Harburg
Fussball

HTB-Girls verlieren nur 1:2 gegen den deutschen Meister

Allein gegen alle: Diane Hennings lässt sich auf dem Weg zum 1:1-Ausgleich nicht aufhalten.

Allein gegen alle: Diane Hennings lässt sich auf dem Weg zum 1:1-Ausgleich nicht aufhalten.

Foto: Günther Bröde

Cleverness ist der wesentliche Unterschied zwischen den Bundesliga-B-Juniorinnen des Harburger TB und des VfL Wolfsburg.

Harburg.  „Schade“ war das Wort, das nach dem Schlusspfiff am häufigsten zu hören war. „Schade“, sagte auch Teammanager Can Özkan nach der 1:2 (0:1)-Heimniederlage der Bundesliga-B-Juniorinnen des Harburger TB gegen den amtierenden deutschen Meister VfL Wolfsburg. Ein Unentschieden, darin war sich Özkan wohl mit allen Beteiligten einig, wäre das gerechte Ergebnis gewesen.

Wenn da nicht dieser eine wesentliche Unterschied gewesen wäre zwischen den U17-Mädchen aus der Autostadt und dem Aufsteiger aus Hamburgs Süden. „Sie sind einfach cleverer als wir. Wolfsburg hat fast keine Torchancen und macht daraus zwei Buden. Wir haben die richtig gute Möglichkeiten und treffen nur einmal“, brachte es Trainer Erhan Albayrak auf den Punkt.

Wolfsburg nutzte zwei Fehler in der Defensive eiskalt aus

„Wolfsburg hat unsere Fehler brutal bestraft.“ Wie bei den beiden Gegentreffern durch Elisa Klein, die in der 12. Minute zum 1:0 und in der 65. Minute zum 2:1 aus Sicht der Niedersächsinnen traf. Vorausgegangen waren jeweils Stellungsfehler in der Harburger Abwehr und viel zu zögerliche Aktionen.

So bleibt es für den Aufsteiger nach fünf Saisonspielen bei einer Ausbeute von zwei Punkten aus den Unentschieden auf eigenem Platz gegen die Spielvereinigung Aurich (0:0) und den SV Meppen (2:2). „Wir kommen aber immer näher ran“, sagte Can Özkan und meinte die in der höchsten Spielklasse erforderliche mentale und spielerische Stärke. In eine rhetorische Frage kleidete Trainer Erhan Albayrak sein Kompliment an die Harburger Nachwuchsfußballerinnen: „Wer hätte das vor der Saison gedacht, dass wir gegen den deutschen Meister mithalten können?“

Und dass der Stadionsprecher nach Spielschluss den Song „Ein Hoch auf uns“ abspielte, war wohl auch als Kompliment an die Gastgeberinnen zu verstehen, die ohne Simay Özkan auskommen mussten, der nach einem Kreuzbandriss demnächst eine Operation bevorsteht.

Sechs-Punkte-Spiele für die HTB-Mädchen kommen noch

Und überhaupt, sagte Erhan Albayrak, seien Wolfsburg und die anderen großen Vereine in der Bundesliga-Staffel Nord/Nordost nicht der Maßstab für die HTB-Juniorinnen, die beim 0:3 beim Hamburger SV noch völlig überfordert waren, sich beim 0:3 bei Werder Bremen schon viel besser verkauften und nun dem VfL Wolfsburg mehr als eine Stunde lang Paroli boten. „Unsere Sechs-Punkte-Spiele kommen gegen Mannschaften wie Magdeburg, Jena, Berlin und die anderen Teams der unter Tabellenhälfte“, sagte Albayrak. „Verstecken müssen wir uns in der Bundesliga gegen keine Mannschaft.“

Was gegen den VfL Wolfsburg spätestens nach dem Seitenwechsel deutlich wurde. Den 0:1-Pausenrückstand und einen Pfostentreffer des VfL Wolfsburg hatten die HTB-Mädchen gut weggesteckt. Gleich nach Wiederanpfiff verfehlte der Ball nach einem Schuss von Diane Hennings nur knapp sein Ziel und landete auf dem Tornetz. Die durchsetzungsstarke Mittelfeldspielerin war es dann auch, die den Treffer zum 1:1-Ausgleich erzielte.

Diane Hennings legt vor dem 1:1 ein unwiderstehliches Solo hin

Und wie: Noch in der eigenen Hälfte kam sie an den Ball und zog unwiderstehlich davon, ließ ein halbes Dutzend Gegenspielerinnen wie Slalomstangen stehen, drang in den gegnerischen Strafraum ein und als aus den Reihen der Zuschauer schon der verzweifelte Ruf „Nun schieß doch endlich“ laut und deutlich zu vernehmen war, versenkte sie den Ball im Wolfsburger Kasten. Gerade zehn Minuten waren da im zweiten Durchgang gespielt.

Die Harburger Juniorinnen waren anschließend einem zweiten Treffer näher als der VfL Wolfsburg. Und auch nach dem 1:2 gaben sich die HTB-Talente nicht geschlagen. Wenige Minuten später kam die auffälligste Spielerin Diane Hennings ein weiteres Mal zum Abschluss. Diesmal aber traf sie den Ball nicht richtig, das Spielgerät streifte wenige Zentimeter am Tor vorbei.

Türkische U17-Nationalspielerin Beyza Kara wirkte ausgebrannt

So dynamisch sich neben Hennings auch Lena Goretzka präsentierte, die nach einer guten halben Stunde an der Gästetorhüterin scheiterte, so verhalten wirkte die türkische Nationalspielerin in Reihen der Harburgerinnen, Beyza Kara. Die Mannschaft hatte so große Hoffnungen auf ihre Rückkehr nach der Berufung in die türkische U17-Auswahl gesetzt. Doch die Reisestrapazen, drei Länderspiele binnen weniger Tage und dann noch der Einsatz für die Hamburger Auswahl beim DFB-Länderpokal in Duisburg haben der sonst so starken Offensivspielerin, die nach fünf Minuten das 1:0 auf dem Fuß hatte, offensichtlich viel Kraft gekostet.

„Sie scheint etwas ausgebrannt zu sein“, sagte Trainer Erhan Albayrak über den an diesem Tag kraftlosen Auftritt der Leistungsträgerin auf der Außenbahn. „Normalerweise hat sie einen richtigen Bums. Deshalb habe ich sie am Ende auch in die Mitte beordert“. Aber auch das fruchtete letztlich nicht mehr.

In der Fußball-Bundesliga geht es an den kommenden Wochenenden für die B-Juniorinnen des Harburger TB weiter mit zwei Auswärtsspielen beim 1. FFC Turbine Potsdam (19. Oktober) und Magdeburger FFC (26. Oktober). Zwischendurch geht es am Donnerstag, 24. Oktober, im Achtelfinale des Hamburger Lotto-Pokals zu den B-Mädchen von Komet Blankenese (19 Uhr, Kunstrasen Dockenhuden).