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Im Einsatz für eine nachhaltige Sport-Welt

Mira Pape, Studentin in Lüneburg und Touch-Rugby-Spielerin, setzt sich im Vorstand der Sportjugend Niedersachsen für Nachhaltigkeit im Sport ein

Mira Pape, Studentin in Lüneburg und Touch-Rugby-Spielerin, setzt sich im Vorstand der Sportjugend Niedersachsen für Nachhaltigkeit im Sport ein

Foto: Lena Thiele

Die Lüneburgerin Mira Pape engagiert sich im Vorstand der Sportjugend Niedersachsen für mehr Nachhaltigkeit in den Vereinen.

Lüneburg.  Sie sei eigentlich ein optimistischer Typ, sagt Mira Pape. „Aber ich bin überzeugt, dass wir in 30 oder 40 Jahren vor einer humanistischen Katastrophe stehen. Wenn wir jetzt nichts unternehmen.“ Deshalb setzt sich die 22-Jährige, die in Lüneburg Umweltwissenschaften studiert, auf vielfältige Weise für eine nachhaltige Entwicklung ein – vor allem im Sport.

Sie treibt das Thema in ihrem Nebenjob beim Hochschulsport der Leuphana-Universität voran, engagiert sich im Vorstand der Sportjugend des Kreissportbundes. Im September wurde sie zudem in den Vorstand der Sportjugend Niedersachsen gewählt, als jüngstes Mitglied und einzige Frau.

Dort vertritt sie die Interessen von etwa einer Million junger Menschen, die in den niedersächsischen Sportvereinen aktiv sind. „Wenn wir in so einer großen Sportorganisation das Bewusstsein für eine nachhaltige Entwicklung stärken, können wir unheimlich viele Menschen erreichen“, sagt Mira Pape bei einem Latte macchiato, den sie aus einem kompostierbaren Becher trinkt.

Ihr neues Amt auf Landesebene will sie nutzen, um konkretes Handlungswissen zu vermitteln. „Die Jugendlichen sollen verstehen, was sie selbst tun können, damit die Zukunft so wird, wie sie sie haben wollen.“ Dafür soll unter anderem das Freiwillige Ökologische Jahr im Sport gestärkt werden.

Einen solchen Freiwilligendienst hat Mira Pape selbst beim Landessportbund absolviert. Dafür verließ sie nach dem Abitur ihren Heimatort Visselhövede, wo sie lange im Vereinssport aktiv war, sich an Volksläufen beteiligte und bereits mit 16 Jahren als Fitnesstrainerin gejobbt hat. Sich selbst bezeichnet sie als Breitensportlern, doch ihre Lieblingssportart, die sie vor einigen Jahren für sich entdeckt hat, ist hierzulande eher ungewöhnlich: Touch Rugby ist eine Variante des Rugby, jedoch ohne den typischen harten Körperkontakt.

Die Zeit für das Training nehme sie sich gern, sagt die viel beschäftigte Studentin, die sich neben ihren sportlichen Ämtern im Kreisvorstand der Lüneburger Grünen engagiert und seit Kurzem als persönliche Mitarbeiterin einer Grünen-Landtagsabgeordneten arbeitet. Zwei- bis dreimal in der Woche trainiert sie beim Lüneburger Hochschulsport, zusätzlich tritt sie mit ihrer Hamburger Mannschaft bei Turnieren an.

Beim Touch Rugby zeigt sie höchste Konzentration

Beim Touch Rugby spielen Männer und Frauen gemeinsam, Jugendliche sind in den Mannschaften ebenso vertreten wie ältere Sportler. „Ich finde es wunderbar, dass alle zusammen spielen können“, sagt Mira Pape. Zurzeit ist sie auf einer Position eingesetzt, die sich „Wing“ nennt. Dafür muss sie das Spiel genau beobachten, Spielzüge vorbereiten und im richtigen Augenblick den Ball fangen. Sehr ruhig und geduldig müsse man dafür sein, sagt die nur 1,63 Meter große Sportlerin. Dann muss sie lachen.

Denn ruhig sein, das ist eigentlich nicht gerade ihre Stärke, sie will viel bewegen, sich einbringen und Projekte vorantreiben. „Aber es ist auf dieser Position auch wichtig, strategisch zu denken.“ Das wiederum passt sehr gut zu ihrem Engagement. Durch ihre Ehrenämter sitzt sie an Schnittstellen, an denen sie die Weichen stellen kann für grundsätzliche Veränderungen in den Sportorganisationen.

