Radsport

Ole Schruhl auf dem Sprung in die Weltklasse

Ole Schruhl (19) gehört zu Deutschlands besten BMX-Rennfahrern. 

Ole Schruhl (19) gehört zu Deutschlands besten BMX-Rennfahrern. 

Foto: Schruhl/privat

Der 19-Jährige aus Jork im Alten Land ging nach Stuttgart, um als Profi auf dem BMX-Rad seinen Traum von Olympia zu realisieren.

Jork/Stuttgart.  Seite an Seite stehen die Fahrer in den Starttoren. Das Startblech klappt nach vorne, die Fahrer rasen los. Von einer rund zehn Meter hohen Rampe geht es hinab in den hügeligen Renn-Kurs, der – versehen mit Hügeln und Rampen – zu waghalsigen, bis zu zehn Meter weiten Sprüngen verleitet. Die Fahrer erreichen mitunter Geschwindigkeiten von 60 km/h, in den Steilkurven sind Stürze keine Seltenheit.

Sportart gehört seit 2008 zum Programm der Olympischen Spiele

Bicycle Moto Cross, kurz BMX, ist ein Hochrisikosport – und seit 2008 in Peking olympisch. Deutschland ist seit vielen Jahren nur Entwicklungsland im BMX-Rennsport. Dies soll sich nun ändern, seit einem Jahr trainieren Deutschlands beste BMX-Rennfahrer auf einer neugebauten Rennstrecke in Stuttgart. Unter ihnen befinden sich viele junge Fahrer – wie der 19 Jahre alte Ole Schruhl aus Jork im Alten Land.

„Eigentlich hat alles mit meinem Vater angefangen. Der ist früher auch BMX gefahren und hat mir zum fünften Geburtstag mein erstes BMX-Rad geschenkt“, erinnert sich Ole Schruhl. Irgendwann seien sie dann gemeinsam zur BMX-Strecke nach Zeven gefahren – ein Anfängerkurs, deutlich kleiner und ungefährlicher als die neugebaute A-Norm-Strecke in Stuttgart. „Mir hat das von Anfang an so gut gefallen, dass ich weitermachen wollte. Das Faszinierende ist das Adrenalin, das man während der Rennen hat. Das ist ein Hochgeschwindigkeitssport, bei dem man sich gegen andere Fahrer behaupten muss“, erzählt Schruhl.

Nach einer Schulterverletzung musste er ein halbes Jahr pausieren

Nach dem Schulabschluss 2018 stand er vor einer schwierigen Entscheidung: Ausbildung oder Studium? Nein, lieber BMX! „Mir war klar, dass wenn ich mit BMX weitermachen möchte, das nicht einfach nebenbei machen kann. Ich wollte das professionell machen. Es macht für mich nur Sinn, BMX als Hochleistungssport anzugehen“, erklärt der 19-Jährige.

Die beste Perspektive bot ihm die baden-württembergische Landeshauptstadt: dort trainieren Deutschlands beste Fahrer in Kleingruppen am Olympiastützpunkt. „Es gibt in Deutschland zwar mittlerweile immer mehr Strecken, die meisten sind aber nur für Einsteiger gedacht. In Stuttgart gibt es die beste Strecke und die besten Trainer“, so Ole Schruhl, der schnell in der BMX-Bundesliga Fuß fasste.

Olympiastützpunkt Stuttgart bietet die hierzulande besten Bedingungen

Lange Zeit existierte in Deutschland keine permanente Strecke mit dem Format eines Weltcup-Kurses. Dies änderte sich mit dem Bau der sogenannten „Supercross-Strecke“. Neben dem täglichen Training absolvierte Ole Schruhl im vergangenen Jahr einen Bundesfreiwilligendienst am Stuttgarter Olympiastützpunkt.

„Ich habe morgens von acht bis zehn Uhr gearbeitet, danach gab es Kraft- oder Sprinttraining. Nach dem Mittagessen ging es ab 16 Uhr wieder für drei Stunden auf die Bahn. Danach habe ich wieder gearbeitet. Alles andere musste ich hinten anstellen“, schildert er seinen Tagesablauf. Momentan befinde er sich auf der Suche nach einem neuen Nebenjob.

Deutschland ist im BMX-Sport nach wie vor Entwicklungsland

BMX-Rennen bedeuten Spektakel, Risiko und Stürze bei hoher Geschwindigkeit. „Stürze und Verletzungen passieren immer wieder. Vor kurzem musste ich mit einer Schulterverletzung ein halbes Jahr pausieren“, berichtet Schruhl. Bei seiner ersten deutschen Meisterschaft im Profibereich wurde der 19-Jährige Neunter. Über internationale „Euro-Läufe“ qualifizierte sich der gebürtige Altländer vor einigen Monaten für seinen ersten Weltcup. Dort erreichte er einen Platz unter den besten 100 Fahrern weltweit.

Insbesondere die Wettkampfreisen durch ganz Europa seien sehr kostspielig. „Ohne meine Eltern könnte ich das alles nicht machen. Außerdem erhalte ich durch den Baden-Württemberg-Kader eine zusätzliche Förderung“, sagte Ole Schruhl.

Als Ziel hat er sich gesetzt, sich in dieser Saison weltweit unter den Top-100-Fahrern zu etablieren. Auch eine Olympia-Teilnahme sei in fernerer Zukunft vorstellbar. Deutschland ist im BMX-Rennsport weiterhin nur ein Entwicklungsland, die besten Fahrer kommen aus Frankreich und den Niederlanden. Kein einziger Top-Fahrer stammt aus Deutschland. „Wir in Deutschland sind Späteinsteiger. Aktuell gibt es in meiner Altersklasse aber viele junge und talentierte Fahrer. Dazu hat die neue Strecke in Stuttgart sicherlich beigetragen. Olympia ist das Ziel von uns allen. Ich möchte mich in Zukunft international verbessern“, sagt der 19-Jährige.

Neunter bei deutschen Meisterschaften und erster Weltcupstart

Das Problem: Bei den Olympischen Spielen gibt es nur 24 Startplätze – und die werden anhand von Ranglistenpunkten auf die jeweiligen Länder verteilt. So erhielt Deutschland 2016 in Rio de Janeiro jeweils nur einen Startplatz im Herren- und Damenwettbewerb. „Deutschland versucht auch in Zukunft zumindest diesen einen Startplatz zu behalten“, erklärt Schruhl. Mehr sei momentan nicht möglich – im BMX-Entwicklungsland Deutschland.