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Vom Sportplatz direkt in den Kreißsaal

Der Start zum Rehberg-Lauf über 10,5 Kilometer mit den späteren Siegern Tilman Deneke (Nr. 551) und Ann-Kathrin Balduhn (Nr. 543).

Der Start zum Rehberg-Lauf über 10,5 Kilometer mit den späteren Siegern Tilman Deneke (Nr. 551) und Ann-Kathrin Balduhn (Nr. 543).

Foto: Markus Steinbrück / HA

Tilman Deneke sorgte für die emotionalste Geschichte beim Jesteburger Volkslauf. Der neue Termin am Sonnabend wurde gut angenommen.

Jesteburg.  Die erste Frage galt der Zeit. „Wie schnell war ich?“, fragte Tilman Deneke aus Buchholz. Soeben hatte er als Sieger des Rehberg-Laufs über 10,5 Kilometer die Ziellinie auf dem Jesteburger Sportplatz passiert, war auf den Boden gesunken und kam mit den Helfern ins Gespräch. Und dann machte er Druck, wie auf den 40 Minuten und 46 Sekunden zuvor auf der Strecke. „Wann ist die Siegerehrung? Ich muss zurück ins Krankenhaus“, sagte der Physiotherapeut mit eigener Praxis. Der Grund war nicht beruflicher Natur.

Mit dem Fahrrad ging es zurück ins Buchholzer Krankenhaus

„Meine Frau Elena liegt im Kreißsaal und erwartet unser zweites Kind“, ließ Deneke die nun staunenden Helferinnen und Helfer wissen. Am Vormittag war die Fruchtblase geplatzt. Da die Schwiegermutter der Meinung war, dass der neue Erdenbürger frühestens am Abend geboren werden würde, gab Elena ihrem laufbegeisterten Ehemann frei für die Teilnahme am Jesteburger Volkslauf.

Der fuhr – offensichtlich ganz entspannt – die etwas mehr als zehn Kilometer mit dem Fahrrad nach Jesteburg, gewann seinen Lauf und machte sich flugs zurück auf den Weg ins Buchholzer Krankenhaus. „Da habe ich dann geduscht und war bald wieder bei meiner Frau“, so Tilman Deneke. Die Schwiegermutter sollte übrigens Recht behalten. Karlotta (24 cm Kopfumfang, 50 cm groß, 3360 Gramm schwer) erblickte erst am frühen Sonntagmorgen um 4:28 Uhr das Licht der Welt. „Mutter und Kind geht es gut. Alle Werte sind im Normbereich“, konnte der glückliche Vater berichten.

Am frühen Sonntagmorgen erblickt die kleine Karlotta das Licht der Welt

Diese emotionale war eine von vielen Geschichten beim Jesteburger Volkslauf. Eine schrieb die Veranstaltung selbst, die bei der 32. Auflage erstmals vom angestammten Termin am Sonntag auf den Sonnabend verlegt worden war. „Schuld“ war Sport Timing Gierke Kultscher (Stgk), die sich bei vielen Volksläufen um die Zeitmessung kümmert. Als Steffen Maack, gemeinsam mit Norbert Hofmann Hauptorganisator beim VfL Jesteburg, den Termin beim Unternehmen aus Ratzeburg anmeldete, bekam er eine Absage, weil die Zeitmesser am Sonntag bereits für Volksläufe in Tornesch und Marne zugesagt hatten.

Sogar über eine Absage des Jesteburger Volkslaufs dachte das Orgateam nach

„Wir haben zuerst überlegt, den Volkslauf in diesem Jahr ganz ausfallen zu lassen“, erzählte Steffen Maack, „die Stimmen, es am Sonnabend zu versuchen, waren aber lauter.“ Mit allen Konsequenzen, die damit verbunden sind. Immerhin werden viele Publikationen mit Laufterminen des gesamten Jahres bereits im Winter gedruckt; auch für den Aufbau hat das etwa 80 Helferinnen und Helfer starke VfL-Team an einem Freitagabend natürlich weniger Zeit, als wenn man das am Sonnabend erledigen kann. Die Befürchtungen, einen Einbruch bei den Teilnehmerzahlen zu erleben, waren unbegründet. Der Sportplatz Am Alten Moor war vor allem bei den Kinderläufen, die die Hälfte aller Starter stellten, sehr gut gefüllt.

Mit 477 Teilnehmern kommen etwas mehr als im Vorjahr am Sonntag

Und die Sonne scheint beim Jesteburger Volkslauf ohnehin. „Wenn ich mich hier so umgucke, war die Entscheidung richtig. Der neue Termin wird ganz gut angenommen“, sagte Norbert Hofmann, „ich könnte mir vorstellen, generell auf Sonnabend zu wechseln.“ Diese Entscheidung will das Orgateam nach Auswertung der ersten Erfahrungen jedoch in aller Ruhe treffen. Fakt ist, dass insgesamt 477 Läuferinnen, Läufer und Walker die Ziellinie passierte, das sind sogar einige mehr als im Vorjahr.

In den Nachwuchsklassen taten sich die Teilnehmer des MTV Germania Fliegenberg hervor. Jonah Schreiber (3:04 min.) und Enya Ring (3:18 min.) waren der schnellste Junge und das schnellste Mädchen über 800 Meter und mit Lina Katharina Madsen gewann ein weiteres Talent vom Elbdeich den 2100-m-Lauf (7:35 min.). Auf der obersten Stufe des Siegerpodests stehend, gab sie Moderator Christoph Reise ein Interview.

Weitere Sieger: 20,5 km: Jannik Schütt (LG Nordheide) und Wiebke Sannemüller (Waldklinik Jesteburg); 10,5 km: Ann-Kathrin Balduhn (LGN/HSV Stöckte); 5,5 km: Sek Tewes (Hamburg) und Birte Völkner (ohne Verein); 10,5-km-Walking: Holger Brunkhorst (TSR Ahrenswolde) und
Ursula Grube (LT Geesthacht)