Harburg
Motorsport

Titans: Ein neuer Rallye-Sport auf dem Estering

Die Fahrer in der Rennserie Titans RX starten in einem baugleichen Chassis. Lediglich die Karosserie lässt sich individuell gestalten. 

Die Fahrer in der Rennserie Titans RX starten in einem baugleichen Chassis. Lediglich die Karosserie lässt sich individuell gestalten. 

Foto: Steffen Motorsport / Steffen Privat

Die erste Saison der Rennserie Titans-RX geht zu Ende. Der Buxtehuder Andreas Steffen startet auf dem Estering und will vorn mit dabei sein.

Buxtehude.  Schenkt man allen Ankündigungen zur neu geschaffenen Rallycross-Rennserie Titans RX Glauben, so erwartet die Motorsportfans am 17. und 18. Oktober auf dem Buxtehuder Estering ein Spektakel. Die zum großen Teil namhaften Fahrer starten in einem 537-PS starken, baugleichen Hochleistungs-Chassis, dem eigens für die Serie entwickelten Pantera RX6. Die Autos sind vergleichbar mit den Supercars der herkömmlichen FIA Rallycross-Läufe. Mehr Spannung, mehr Zweikämpfe, mehr Risiko. So lautet das Versprechen. Gleichzeitig bedeutet das: Weniger Kosten, weniger Gewicht, weniger Emissionen.

„Ich bin extrem zufrieden mit der ersten Saison. Es gibt eine große Akzeptanz unter den Fahrern und so gut wie keine technischen Probleme. Wir hatten in der gesamten Saison erst einen Motorschaden. Somit liegen wir bei den Servicekosten rund ein Drittel unter unserem Budget“, sagt Max Pucher (65).

Der Österreicher Max Pucher ist Gründer und Besitzer der Serie

Pucher ist Gründer und Besitzer der Titans-RX-Serie. Der österreichische Geschäftsmann verdiente unter anderem mit der Gründung eines Software-Unternehmens so gut, dass er nun mit eigenem Motorsport-Team in der FIA Rallycross-Weltmeisterschaft startete. Im österreichischen Fuglau besitzt der 65-Jährige zudem eine eigene Rennstrecke. Mit der Gründung seiner eigenen Rennserie sagte er den etablierten Meisterschaften im vergangenen Herbst den Kampf an.

Die Zuschauerzahlen in der Premieren-Saison gaben ihm bisher Recht. „Die Zuschauerakzeptanz ist sehr gut, auch wenn wir oft Pech mit dem Wetter hatten. Die meisten Zuschauer hatten wir bisher in Portugal. Dort kamen 7000 Menschen“, sagt Pucher.

Bekannte Namen locken die Zuschauer zu den Rennen

Insgesamt habe die Rennserie rund die Hälfte des Zuschauerzuspruchs einer internationalen Top-Veranstaltung wie der Rallycross-Weltmeisterschaft. Insbesondere die bekannten Fahrer locken viele Motorsportfans an. In der Titans-RX-Serie starten unter anderem der Brasilianer Nelson Piquet Junior (ehemaliger Formel-1-Fahrer), der Neuseeländer Hayden Paddon (Rallye-Weltmeister 2011), der Finne Toomas Heikkinen (Global Rallycross Champion) oder die schwedischen Brüder Timmy und Kevin Hansen (aktuelle Titelanwärter in der FIA Rallycross-Weltmeisterschaft).

Die Fahrer mieten die Autos in der Regel für ein Rennwochenende. An beiden Tagen werden jeweils zwei separate Rennen gefahren. Zwischen 20.000 Euro und 25.000 Euro kostet ein Renntag in der Titans-RX-Serie. „Das ist deutlich günstiger als in der Europa- oder Weltmeisterschaft. In der nächsten Saison werden wir die Kosten nochmal deutlich auf 14.900 Euro pro Rennen senken“, versichert Pucher. Aktuell befinde er sich in Gesprächen mit großen Sponsoren. Nur so ließen sich weitere Top-Fahrer für die anstehende Saison gewinnen.

Künftig soll die Autos mit umweltfreundlichen Ethanol-Treibstoff fahren

Die Rallycross-Weltmeisterschaft stellte vor wenigen Tagen ein rein elektrisches Auto vor. Von der kommenden Saison an finden bei ausgesuchten WM-Läufen separate Elektro-Rennen statt.

Max Pucher geht mit der Titans-Serie einen anderen Weg. „Wir können ökologischer sein als Elektroautos. Von der kommenden Saison fahren wir mit einem umweltfreundlichen Ethanol-Treibstoff, so dass wir weniger Abgase produzieren und gleichzeitig sogar mehr Leistung haben“, erklärt der 65-Jährige. Somit bleibt der von vielen Rallycross-Fans geliebte Motorenlärm erhalten. Zudem sei geplant, in der neuen Saison langlebigere Reifen einzusetzen.

Außerdem verzichtet Pucher auf die sogenannten Joker-Runden. In herkömmlichen Rennserien muss jeder Fahrer pro Lauf eine langsamere Runde fahren. „Das ist mir zu taktisch. Die Zuschauer wollen Zweikämpfe sehen. Auch ich sehe die Fahrer lieber in den Kurven drängeln, wir wollen nicht jeden Kontakt bestrafen.“ Trotzdem müsse es stets fair bleiben. „Am Anfang hatten wir einige Probleme, mittlerweile sind die Fahrer aber fairer geworden.“

Beim Grand Final gibt es die doppelte Punktzahl für die Fahrer

Das sogenannte „Grand Final“ auf dem Estering bildet den Abschluss der Premieren-Saison. Den Fahrern winkt die doppelte Punktzahl. An der Meisterschaftsspitze hat sich längst ein Dreikampf zwischen den Hansen-Brüdern und dem Finnen Toomas Heikkinen herauskristallisiert. „Die drei Topstars werden wahrscheinlich wieder vorne weg fahren“, glaubt Pucher.

Auch der Buxtehuder Rallycross-Pilot Andreas Steffen geht in der aktuellen Titans-Saison an den Start. Steffen rangiert auf Rang zwölf – obwohl er bereits auf drei Starts verzichten musste. Unter lauter Berufsrennfahrern sei das ein gutes Ergebnis. „Ich hoffe natürlich, dass ich meinen Heimvorteil nutzen kann und somit von den doppelten Punkten profitiere“, sagt Steffen.

Das vorletzte Rennen der Saison startet in Ungarn

Bevor es Mitte Oktober in Buxtehude zum Finale kommt, wartet am kommenden Wochenende das vorletzte Rennen im ungarischen Nyirad auf die Fahrer. „Wenn es in Ungarn einigermaßen gut läuft, hoffe ich, dass ich am Saisonende unter die ersten acht Fahrer komme“, sagt Steffen. Der Estestädter leitet als Vorsitzender des Automobil Club Niederelbe zudem die Geschicke auf der Buxtehuder Traditionsstrecke. „Wenn das Wetter mitspielt hoffen wir auf 5000 Zuschauer“, sagt er. Grundsätzlich sei er jedoch vorsichtig mit Prognosen.

Die Motorsport-Fans erwartet - neben den Titans-RX-Läufen - Rennen der sogenannten Spezial-Crosser und Super 1600er. Zudem werde eine große Bühne samt Leinwand aufgebaut. Der private Sportsender Eurosport überträgt live. Eintrittskarten gibt es an der Tageskasse, sowie unter tickets.estering.de.