Harburg
Motorsport

Spektakulärer Sport, aber nur 4000 Zuschauer

Auf der Höhengeraden knallte der Gesamtführende Robin Larsson in die Reifenbande, sein Audi S1 schoss in die Luft und fand doch den Weg zurück auf die Schotterpiste. Der Schwede blieb in Führung und fuhr sogar Bestzeit in diesem Qualifikationslauf. Im Finale musste er sich allerdings mit dem zweiten Platz begnügen.

Auf der Höhengeraden knallte der Gesamtführende Robin Larsson in die Reifenbande, sein Audi S1 schoss in die Luft und fand doch den Weg zurück auf die Schotterpiste. Der Schwede blieb in Führung und fuhr sogar Bestzeit in diesem Qualifikationslauf. Im Finale musste er sich allerdings mit dem zweiten Platz begnügen.

Foto: Estering / ACN

Regenwetter macht dem Automobil Club Niederelbe beim Rallycross-Europameisterschaftslauf auf dem Estering zu schaffen.

Buxtehude.  Überraschungssieg auf dem Estering. Der Führende der Supercars-Meisterschaft, Robin Larsson (Audi S1), musste sich im Finale der FIA Rallycross-Europameisterschaft geschlagen geben. Zuvor hatte der Schwede bei drei Auftritten drei souveräne Siege gefeiert.

Erstmalig in der Saison triumphierte der Norweger Thomas Bryntesson (VW Polo). Etwas überraschend Dritter wurde Seat-Pilot René Münnich. Der Sachse rangiert in der Europameisterschaft nur auf Rang fünf. Kurz nach dem Start des Finales fiel er auf den vorletzten Platz zurück, kämpfte sich jedoch im weiteren Verlauf mit einer taktisch guten Leistung auf Rang drei vor und feierte seinen ersten Podiumsplatz dieser Saison.

Es ist immer wieder das gleiche Szenario: Ein Rallycross-Bolide rollt im Fahrerlager an einer Gruppe von Fans vorbei – die sich umgehend angrinsen. Die 600 PS starken Supercars dröhnen ohrenbetäubend, so dass jede Unterhaltung unterbrochen werden muss. Bis zu sechs Autos stehen gleichzeitig an der Startlinie. In weniger als zwei Sekunden beschleunigen die hochmotorisierten Rallycross-Wagen auf 100 km/h – schneller als jeder Formel-1-Wagen.

René Münnich aus Sachsen wird überraschend Dritter

Der Estering, Deutschlands älteste Rallycross-Strecke, lockt jedes Jahr tausende Motorsportfans nach Buxtehude. Viele Zuschauer reisen für das Rennwochenende aus dem traditionell sehr motorsportbegeisterten Skandinavien an. Der 952 Meter lange Rundkurs bietet den Fans dank seiner Schüssel-Form einen einzigartigen Blick auf das Renngeschehen – nahezu die komplette Strecke ist für die Zuschauer einsehbar. Rallycross bedeutet Vollkontakt, insbesondere in der ersten Spitzkehre wird mit harten Bandagen um die vorderen Plätze gekämpft. Wer zurückzieht, verliert.

Die nasse und rutschige Strecke verlangte den Fahrern ihr ganzes Können ab. Wer zu spät bremst, rutscht aus den engen Kurven und kracht in die Streckenbegrenzung. Der Tscheche Marcel Suchy dürfte als Negativbeispiel gelten: Sein Peugeot 207 überschlug sich und blieb auf der Seite liegen. Durch den Überrollkäfig und Vierpunktgurt blieb der Tscheche unverletzt und konnte selbstständig aus dem verunglückten Wagen herausklettern.

Einen WM-Lauf wird es auf absehbare Zeit nicht mehr geben

Andreas Steffen, Vorsitzender des veranstaltenden Automobil Clubs Niederelbe (ACN), verzichtete auf einen Start – er konzentriert sich 2019 auf die neugeschaffene Rennserie „Titans RX“. Stattdessen führte er Vip-Gäste durch das Fahrerlager. „Ich wäre natürlich gern selber gestartet, als Rennfahrer will man immer fahren. Dafür reicht das Budget aber nicht aus. So habe ich mal Zeit, die Kontakte zu den Teams und Offiziellen zu pflegen“, erklärt er.

Der Vertrag mit dem US-amerikanischen Vermarkter IMG läuft Ende des Jahres aus – erste Gespräche über Veranstaltungen im kommenden Jahr laufen. Noch 2018 war die Rallycross-Weltmeisterschaft in Buxtehude zu Gast gewesen. Aufgrund finanzieller Bedenken entschied sich der ehrenamtlich geführte ACN jedoch gegen die Austragung eines WM-Laufs. Dabei wird es wohl in Zukunft bleiben. „Die Tendenz ist, dass wir auch im nächsten Jahr keinen WM-Lauf ausrichten. Die Veranstalter müssen entscheiden, wo die Reise hingeht“, sagt Andreas Steffen. Vermarkter IMG setzt verstärkt auf größere Formel-1-Strecken wie Abu Dhabi oder Spa-Francorchamps.

Im vergangenen Jahr wollten noch 20.000 Fans die EM sehen

Für Steffen steht fest: „Wir wollen auch in Zukunft mindestens ein internationales Rennen hier haben und halten uns alle Möglichkeiten offen.“ Einzig der Regen machte dem ACN an diesem Wochenende einen Strich durch die Rechnung. Im Vorjahr kamen mehr als 20.000 Zuschauer an die Traditionsstrecke. In diesem Jahr waren es gerade einmal 4000 Motorsportfans.

„Das ist ganz, ganz schlecht. Bei dem Regen müssen wir uns nicht wundern, wenn die Zuschauer zuhause bleiben“, sagte Steffen. Der ACN ist von den Ticketverkäufen abhängig. Im Vorfeld des Rennwochenendes hatte der Verein etwa 150.000 Euro investiert. „Es kann passieren, dass wir diesmal mit einem Minus rausgehen. Wir hoffen aber, das zu verhindern“, sorgt sich der Vorsitzende.

EM-Saisonfinale am 14. und 15. September in Lettland – Pokale waren schon da

René Münnich hingegen dürfte mit dem Wochenende sehr zufrieden sein, während seine deutsche Teamkollegin Mandie August im Halbfinale ausschied. Kurios: Münnich erhielt bei der Siegerehrung den falschen Pokal. Anstatt des Schriftzuges „Germany“ prangte „Latvia“ auf seiner Trophäe. In Lettland findet am 14. und 15. September das Saisonfinale der Europameisterschaft statt. Wenige Minuten später erhielt Münnich den richtigen Pokal.

„Auch wenn wir 600 Kilometer anreisen, ist der Estering sozusagen meine Heimstrecke“, sagt Münnich. Für die Gesamt-Meisterschaft rechnet er sich einen Platz unter den ersten Fünf aus. Dass der ACN auf einen WM-Lauf verzichtet, sieht er durchaus kritisch. „Für die Zuschauer ist das schade. Grundsätzlich ist es immer schöner für die Fans, wenn mehr Autos da sind.“

In der Fahrzeugklasse „Super 1600“ gab es ebenfalls eine Überraschung. Es gewann der zuvor auf dem neunten Gesamtplatz rangierende Schweizer Yuri Belevskiy vor dem Ungarn Gergely Marton (beide Audi A1) und Marius Bermingrud (Skoda Fabia) aus Norwegen. Der Gesamtführende Aydar Nuriev (Audi A1) musste sich mit Rang vier begnügen.