Harburg
Volleyball-Bundesliga

Der Zauber der CU-Arena ist verflogen

In allen drei Sätzen gelangen den Spielern der SVG Lüneburg nur drei erfolgreiche Blocks. In dieser Szene recken sich Gijs van Solkema, Anton Brehme und Konrad Thole (von links) dem Angriffsschlag des Berliners Cody Kessel entgegen.

In allen drei Sätzen gelangen den Spielern der SVG Lüneburg nur drei erfolgreiche Blocks. In dieser Szene recken sich Gijs van Solkema, Anton Brehme und Konrad Thole (von links) dem Angriffsschlag des Berliners Cody Kessel entgegen.

Foto: Volker Koch

Bundesliga-Volleyballer der SVG Lüneburg sind beim 0:3 gegen Spitzenreiter Berlin chancenlos. 1600 Zuschauer von den Gästen begeistert.

Neugraben/Lüneburg.  Die SVG Lüneburg und die CU-Arena, das war einmal eine Erfolgsgeschichte. Etliche großartige Auftritte haben die LüneHünen bei ihren Gastspielen in der modernen Sporthalle in Neugraben schon hingelegt, stets enthusiastisch unterstützt von ihren Fans, die die Atmosphäre aus dem „Schuhkarton“ Gellersenhalle in die größere, weitläufigere Arena transportieren konnten. Dreimal beispielsweise konnten die Lüneburger die Berlin Recycling Volleys besiegen.

Die Berliner haben alle bisherigen Saisonspiele gewonnen

Doch in dieser Saison war der Gegner aus der Bundeshauptstadt mit bis dato 17 Siegen in 17 Spielen als souveräner Tabellenführer schier übermächtig, demonstrierte seine Vormachtstellung auch in Neugraben und fügte den Lüneburgern eine 0:3 (17:25, 20:25, 16:25)-Niederlage zu, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ.

„Wir sind in dieser Saison frühzeitig nach Hamburg umgezogen und nicht erst mit Erreichen der Play-offs, weil die Mannschaft sich an größere Hallen gewöhnen soll“, sagte SVG-Geschäftsführer Andreas Bahlburg. Trainer Stefan Hübner bestätigte, dass man gerne in Neugraben spiele. „Wir mögen es, wenn viele Leute in der Halle sind.“ Gegen Berlin waren es 1650 Zuschauer, doppelt so viele wie in Reppenstedt Platz finden. Und die brauchten trotz der Niederlage ihr Kommen nicht zu bereuen. Denn wenigstens die Gäste aus Berlin zeigten Volleyball der Spitzenklasse.

Vierte Bundesliga-Niederlage in Folge für die SVG Lüneburg

Und stellten gleich klar, dass sie gewillt waren, nach drei Niederlagen in der CU-Arena dieses Mal den „Fluch zu besiegen“, wie sie angekündigt hatten. 2018 hatten die Berliner an gleicher Stelle gegen die LüneHünen den Einzug in das Pokalfinale verpasst. Doch die Lüneburger stecken aktuell in einer sportlichen Krise, hatten vorher dreimal Mal hintereinander verloren. Unter anderem ging ihr erster Auftritt dieser Saison in Neugraben gegen die WWK Volleys Herrsching mit 0:3 so deutlich verloren wie gegen diesen Gegner noch nie. Und er warf Fragen auf. Lag es an der ungewohnten Anfangszeit am Nachmittag oder daran, dass das Spiel komplett im Free-TV übertragen wurde? Hatten die LüneHünen zuviel Energie beim Umzug nach Hamburg verloren, bei dem sie tatkräftig mit anpackten?

Es ist wohl eher Trainer Stefan Hübner zuzustimmen, der einräumte: „Wir erleben gerade eine schwierige Phase“. Die man aber möglicherweise bereits überstanden habe. Denn Hübner sah auch Positives. „Heute haben wir zum Teil wieder sehr ansprechend gespielt“, sagte er. Dabei hatte er wohl die Phase im zweiten Satz im Blick, als sein Team nach einem Block von Anton Brehme mit 10:9 in Führung ging und den Vorsprung bis zum 14:13 verteidigen konnte, allerdings begünstigt durch eine kleine Serie von Fehlern der Gäste. Da war für kurze Zeit das erwartete Unbehagen zu spüren, mit dem die Berliner angereist waren.

LüneHünen machen gerade eine schwierige Phase durch

Doch dann führten Nachlässigkeiten auf Lüneburger Seite schnell dazu, dass sich die Berlin Recycling Volleys wieder absetzen konnten. Den Berlinern, die die Tabelle der 1. Volleyball-Bundesliga mit 15 Punkten Vorsprung anführen, gelang es von Beginn an, die Lüneburger Schwachstellen aufzuspüren und Druck aufzubauen. So nahmen sie beispielsweise SVG-Youngster Konrad Thole unter „Dauerbeschuss“, der erstmals in dieser Saison in seiner Heimatstadt Hamburg über die volle Distanz eingesetzt wurde. Der jüngere Bruder von Beachvolleyball-Vizeweltmeister Julius Thole machte seine Sache insgesamt gut, doch bei insgesamt 36 Aufschlägen auf seine Person waren Fehler unausweichlich.

Den Lüneburgern gelangt es nicht, so befreit aufzuspielen, wie sie es sich vorgenommen hatten. Mit Punkten hatten sie angesichts der Berliner Power ohnehin kaum gerechnet. „Der Unterschied in der Qualität beider Teams war deutlich zu erkennen“, sagte Stefan Hübner nach dem Spiel. Während die SVG Lüneburg nur bei gut einem Drittel ihrer Angriffe erfolgreich war, lag die Quote der Gäste bei 52 Prozent. Noch deutlicher zeigte sich der Unterschied in der Blockstatistik. Nur drei Mal blockten die Lüneburger erfolgreich Angriffe, elf Mal waren die Gäste am Netz zur Stelle.

Minimalziel ist Platz acht und der Einzug in die Play-offs

Stefan Hübner ist überzeugt, dass seine Mannschaft trotz der vier Niederlagen wieder in die Spur findet und mindestens den achten Platz erreicht, der zur Teilnahme an den Play-offs berechtigt. „Wir haben jetzt zwei Wochen Zeit und wollen dann einen Neustart an Angriff nehmen. Die kommenden Gegner sind Mannschaften auf Augenhöhe,“ sieht der SVG-Coach dem Rest der Bundesliga-Hauptrunde mit Zuversicht entgegen.

Am Sonnabend, 22. Februar, geht es nach Königs Wusterhausen, das zwei Plätze und vier Punkte hinter den Lüneburgern notiert wird. Und selbst der pessimistischsten Annahme, am Ende der Bundesliga-Hauptrunde nur auf Platz acht zu landen, kann SVG-Geschäftsführer Andreas Bahlburg etwas Gutes abgewinnen. „Dann spielen wir in den Play-offs eben wieder gegen Berlin“, sagte er.