Harburg
Infrastruktur

Buxtehude: Bundesliga-Halle wird doch teurer

In der vergangenen Saison verfolgten durchschnittlich 1197 Zuschauer die Heimspiele des Buxtehuder SV in der Halle Nord. Hier feiern sie das 500. Bundesligator von Friederike Gubernatis.

In der vergangenen Saison verfolgten durchschnittlich 1197 Zuschauer die Heimspiele des Buxtehuder SV in der Halle Nord. Hier feiern sie das 500. Bundesligator von Friederike Gubernatis.

Foto: Hans Kall

Weil es neue Anforderungen für den Leistungssport gibt, muss die Stadt größer bauen. Mehrkosten von fast fünf Millionen Euro stoßen auf Kritik.

Buxtehude.  Vor wenigen Monaten klang alles noch schön rund: Die bisherige Spielstätte der erfolgreichen BSV-Handballerinnen muss dringend renoviert werden. Doch eine Sanierung der „Halle Nord“ der Integrierten Gesamtschule (IGS) wäre unter dem Strich laut Gutachtern mindestens so teuer geworden wie ein kompletter Neubau der kombinierten Schul- und Profisporthalle. Also beschloss der Stadtrat im Dezember des letzten Jahres, dass auf dem Schulgelände etwas weiter südlich des jetzigen Standorts für 10,5 Millionen Euro eine neue „Halle Nord“ entstehen soll. Mit Platz für 1300 Zuschauer und in Kombination mit einem BSV-Vereinszentrum.

Anforderungen an Spielstätten für Bundesliga-Handball wachsen

Doch diese schlanke 1:1-Lösung klappt nun offensichtlich doch nicht, wie sich jetzt herausstellt: So überraschte Buxtehudes Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt die örtlichen Kommunalpolitiker am Dienstagabend mit dem Hinweis, dass sich voraussichtlich in den kommenden Jahren die Anforderungen für Handball-Bundesliga-Spielstätten verändern würden. Mindestens 1500 Zuschauer müssten solche Hallen künftig fassen können. Tribünen soll es dann auf beiden Längsseiten geben und auch ausreichend Platz für LED-Werbung an den Banden sein.

Das bedeutet nun, dass die Stadt deutlich großzügiger planen muss. „Und das heißt, es wird mehr Geld kosten“, kündigte die Bürgermeisterin an, bevor Vertreter des beauftragten Planungsbüros MRO Architekten zwei Varianten dazu vorstellten: Beide sehen eine Dreifeld-Halle als eigentliche Bundesliga-Spielstätte vor. In der Variante 1 gibt es noch ein zusätzliches, separates Feld: die sogenannte 3+1 Lösung mit 6100 Quadratmetern Bruttogrundfläche und kalkulierten Baukosten von 13,2 Millionen Euro.

Stadt favorisiert 3+2-Lösung mit 6900 Quadratmetern Bruttogrundfläche

Die Variante 2 sieht sogar eine 3+2-Lösung mit insgesamt fünf Feldern vor, diese 6900 Quadratmeter große Lösung würde nach ersten Überschlagsberechnungen der Planer 14,9 Millionen kosten – also 4,4 Millionen mehr als ursprünglich für einen Neubau genannt worden waren. Beide Varianten sehen ein großes Eingangsportal und zwei Längstribünen vor, die durch einen Umlauf verbunden werden sollen. Auch Platz für TV-Übertragungen wäre in diesen beiden Vorschlägen eingeplant.

„Die Verwaltung schlägt diese 3+2-Lösung vor, sie bietet für Profi- und Schulsport eine einmalige Chance für Buxtehude als Sportstadt, und das nicht nur für den Handball“, sagte die Bürgermeisterin und legte sich damit schon ziemlich fest.

Auch der stellvertretende IGS-Schulleiter Nils Kulik warb vor den Kommunalpolitikern für diese große Variante. Sie böte mit zwei separaten zusätzlichen Spielfeldern für den Schulsport die besten Möglichkeiten und die wenigsten Konfliktpunkte mit dem Profisport. Tatsächlich können beispielsweise wegen der Tribünen an der Wand der Bundesliga-Spielstätte keine Kletterseile oder Gerüste angebracht werden.

Politik möchte wissen, ob andere Projekte zurückgestellt werden

Auch aus der Politik gab es vielfach Zustimmung – obwohl ein endgültiger Beschluss noch nicht gefasst wurde. Der Grünen-Politiker Ulrich Felgentreu sprach beispielsweise mit Blick auf die 3+2-Lösung von „einer Variante der Zukunft“. Es gab aber auch kritische Stimmen. Der SPD-Politiker Alexander Paatsch etwa forderte die Verwaltung auf, jetzt genaue Zahlen zu liefern, wie die Mehrkosten finanziert werden – oder ob andere geplante Projekte leiden könnten.

Sehr deutlich Kritik übte der Linken-Politiker Klemens Kowalski: Hier werde „durch die Hintertür“ mit steuerfinanziertem Geld der kommerzielle Sport bezuschusst. Die Mehrkosten seien eben allein für dessen Anforderungen notwendig, etwa für Platz für LED-Werbung. „Die Stadt muss dann mindestens an den Einnahmen des Sports beteiligt werden“, forderte Kowalski und kündigte für seine Fraktion ebenfalls noch weiteren Beratungsbedarf ein.

Für den Neubau muss der Bebauungsplan geändert werden

Nach bisheriger Planung sollte der Bau 2020 beginnen und 2021 abgeschlossen sein. Die neuen Bundesliga-Anforderungen werden der Stadt zufolge indes voraussichtlich ab der Spielzeit 2023/24 gelten. Für einen Neubau muss die Stadt allerdings auch den gültigen Bebauungsplan ändern, der bisher dort nur Schulflächen ausweist. Weiter ist man in der Stadtverwaltung mit der Erschließungsplanung. So soll die Zufahrt aus Schallschutzgründen über die Konrad-Adenauer-Allee erfolgen. Geplant ist auch eine Verlegung von Parkplätzen und Außensportanlagen, um für die nahen Wohngebiete möglichst wenig Sport-Geräusche zu erzeugen. Die neue Halle und das anschließende BSV-Vereinszentrum werden aus diesem Grund zudem eine L-Form bekommen, um den Eingangsbereich besser abzuschirmen.