Harburg
Handball

MTV Eyendorf baut die Tabellenführung aus

Die Mannschaft des MTV Eyendorf bejubelt den Heimsieg gegen Embsen und den Ausbau der Tabellenführung.

Die Mannschaft des MTV Eyendorf bejubelt den Heimsieg gegen Embsen und den Ausbau der Tabellenführung.

Foto: Markus Steinbrück / HA

Mit dem 22:20 gegen Embsen hält das Team den Tabellennachbarn auf Distanz. Krause steigt in der kommenden Saison als Trainer ein.

Eyendorf.  Wenn man es ganz eng sehen will, haben die Handballer des MTV Embsen gleich zwei Niederlagen kassiert. Das Spitzenspiel der Landesliga Lüneburg verlor der Zweitplatzierte Embsen mit 20:22 (9:14) beim Tabellenführer MTV Eyendorf. Und dann war da noch die Sache mit dem neuen Trainer. Am Abend des Spitzenspiels in der Gerhard-Langer-Halle wurde bekannt, dass Marcus Krause in der kommenden Saison die Herren des MTV Eyendorf trainieren wird. Er tritt die Nachfolge von Uwe Richter an, der sein Engagement nach zwei Jahren aus persönlichen Gründen beenden wird – am liebsten natürlich mit dem Wiederaufstieg in die Verbandsliga Niedersachsen.

Krause griff lange Jahre für den MTV Eyendorf zum Handball, erlebte glorreiche Zeiten in der Oberliga und Verbandsliga. 2015 zog er sich aus der Ersten Herren zurück, spielt heute noch beim HV Lüneburg in der Dritten Herren. Parallel zu den eigenen Aktivitäten trainiert er seit vielen Jahren Jugendmannschaften, dazu acht Jahre lang die Oberliga-Damenmannschaft des MTV Embsen. Der 37 Jahre alte Familienvater wohnt in Embsen. Weil auch Embsens Herrentrainer Torsten Doberass im Sommer aufhören wird, liegt die Frage nahe, ob Marcus Krause nicht auch eine Anfrage vom MTV Embsen erhalten habe. „Doch habe ich“, erzählt der neue Coach, „aber Markus war schneller.“

Auch Dannenberg und Bergen haben noch Chancen

Die Rede ist von Markus Richter, der seit einem Jahr Erster Vorsitzender des Gesamtvereins MTV Eyendorf ist. Handball ist die klare Nummer eins im Verein auf der Hohen Geest. Nur gut 100 von insgesamt 600 Mitgliedern beschäftigen sich mit anderen Sportarten. Nicht nur im Kampf um Punkte, sondern auch im Kampf um einen neuen Trainer hat der MTV Embsen also diesmal den Kürzeren gezogen.

„Bei der Zusage bin ich davon ausgegangen, dass wir nächste Saison in der Verbandsliga spielen“, sagt Marcus Krause. Mit dem Heimsieg gegen den tabellarischen und geografischen Nachbarn Embsen hat Eyendorf einen großen Schritt Richtung Meisterschaft und Aufstieg getan. Der Vorsprung beträgt nun sechs Punkte. Auf einem Niveau mit Embsen machen sich auch MTV Dannenberg und TuS Bergen noch Hoffnungen. Gegen diese beiden Verfolger muss Eyendorf noch spielen. Im nächsten Heimspiel am Sonnabend, 30. März, kommt der viertplatzierte TuS Bergen in die Gerhard-Langer-Halle. Eine Woche später geht es mit einem großen Reisebus und möglichst vielen Fans zum drittplatzierten MTV Dannenberg.

Zum Spitzenspiel gegen Embsen pilgerten fast 400 Zuschauer in die Gerhard-Langer-Halle. Sie erlebten einen verbissenen Kampf mit drei roten Karten und einen verdienten Sieg der Gastgeber, die sich das Leben allerdings schwerer machten als erforderlich. In der Anfangsphase war beiden Teams angesichts vieler ungenutzter Gelegenheiten die Nervosität anzumerken. Nach dem 7:8 hatte Eyendorf zumindest in der Defensive seine Kompaktheit gefunden und ließ fast zehn Minuten kein Gegentor zu.

