Harburg
Handball-Bundesliga

Buxtehudes Trainer erhöht den Druck

BSV-Trainer Dirk Leun bei einer Auszeit im Kreise seiner Spielerinnen.

BSV-Trainer Dirk Leun bei einer Auszeit im Kreise seiner Spielerinnen.

Foto: Markus Steinbrück / HA

Nach der 27:32-Heimniederlage vor 1300 Zuschauern gegen die HSG Blomberg-Lippe übt Dirk Leun ungewöhnlich deutlich Kritik.

Buxtehude.  Unterschiedlicher hätten die Gemütslagen der Trainer nicht sein können. Der eine – Steffen Birkner – himmelhoch jauchzend, der andere – Dirk Leun – zu Tode betrübt. Die Gemütslage steht stellvertretend für die gesamte bisherige Saison in der 1. Handball-Bundesliga der Frauen, steht aber auch für das Aufeinandertreffen ihrer beiden Mannschaften am Sonntag. 1300 Zuschauer in der ausverkauften Halle Nord in Buxtehude sahen eine 27:32 (14:16)-Niederlage der Gastgeberinnen gegen die HSG Blomberg-Lippe, die Überraschungsmannschaft der ersten neun Partien.

Gästetrainer Steffen Birkner stand lange Jahre in Diensten des BSV

„Ich bin einfach nur glücklich und stolz, dass wir dieses brutal schwere Spiel gewonnen haben“, sagte Birkner, der lange Jahre als BSV-Nachwuchskoordinator und auch als Damentrainer bei den Handball-Luchsen in Buchholz tätig gewesen war. „Ich bin sehr enttäuscht von unserem Auftritt. Vor allem körperlich hätte ich eine andere Gegenwehr erwartet“, sagte hingegen Dirk Leun. Und der Buxtehuder Trainer, sonst eher bekannt für moderate Töne im Umgang mit seinen Spielerinnen, legte ungewöhnlich deutlich nach.

„Die Spielerinnen haben viele Dinge nicht umgesetzt, die wir uns vorgenommen haben. Wir müssen endlich begreifen, wo wir uns derzeit befinden und wo wir hin wollen. Dafür ist es erforderlich, dass einige aus ihrer Komfortzone herauskommen. Ich bin sehr enttäuscht“, sagte Leun bei der Pressekonferenz für alle Fans in der Halle Nord hörbar. Schon bei einer Auszeit nach 45 Minuten war Trainer Leun laut geworden, versuchte offensichtlich, seine Spielerinnen wachzurütteln. Denn zu diesem Zeitpunkt war beim Stande von 22:25 noch nichts verloren.

Die ersten 25 Minuten spielt Buxtehude auf Augenhöhe mit Blomberg

Die ersten 25 Minuten der Partie agierte Buxtehude auf Augenhöhe mit den Gästen, die in dieser Spielzeit erst eine Partie verloren haben. Lone Fischer mit ihren ersten beiden Treffern zum 11:9 (20. Minute) sorgte für die erste und einzige Zwei-Tore-Führung. Bei 13:12 hatte der BSV noch einmal die Chance, auf zwei Tore wegzugehen, doch Lynn Schneider scheiterte mit einem Siebenmeter an der starken Gästetorhüterin Melanie Veith, die in kurzer Hose spielte.

„25 Minuten haben wir gut gespielt. Dann sind wir in Lethargie verfallen“, sagte Dirk Leun später. Auf dem Feld genügte das der HSG Blomberg-Lippe, um eine 16:14-Führung mit in die Kabine zu nehmen. Im Grunde war das die Vorentscheidung, denn die Gastgeberinnen liefen in der zweiten Halbzeit ständig einem Zwei- bis Drei-Tore-Rückstand hinterher.

Auswärtssieg ist verdient, wenn auch etwas zu hoch

Just als der Hallensprecher Torwarttrainerin Debbie Klijn zum 44. Geburtstag gratuliert hatte, warf Keeperin Katharina Filter einen langen Ball über das gesamte Spielfeld am leeren Tor vorbei. Ein ähnliches Missgeschick unterlief später Christina Haurum bei einer schnellen Mitte.

Blomberg wirkte stabiler und ballsicherer, war körperlich stärker, bekam mehr Geschwindigkeit in die Aktionen, hatte die besseren Torhüterinnen und in der einen anderen Szene auch das nötige Wurfglück. So ist der Auswärtssieg verdient, wenn er in der Schlussphase auch um zwei Tore zu hoch ausfiel. Irgendwann musste Buxtehude schnell abschließen. Steffen Birkner betrachtet sein Team nicht als Spitzenmannschaft der Bundesliga. „Wir sind im Flow und von Verletzungen weitgehend verschont geblieben. Wenn wir am Saisonende auf einem Europapokalplatz stehen, wäre das super“, so der Trainer des Tabellenzweiten.

Lisa Prior wird am Geburtstag als Spielerin des Spiels ausgezeichnet

Und Buxtehude? Trainer Dirk Leun dachte schon an das Auswärtsspiel am Sonnabend, 4. Januar, bei den Kurpfalz Bären. Nach seinen Worten ein „Vier-Punkte-Spiel“, denn der Aufsteiger aus Ketsch (2:16 Punkte) hat nur vier Punkte weniger auf dem Konto als der Neunte Buxtehude (6:12). „Mit jeder weiteren Niederlage erhöhen wir den Druck auf uns selbst. Wir brauchen Erfolgserlebnisse. Dafür werden wir hart arbeiten.“

An ihrem 29. Geburtstag wurde Lisa Prior als Spielerin des Spiels ausgezeichnet. Über den Präsentkorb konnte sie sich nicht wirklich freuen.

Personalien

Fast ein halbes Jahr konnte Lea Rühter nicht im Handballtor stehen. Schon in der Vorbereitung auf die laufende Saison musste sich die 21-Jährige einer Operation am Meniskus unterziehen. Beim Auswärtsspiel am zweiten Weihnachtstag in Bietigheim gab sie ihr Comeback in der Bundesliga und spielte am Sonntag erstmals wieder in der Halle Nord.

Nach dem Spiel verkündete Rühter am Hallenmikrofon, dass sie ihren Vertrag beim Buxtehuder SV um ein Jahr bis Saisonende 2020/2021 verlängert hat.

Mit einem Blumenstrauß und viel Applaus wurde im Gegenzug ihre Vertreterin verabschiedet. Im Sommer musste Zoe Ludwig nicht lange überlegen, ob sie ein halbes Jahr mit den Erstligafrauen des BSV trainieren und spielen möchte. Eine wichtige Erfahrung für die 20-Jährige, die gerade vom Drittligameister HSG Freiburg zu den Handball-Luchsen Buchholz 08-Rosengarten gewechselt war. Mit Beginn des neuen Jahres wird Ludwig ausschließlich im Luchse-Trikot zu sehen sein