Rückwärtssalti aus dem Turnen: bei der Drehung konnte er nicht die Hände an die Knie ziehen, weil er mit dem rechten Fuß eine kurze Kickbewegung ausführen musste, um die über ihm hängenden Luftballons zu treffen. Um diese zum Platzen zu bringen, wurden Reißzwecken an der rechten Schuhspitze befestigt. Nur am rechten Fuß, weil Vogt auch beim Fußball mit Rechts schießt. „Durch die fehlende Unterstützung der Arme ist die Bewegung noch belastender für die Bauchmuskulatur. Nach den ersten Trainingseinheiten hatte ich sogar kurz Muskelkater.“

Generalprobe ging schief

Das Ziel rückte immer näher, die Kraftausdauer wurde immer besser. „In der Endphase des Trainings habe ich alle zwei Tage 100 Rückwärtssalti gemacht“, erzählt der Buchholzer. Zwei Tage vor der Live-Sendung fuhren Sportler und Extremcoach Joe Alexander mit dem ICE nach Mainz. Eine sogenannte Stellprobe und Durchlaufprobe standen auf dem Ablaufplan. Dabei ging es darum, in der bis dato unbekannten Umgebung ein Balancegefühl zu entwickeln, die Matten und das Gerüst zu überprüfen. Die Generalprobe am Sonnabend ging gründlich daneben. Bei Künstlern ein gutes Omen, Alexander Vogt kam ins Grübeln. „Die Luftballons hingen zu hoch und verloren Luft. Ich habe mit Joe nochmal alles durchgesprochen und dem ZDF Optimierungsvorschläge gemacht. Da musste selbst ich als Lehrer mal nachsitzen“, so Vogt schmunzelnd.

Die letzte Probe kurz vor Beginn des Fernsehgartens lief dann perfekt und auch das Wetter stimmte bis auf einen kurzen Schauer. Im Vorjahr war die 6000 Zuschauer fassende Arena, in der 2020 coronabedingt nur 40 Gäste versammelt waren, nach einem heftigen Gewitter evakuiert worden.

Auch der eigentliche Auftritt gelang Alexander Vogt perfekt. Schon im Gespräch mit Moderatorin Andrea Kiewel präsentierte sich der Buchholzer gelöst, grüßte seine Klassen 8b und 10e der Oberschule Jesteburg und erzählte aus dem Alltag eines Lehrers. Während des Weltrekordversuchs rief ihm Kiewel alle zehn Sekunden die Zeit zu. Vogt brachte bei jedem Rückwärtssalto einen der mit Konfetti gefüllten Luftballons zum Zerplatzen und schaffte innerhalb von 60 Sekunden 15 Ballons – eine Verbesserung der alten Bestmarke um drei Stück.

1,9 Millionen Zuschauer vor den Fernsehschirmen

„Den Rekord widme ich meiner Mutter. Sie hat mich jahrelang unterstützt und ist zu jedem Wettkampf mitgefahren. Ohne sie würde ich nicht dort stehen, wo ich heute stehe“, dankte Alexander im Gespräch mit „Kiwi“ seiner Mutter Petra. Durchschnittlich 1,916 Millionen Zuschauer (15 Prozent Marktanteil) verfolgten den letzten Fernsehgarten vor einer kleinen Pause.

Die meisten Mallorcastars reisten kurzfristig zur Sendung an und bald danach wieder ab. Sehr gut verstand sich Alexander Vogt mit Mia Julia und Frenzy vom Gesangsduo SchoKKverliebt, das in Mainz die neue Single „Enrico“ präsentierte und als Sieger aus dem Promiwettkampf hervorging. „Wir haben viele Bilder mit unseren Mainzelmännchen-Trophäen für Social-Media-Kanäle gemacht und jede Menge Spaß gehabt“, erzählte Alexander Vogt. Unnahbar sei Modeschöpfer Harald Glööckler gewesen, er wurde ständig von zwei Bodyguards begleitet.

Ob Vogts Bestmarke in das Guinness-Buch eingetragen wird, hängt von der Überprüfung durch die Guinness-Juro­ren ab, die nicht in Mainz zugegen waren.

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