Tanzen

Aufstieg, Verletzung und dann sofort ein Sieg

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Markus Steinbrück
Bernd Dieter Beecken und Maiken Rosenbusch vom 1. TC Winsen gewannen in der Seniorenklasse III B ihr Heimturnier. In zwei weiteren Turnieren platzierten sie sich im Vorderfeld.

Bernd Dieter Beecken und Maiken Rosenbusch vom 1. TC Winsen gewannen in der Seniorenklasse III B ihr Heimturnier. In zwei weiteren Turnieren platzierten sie sich im Vorderfeld.

Foto: Markus Steinbrück

Die Lokalmatadoren Bernd Dieter Beecken und Maiken Rosenbusch stehen bei den Standardtanzturnieren des 1. TC Winsen im Mittelpunkt.

Winsen.  Viel Zeit haben Bernd Dieter Beecken und Maiken Rosenbusch nicht. Kaum Zeit, den unerwarteten Erfolg zu genießen. Kaum Zeit, die Gratulationen der Vereinskameraden entgegen zu nehmen. Soeben hat das Tanzpaar des 1. Tanz-Clubs (TC) Winsen im TSV Winsen beim Heimturnier um die Winsener Schlosspokale den ersten Platz in der Seniorenklasse III B belegt. Just ist die Siegerehrung vorbei, da befinden sich die sympathischen Sportler schon mitten in der Vorbereitung auf das nächste Turnier.

Alle Sieger dürfen in der nächsthöheren Leistungsklasse mittanzen

„Grundsätzlich ist es so, dass das Siegerpaar automatisch für das Turnier der nächsthöheren Klasse qualifiziert ist“, erklärt die Hauptorganisatorin Gisela Kühl. Einige Paare nehmen diese Gelegenheit nicht wahr, weil es ihnen zu viel wird. Nicht so Bernd Dieter Beecken und Maiken Rosenbusch. Sie mussten nicht lange überlegen, entschieden sich auf Kühls Frage hin sofort dafür, auch in der Seniorenklasse III A anzutreten. Ihnen war es vollkommen egal, dass das Turnier der anspruchsvolleren Leistungsklasse nur wenige Minuten später begann.

Also steht der Herr mit unnatürlich vom Körper abgewinkelten Armen da und lässt sich von der Dame die neue Startnummer auf den Rücken heften. „Das ist meine Tanzhaltung. Damit die Nummer später keine Falten wirft, stehe ich schon beim Festmachen so“, erzählt der 52-Jährige aus Bahlburg. Später erfahre ich, dass auch die Maße für den maßgeschneiderten Frack, für den man mühelos 1500 Euro investieren kann, in Tanzhaltung genommen werden.

Tochter Alina Rosenbsuch unterstützte das erfolgreiche Paar

Alina Rosenbusch, die Tochter von Maiken, ist ebenfalls in der Halle. „Eins, zwei, eins“, ruft sie ihrer Mutter zu. Das sind die Gruppen, in denen das Winsener Paar die ersten drei Tänze des Klasse-A-Turniers absolvieren muss. Weil 13 Paare antreten, hat Turnierleiter und Moderator Michael Panten entschieden, sie in drei Gruppen einzuteilen. So ist mehr Platz auf dem Parkett und die Pausen zwischen den fünf Standardtänzen sind länger. Tochter Alina, deren Sportarten eher das Dressurreiten und Klettern sind, macht sich auf den Heimweg nach Westergellersen. Sie muss für ihr Studium der Kulturwissenschaften lernen, hat ebenso wie die Mutter und deren Partner nicht mit einem zweiten Start an diesem Tag gerechnet.

„Dass sie in die Endrunde kommen, habe ich erwartet. Der Sieg ist aber eine Überraschung“, sagt Gisela Kühl, gleichzeitig Sportwartin der Winsener Tanzsportler. Erst recht, wenn man sich die Geschichte von Bernd Dieter Beecken und Maiken Rosenbusch anhört. Für sie war der Start beim Winsener Schlosspokal der Wiedereinstieg ins Turniergeschehen. Im Oktober 2019 hatte das Seniorenpaar der Altersklasse III – ein Partner muss mindestens 50 Jahre, der andere mindestens 55 Jahre – den Aufstieg von der C- in die B-Klasse geschafft.