Die Kombination aus Nachhaltigkeit und Sport ist seit mehreren Jahren Mira Papes großes Thema. Und offenbar hat sie damit eine Nische gefunden, für die sich immer mehr Menschen interessieren und in der es genug zu tun gibt. Jetzt will sie sich unter anderem dafür einsetzen, dass mehr Sportvereine auf ökologisch und fair produzierte Teamkleidung umstellen, stärkere Standards im sozialen Bereich verankern und ihre Sponsoren für das Thema sensibilisieren.

Eines ihrer Projekte: Fahrkosten in Vereinen reduzieren

„Da kann man schon viel machen“, sagt Mira Pape. Mit ihren Mitstreitern bei der Sportjugend Niedersachsen denkt sie zum Beispiel darüber nach, wie Sportvereine ihre Fahrtkosten reduzieren können. Oder wie Pflanzen die Luft in Sporträumen verbessern können – ein Projekt, das im Fitnessstudio des Hochschulsports gerade auf seine Wirksamkeit getestet wird. Die Grünpflanzen verbessern nicht nur die Raumluft, sondern sorgen auch für etwas Natürlichkeit zwischen blauen Gummimatten und grau-schwarzen Trainingsgeräten.

Mira Pape kennt aber auch die Hürden auf dem Weg zu einer grüneren Sportwelt. „Bei Sportgeräten gibt es noch große Defizite, da muss man bei den Herstellern was anstoßen.“ So habe zurzeit nur eine große Firma einen Fußball im Angebot, der aus nachhaltiger Produktion stammt.

In Lüneburg ist die 22-Jährige viel mit dem Fahrrad unterwegs, die regelmäßigen Fahrten zwischen Uni und ihrer Wohnung auf dem Kreideberg können als zusätzliches Training gelten. Ihre persönliche CO2-Bilanz hat sie sich zwar gerade ruiniert, mit einem Flug nach Südafrika. Dort war sie mit ihrem Ehemann, einem Südafrikaner, auf Familienbesuch. Doch im Alltag achtet sie auf eine nachhaltige Lebensweise.

Kleidung kauft sie fast nur Second Hand

Dinge für die Wohnung und Kleidung kaufe sie fast nur noch Second Hand, sagt Mira Pape. Sie nutzt Ökostrom, hat ein Konto bei einer Nachhaltigkeitsbank und Lebensmittel bezieht sie neuerdings über eine sogenannte Foodcorp, wo sie sich selbst die Menge abfüllen kann, die sie benötigt. Als gut informierte Umweltwissenschaftlerin sei es allerdings oft schwer, sich optimal zu verhalten. „Meist gibt es keine ideale Lösung und dann hat man schnell ein schlechtes Gewissen.“

Die engagierte Sportlerin will sich weiterhin mit aller Kraft für eine nachhaltigere Welt einsetzen. „Ich finde es toll, bei so vielen Projekten mitmachen zu können. Als Studentin kann ich viel ausprobieren. Und auch mal scheitern, ohne dass es allzu weh tut.“ Ihre Generation sei die letzte, die das Ruder noch rumreißen könne, meint Mira Pape. Diese Überzeugung gibt ihr die Energie für ihren außergewöhnlichen Einsatz. „Ich sehe es als meine Verantwortung, diesen Weckruf in die Institutionen weiterzutragen.“

INFO: Die Sportjugend Die Sportjugend Niedersachsen ist die Jugendorganisation des Landessportbundes. Sie vertritt die Interessen von Kindern und Jugendlichen in Sportvereinen gegenüber Politik, Öffentlichkeit und in der Sportorganisation. Zudem fördert sie die Jugendarbeit, organisiert internationale Jugendbegegnungen sowie Ferienlager. Bildung und Weiterbildung der jungen Vereinsmitglieder gehört ebenso zu ihren Aufgaben wie der Aufbau von Netzwerken mit anderen Institutionen, die sich für Kinder und Jugendliche einsetzen. Ziel ist es, junge Menschen zu sportlichem Engagement und Bewegungsfreude zu ermutigen, ihnen Gemeinschaftssinn zu vermitteln und ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Weitere Infos gibt es im Internet auf www.sportjugend-nds.de.