Harburg
Handballprofi

Joshua Thiele lebt seinen Traum von der Bundesliga

Joshua Thiele (21) setzt am Kreis zum Sprungwurf an. 

Joshua Thiele (21) setzt am Kreis zum Sprungwurf an. 

Foto: Thiele/Privat

Weil er in Buxtehude keine Perspektive für sich sah, entschied sich der Handballer vor sechs Jahren für das Sportinternat Hannover.

Buxtehude/Hannover..  Erst vor wenigen Tagen kehrte Joshua Thiele von der U21-Weltmeisterschaft aus Spanien zurück, Zeit für Erholung bleibt dem gebürtigen Buxtehuder nicht. Thiele gehört mit erst 21 Jahren fest zum Kader von Handball-Erstligist TSV Hannover-Burgdorf – und lebt damit seinen Traum vom Bundesligaprofi.

Dafür musste der gebürtige Estestädter lange hart arbeiten, schon vor sechs Jahren zog Joshua Thiele ins Sportinternat nach Hannover. Bei der U21-Weltmeisterschaft schied die deutsche Auswahl gegen eine individuell starke portugiesische Auswahl bereits im Achtelfinale aus. „Alle sind natürlich ein bisschen enttäuscht. Unser Ziel war eigentlich das Halbfinale“, sagt Joshua Thiele.

Knappes Aus im Achtelfinale der U21-Weltmeisterschaft gegen Portugal

Letztlich erreichte die deutsche Auswahl mit einem Sieg gegen Gastgeber Spanien noch den neunten Platz. „Das war dann noch ein versöhnliches Ende“, sagt der junge Kreisläufer. Mit seinen Einsatzzeiten sei er trotz des frühen Ausscheidens zufrieden, insbesondere in der Defensive spielt Thiele im Innenblock eine wichtige Rolle. Die Aufregung sei für den Nachwuchsspieler kein Problem. „Sowohl in der Bundesliga, als auch in der Nationalmannschaft herrscht natürlich Druck. Ich komme mit Nervosität ganz gut zurecht“, erklärt Thiele.

Wie ihm das gelingt? „Einfach tief durchatmen“. Durch die Junioren-WM verpasste der Nachwuchs-Kreisläufer die erste Phase der Saisonvorbereitung. „Das ist nicht so schlimm, weil wir unser Spielsystem beibehalten haben. Die Mannschaft hat außerdem größtenteils im athletischen Bereich gearbeitet, wo ich dank der WM keinen großen Rückstand habe“, gibt sich Thiele gelassen.

Viele weitere Bundesligaeinsätze sollen kommen

In der vergangenen Saison sammelte der 21-Jährige bereits mehrere Einsätze, in der kommenden Spielzeit sollen weitere folgen. Die Konkurrenz auf der Kreisläufer-Position ist jedoch immens. Thiele ist zwar mit einer Körpergröße von 1,93 Meter und einem Gewicht von 100 Kilogramm kein Leichtgewicht – im Vergleich zu seinen Kreisläufer-Konkurrenten Ilija Brozovic (110 kg) und Evgeni Pevnov (114 kg) müsse er jedoch noch aufholen.

„Das sind schon zwei richtige Brecher am Kreis, die sind im Prinzip gesetzt. Meine Chancen sehe ich eher in der Abwehr. Da bin ich im Innenblock einer von vier Spielern, die dort spielen können“, erklärt Thiele. Während seine Teamkollegen einige Wochen Sommerurlaub genossen, blieb für Thiele keine Zeit zur Erholung. „Langsam merkt man schon, dass man ein bisschen kaputt ist. Ich bin ja aber auch noch jung“, sagt er. Außerdem stehe er in ständigem Kontakt zu den Trainern, damit die Belastung gezielt gesteuert werde.

Das Studium steht zurzeit hinten an

Neben dem täglichen Training absolviert der 21-Jährige ein Studium der Energietechnik. „Ich überlege gerade, das Studium abzubrechen und als Fernstudium fortzusetzen“, sagt Joshua Thiele. Während die Hannoveraner zweimal täglich trainieren, bleibe kaum Zeit für sein Studium an der Leibniz-Universität. „Ich schaffe es meistens nur an einem Tag in der Woche zu Vorlesungen zu gehen. Ich muss vor den Klausuren dann umso mehr lernen“, erklärt er.

Bereits vor sechs Jahren wechselte Thiele vom Buxtehuder SV in den Bundesliga-Nachwuchs der Hannoveraner. Der Wechsel in die rund 130 Kilometer entfernte Landeshauptstadt sei für ihn der logische Schritt gewesen. Obwohl Thiele mehrere Wechseloptionen offen standen, beispielsweise auch nach Hamburg, entschied er sich bewusst für Hannover-Burgdorf.

Entscheidung für das Sportinternat war die richtige

„Zwei Jahre vor mir ist auch ein Torhüter aus Buxtehude nach Hannover gewechselt. Daher bestand dann schon die Verbindung dorthin“, erklärt Thiele. Gemeinsam mit seinen Eltern habe er dann das neugebaute Internat besichtigt. „Der Wechsel war keine schwere Entscheidung. Natürlich habe ich in der ersten Zeit meine Buxtehuder Freunde vermisst. Ich war aber nicht der einzige Neuzugang, so dass ich schnell neue Freunde gefunden habe.“

Heute wohnt Thiele mit Mannschaftskollege Jannes Krone in einer WG. Rechtsaußen Krone ist nur ein Jahr älter als Thiele. „Das funktioniert sehr gut zusammen“, erzählt er. Im Winter unterschrieb Thiele seinen ersten Profivertrag – der läuft im Sommer 2020 aus.

Der Buxtehuder möchte die kommende Saison nutzen, um sich als etablierter Bundesligaspieler für einen neuen Vertrag zu empfehlen. „Das Wichtigste ist aber, den Spaß am Sport nicht zu verlieren“, sagt er. Am Sonntag, 25. August, empfängt Thiele mit TSV Hannover-Burgdorf den GWD Minden zum Saisonauftakt in der 1. Handball-Bundesliga.

Perspektivlose Männer

Während Frauen-Handball beim Buxtehuder SV eine große Rolle spielt, bleibt für männliche Toptalente oftmals nur der Wechsel zu einem größeren Verein. Ihnen fehlt beim Verein die sportliche Perspektive.
So spielen mit Dominik Axmann, Pelle Fick (beide HSV Hamburg) und Joshua Thiele (TSV Hannover Burgdorf) inzwischen drei Buxtehuder Nachwuchstalente der Jahrgänge 1998 bis 2000 in Deutschlands Top-Ligen.

Alle verließen den BSV bereits vor mehreren Jahren. Während Axmann und Fick inzwischen immerhin in der zweiten Bundesliga auf Torejagd gehen, schaffte es Thiele mit Hannover sogar bis ins Deutsche Oberhaus.