Eyendorf bringt die Gäste mit einer 5:1-Deckung aus dem Konzept

„Normalerweise spielen wir eine 6:0-Deckung. Nur zweimal im Jahr wechseln wir auf 5:1, weil wir wissen, dass Embsen damit nicht gut zurechtkommt“, erzählte Trainer Uwe Richter nach Spielschluss. Sein Team setzte sich bis kurz vor dem Halbzeitpfiff auf 14:8 ab und startete mit einer vierminütigen Überzahlsituation in den zweiten Durchgang. Embsens Maximilian Focke hatte erst die schnelle Ausführung eines Freiwurfs blockiert und sich danach zu einer Beleidigung hinreißen lassen. Die Schiedsrichter Mirko Holste und Michael Stender aus Tostedt zogen glatt Rot. Doch der MTV Eyendorf machte, vielleicht im Gefühl des sicheren Sieges, zu wenig daraus. Beim 13:15 (38.) war Embsen wieder in der Partie. Was folgte, war ein hartes Ringen um jedes Tor mit vielen Unterbrechungen, zwei Wechselfehlern und weiteren vorzeitigen Ausschlüssen.

Sascha Sondermann aus Embsen kassiert die blaue Karte

In der 40. Minute zog Stender nach Rücksprache mit Holste sogar die blaue Karte. Diese Disqualifikation mit Bericht zieht unweigerlich eine Sperre nach sich. Die Referees meinten, eine Beleidigung des auf der Bank sitzenden Sascha Sondermann gehört zu haben, die dieser bestritt. Eyendorf verkraftete die Hektik besser, zog abermals auf sechs Tore davon und sah zehn Minuten vor dem Ende (22:16) wieder wie der Sieger aus. Was zu diesem Zeitpunkt niemand wusste: Eyendorf sollte kein einziges Tor mehr werfen.

Letztlich bedanken konnten sich die Gastgeber bei Torhüter Nils Kindermann, der bei 22:16 einen Siebenmeter hielt und bei 22:18 zwei Tempogegenstöße innerhalb von 20 Sekunden parierte. Als Embsen das 20:22 erzielte, waren nur noch 90 Sekunden auf der Uhr. Eyendorf spielte seinen Angriff lange aus und kassierte noch eine rote Karte. Raphael Künstler attackierte einen Freiwurfschützen zu heftig. Als der anschließende Siebenmeter wegen Übertritts abgepfiffen wurde, konnte Eyendorf endlich befreit den wichtigen Heimsieg bejubeln. „Wir haben eine sehr starke Abwehrleistung gezeigt“, sagte Trainer Uwe Richter, „und in den letzten zehn Minuten versucht, den Vorsprung zu verwalten. Das funktioniert nicht.“


Marcus Krause – ein Handballverrückter:

Ein Handballverrückter durch und durch ist Marcus Krause – im positiven Sinne. In der laufenden Saison trainiert er dreimal pro Woche die weibliche B-Jugend des HV Lüneburg, die in der Verbandsliga spielt. Dieses Engagement will Krause fortführen, wenn auch in einem anderen Verein. „In Lüneburg gab es Streitigkeiten. Darum werden wir mit der ganzen Mannschaft nach Embsen wechseln. Der entscheidende Impuls ging von den Eltern aus“, erzählt er.

Rechnet man zwei Trainingsabende von Eyendorfs Herren hinzu, ist Krause an jedem Werktag beschäftigt. Am Wochenende stehen natürlich Spiele auf dem Programm. Der unbedarfte Beobachter schüttelt mit dem Kopf, wenn der Angestellte des Landkreises Lüneburg erzählt, dass er gemeinsam mit Sascha Borbe (Eyendorf) noch als Schiedsrichter in der Landesliga pfeift. Dem Wunsch des Handball-Verbandes Niedersachsen auf einen Aufstieg in den Leistungskader wird das Duo wohl nicht nachkommen. „Ich glaub, das wäre etwas zu viel“, sagt Marcus Krause.