Harburg
Landkreis Harburg

Die Jüngsten waren die Größten an der Konsole

Gucken, wenn andere zocken: Das Finale der e-football Kreismeisterschaft

Gucken, wenn andere zocken: Das Finale der e-football Kreismeisterschaft

Foto: NFV-Kreis Harburg / HA

Fußballspielen vor dem Computermonitor: Nico Cibis und Carl Rasper vom TSV Stelle sind die ersten eFootball-Kreismeister.

Winsen. Fußball – das heißt schon lange nicht mehr zwangsläufig, dass elf Männer oder Frauen gegen elf gegnerische Männer oder Frauen auf einem Rasen- oder Grandplatz stehen. Der Weltsport Nummer 1 hat in den vergangenen Jahren eine Menge Spielarten dazugewonnen. Eine davon nennt sich eFootball. Es ist die virtuelle Version der in Deutschland immer noch beliebtesten Sportart.

Sie gehört mittlerweile auch zur großen Fußballfamilie des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV). Gemeinsam hat sie dies mit Hallensportvariante Futsal für die technisch besonders versierten Kicker, dem besonders bei Kindern beliebten Funino mit Minitoren auf Kleinfeld sowie Walking-Football für die betagteren Kicker, die ihren Sport gerne im Gehen ausüben wollen und auch Blindenfußball.

Auf Betreiben des NFV tragen 32 von 33 Kreisverbänden noch bis Januar 2020 offizielle Kreismeisterschaften in Form eines Videospiel-Turniers aus. Der NFV-Kreis Harburg hatte nun ins Vereinshaus des TSV Winsen eingeladen. Dass die Jüngsten auch die Besten an der Konsole waren, war am Ende keine allzu große Überraschung. Nico Cibis und Carl Rasper, beide 18 Jahre alt und Fußballer des TSV Stelle sind die ersten eFootball-Kreismeister im Kreis Harburg.

„Du musst Fußballverständnis haben“

Sie gewannen das Endspiel gegen Kevin Wittkowski und Till Franßen vom SV Wistedt klar mit 3:1. Dritter wurde der MTV Borstel-Sangenstedt mit Lukas Kölm und Lukas Cibis. Diese drei Teams vertreten den NFV-Kreis Harburg am 19. Januar bei der Niedersachsenmeisterschaft in Hannover.

Da wären gerne auch Daniel Blecken und Niklas Steingraeber vom Eintracht Elbmarsch am Start. Doch bis ins Endspiel oder ins kleine Finale haben sie es nicht geschafft, obwohl sie mit drei Siegen in den Gruppenspiele gut ins Turnier mit acht Gruppen je drei Mannschaften gestartet waren. „eFootball ist zwar nur eine Simulation, aber wenn du das erfolgreich spielen willst, musst du auf jeden Fall Fußballverständnis besitzen; das Spiel kennen“, sagt Daniel Blecken auf die Frage, was denn e-Football noch mit Fußball im herkömmlichen Sinne zu tun habe. Ein guter Fußballer auf dem Feld müsse aber nicht unbedingt auch ein guter eFußballer sein.

„Wie alles, ist vieles auch Übungssache“, sagt er. Und als bedürfe es der Bestätigung, erzählt Niklas Steingraeber, dass er in seiner Freizeit häufiger im Internet dieses Spiel spielt. „Da findest du fast immer Gegner, aber du kannst auch alleine gegen den Computer spielen.“

Viele Teams hatten extra viel trainiert

In Winsen waren die beiden Freizeitfußballer angetreten um zu gewinnen. Wie andere 23 Mannschaften ebenfalls, die jeweils in Zweierteams mehr als vier Stunden lang die Controller zum Glühen brachten, bis der TSV Stelle mit den beiden jüngsten Teilnehmern als erster Titelträger der Region feststand.

Viele Teams hatten extra viel trainiert, einige mussten sich in vereinsinternen Ausscheidungen sogar erst für die Kreismeisterschaften qualifizieren. Anders als ihre Konkurrenten von Eintracht Elbmarsch waren Cibis und Jasper verhalten mit einem knappen 2:1 gegen MTV Luhdorf-Roydorf und einem 0:0 gegen den SV Bendestorf in die Gruppenphase gestartet und haben sich danach ständig gesteigert.

Daniel Blecken und Niklas Steingraeber trafen nach zwei Auftaktsiegen in ihrem dritten Gruppenspiel auf Mick Maack und Lennart Zabel vom TuS Fleestedt. Auf dem Bildschirm hieß die Begegnung FC Barcelona gegen Paris Saint Germain (PSG). Die oben links eingeblendete Spielzeit jeweils 45 Spielminuten raste in 12 Minuten herunter. In den Farben Brasiliens (gelb und blau) konnten die Elbmarschkicker sich vor allem auf einen Mann in ihren Reihen verlassen, der auch real so manches Spitzenspiel quasi im Alleingang entscheiden kann: Lionel Messi, der beim 5:1 für „Barca“ vier Tore erzielte.

Von 41 Vereinen im Landkreis sind 24 am Start

„Dass wir mit Messi den besten Fußballer der Welt in unseren Reihen haben, ist grundsätzlich kein Vorteil für uns. Alle teilnehmenden Mannschaften sind gleichstark programmiert“, klärte Niklas Steingraeber auf.

Als jüngstes Mitglied im Spielausschuss des NFV Kreis Harburg fiel der Auftrag, die erste eFootball-Kreismeisterschaft auszurichten, an Tobias Wenck, im Gremium zuständig für die Ü40 und Ü48-Fußballer. Mit dem TSV Winsen war ebenso schnell ein interessierter Partner gefunden, der seine Räumlichkeiten zur Verfügung stellte. „Von unseren 41 Vereinen im Landkreis sind heute 24 am Start“, sagte Tobias Wenck und blickte vom Tresen an der Theke gespannt auf das rege Treiben im Vereinsheim des TSV Winsen, wo an den acht Tischen die zumeist spannenden Spiele auf großes Interesse stießen und die verpassten Chancen, „geilen“ Schüsse in den Winkel oder andere spektakulären Treffer lautstark diskutiert und bejubelt wurden.

„Nächstes Jahr richten wir dieses Turnier gerne mit noch mehr Mannschaften aus“, sagt der eFootball-Beauftragte des Kreisfußballverbandes, Tobias Wenck.

Für die ersten drei Mannschaften hat sich die Mühe richtig gelohnt. Die Sparkasse Harburg-Buxtehude hatte Preise im Wert von 600 Euro ausgesetzt. Neben einem riesigen Wanderpokal gab es Bundesliga-Spielbälle, Trainingsbälle und ein Set für das Torschusstraining für die Vereine zu gewinnen. Die e-Footballer vom TSV Stelle, SV Wistedt und MTV Borstel-Sangenstedt vertreten den Landkreis Harburg am 19. Januar 2020 bei den Niedersachsenmeisterschaften in Hannover.

Der NFV plant in der Landeshauptstadt einen großen Landesentscheid mit rund 100 Teams und erwartet etwa 1000 Zuschauer in der Swiss Life Hall. Der TSV Stelle ist zudem bereits jetzt jetzt als Titelträger für die 2. Harburger Kreismeisterschaft qualifiziert und darf im nächsten Jahre den Wanderpokal verteidigen.