Verletzung des Herrn ließ viereinhalb Monate keine Wettkämpfe zu

Danach konnten sie verletzungsbedingt viereinhalb Monate nicht an Wettkämpfen teilnehmen, Beecken musste sich einer kleinen Operation unterziehen. Erschwerend kommt hinzu, dass beim Aufstieg in die B-Klasse ein neuer Programmaufbau erforderlich ist. Für die höheren Anforderungen eignen sich die Paare neue Tanzfolgen und Figuren an.

„Wir hatten keine besondere Erwartungshaltung. Daher kam der Sieg schon überraschend für uns“, sagten die beiden anschließend. Die fünf Wertungsrichter waren sich jedenfalls einig. Von 25 vergebenen Platzziffern erhielten Beecken und Rosenbusch 24 mal die Eins, nur eine Zwei war dabei. Die Teilnahme am A-Turnier war dann das i-Tüpfelchen. Eine Zugabe, bei der sich der 52-Jährige und die 54-Jährige nochmal richtig ins Zeug legten.

Hartmut und Sabine Stehr aus Jesteburg gewinnen Seniorenklasse III A

Zunächst überstanden sie souverän die Vorrunde und präsentierten sich auch in der Zwischenrunde so gut, dass sie als eines von diesmal sieben Paaren den Einzug in die Endrunde schafften. Letztlich belegten sie den sechsten Platz im Turnier der Seniorenklasse III A. Überlegene Sieger wurden Hartmut und Sabine Stehr aus der Tanzsportabteilung des VfL Jesteburg.

In zwei Turnieren jeweils eine Vor-, Zwischen- und Endrunde zu tanzen, ist auch eine konditionelle Herausforderung. In jeder Runde sind die fünf Standardtänze Langsamer Walzer, Tango, Wiener Walzer, Slowfox und Quickstep zu zeigen. „Jeder Tanz dauert mindestens anderthalb, höchstens zwei Minuten“, erklärt der für die Musik zuständige Frank Scheida aus Braunschweig. „In sechs Runden haben wir 30 mal getanzt“, rechnet Maiken Rosenbusch. „Dafür muss man auch die Kraft haben. Man sagt, dass ein Tanz vergleichbar ist mit einem 300-Meter-Lauf.“

Sechs Runden mit 30 Tänzen innerhalb weniger Stunden

Obwohl das erfolgreiche Tanzpaar kein spezielles Konditionstraining absolviert, sondern „nur“ drei bis fünfmal pro Woche auf dem Parkett steht, reichte die Kraft beim zweitägigen Standardturnier noch für weitere Aktivitäten. In den restlichen Stunden des ersten Tages waren Bernd Dieter Beecken und Maiken Rosenbusch als ehrenamtliche Helfer im Einsatz und am zweiten Tag – wie sollte es anders sein – schlüpften sie erneut ins Tanzoutfit. Gegen die im Schnitt zehn Jahre jüngere Konkurrenz der Altersklasse II traten sie zum B-Klassen-Turnier an und wurden Dritte von acht Paaren.

Was macht eigentlich die Faszination des Tanzens aus, will ich zum Abschluss wissen. „Das Schöne ist, dass man diesen Sport als Paar machen kann. Man bleibt beweglich in Körper und Geist“, sagt Beecken. Und Rosenbusch ergänzt: „Tanzen ist die beste Paartherapie. Man lernt unheimlich viel über den anderen. Man lernt, in schwierigen Situationen miteinander umzugehen.“ Scheint bei den beiden ziemlich gut zu funktionieren, denn sie sind nicht nur auf dem Tanzparkett, sondern auch im wahren Leben ein Paar.

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