Harburg
Handball

Zwischen Hörsaal und Bundesliga

Annika Lott studiert seit Oktober 2018 an der Universität Hamburg Jura. 

Annika Lott studiert seit Oktober 2018 an der Universität Hamburg Jura. 

Foto: Maximilian Bronner

Die 19 Jahre alte Annika Lott ist beim Buxtehuder SV zu einer echten Leistungsträgerin geworden.

Buxtehude.  Annika Lott sitzt im Hörsaal der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, in 20 Minuten beginnt die Vorlesung „Strafrecht“. Seit Oktober studiert die 19 Jahre alte Rückraumspielerin des Buxtehuder SV Jura an der Universität Hamburg. Im Laufe des ersten Semesters hat die Rechtshänderin aber auch auf dem Hallenboden dazu gelernt und gehört in der Ersten Bundesliga bereits zu den Top-Spielerinnen der Liga.

Mehr als fünf Tore wirft die 19-Jährige im Schnitt pro Partie. „Ich bin wirklich überrascht, wie gut es für mich persönlich läuft“, gibt Annika Lott zu. Im Sommer wechselte die aus Henstedt-Ulzburg stammende Lott aus der Jugend des TSV Bayer 04 Leverkusen in die Estestadt. Gerade war mit Emily Bölk (20) Buxtehudes Top-Spielerin zum deutschen Meister Thüringer HC gewechselt. Gemeinsam mit Jessica Oldenburg (27) und Mieke Düvel (21) sollte Annika Lott den Weggang der Rückraumspielerin auffangen. Ein halbes Jahr später ist die jüngste Spielerin des gesamten Kaders mit 62 Bundesligatoren die erfolgreichste Werferin. Zum Vergleich: Lone Fischer (30) warf mit bisher 43 Treffern die zweitmeisten Tore, davon neun per Siebenmeter.

„Für mich waren die zwei Spiele im Europapokal die Highlights der Hinrunde. Das waren meine ersten internationalen Spiele überhaupt“, sagt Annika Lott. Auch wenn die Buxtehuder im EHF-Cup gegen das dänische Team Viborg HK bereits in der zweiten Runde scheiterten, bleiben die Spiele für Lott als besonderes Erlebnis in Erinnerung.

Während der Vorlesungszeit pendelt die 19-Jährige mit der S-Bahn zwischen Buxtehude und Hamburg. „Die Zeit ist natürlich sehr knapp, im Grunde ist alles aber ganz gut miteinander abgestimmt“, sagt Lott. „Mittwochs verpasse ich morgens beispielsweise immer das Wurftraining. Die Einheiten hole ich dann aber immer selber nach“. Auf langen Auswärtsfahrten lernt die 19-Jährige für ihr Jura-Studium. Bisher habe sie noch keine Probleme mit der Doppelbelastung. „Aber im ersten Semester kann ich das auch noch nicht wirklich gut einschätzen“, sagt sie.

In Buxtehude habe sie sich mittlerweile gut eingelebt. Im Sommer zog die Rückraumspielerin in ihre erste eigene Wohnung in der Buxtehuder Innenstadt. An den wenigen freien Tagen treffe sie sich häufig mit ihren Mitspielerinnen Lea Rüther und Isabelle Dölle (beide 20). „Wenn es zeitlich passt, bin ich am Wochenende auch mal für einen Tag bei meinen Eltern in Henstedt-Ulzburg“, sagt Annika Lott. Teilweise werde sie in Buxtehude schon erkannt. Am Anfang sei es merkwürdig gewesen, einfach angesprochen zu werden. „Aber Buxtehude ist ja eine Handball-Stadt, da ist das eigentlich nichts Besonderes. Und die Leute sind auch alle sehr nett“, erzählt Annika Lott.

Ende Oktober folgte ein weiterer Höhepunkt für die Rückraumspielerin. Nationaltrainer Henk Groener (58) nominierte die damals 18-Jährige als jüngste Spielerin für den vorläufigen Kader zur Europameisterschaft. „Auch wenn ich am Ende nicht zum endgültigen Kader gehört habe, war allein die Nominierung schon etwas ganz Besonderes. Ich war total überrascht und hatte eh keine großen Hoffnungen mit zur Europameisterschaft zu fahren“, erklärt Annika Lott, die zuvor noch kein A-Länderspiel bestritten hatte. In Zukunft hofft sie, erneut eingeladen zu werden. Die nächste Chance, sich dem Bundestrainer zu präsentieren, bietet ein Regional-Lehrgang, der in einigen Wochen stattfinden wird.

Aktuell belegen die Buxtehuder Handball-Damen den siebten Tabellenplatz in der Ersten Bundesliga. Damit liegen die Estestädterinnen nach einer zwischenzeitlichen Schwächephase mittlerweile wieder voll auf Kurs. Vor der Saison gab Trainer Dirk Leun einen Mittelfeldplatz als Ziel aus. In den letzten drei Spielen vor Weihnachten holten die Buxtehuder Damen nur einen Punkt aus drei Spielen. Insbesondere das 29:29-Unentschieden gegen die SV Union Halle-Neustadt kam einer Blamage gleich.

Der abgeschlagene Tabellenletzte aus Sachsen-Anhalt verlor bis auf das Duell mit den Buxtehuderinnen alle bisherigen Saisonspiele. „Als es eine Zeit lang nicht gut lief, haben wir uns mit der gesamten Mannschaft nochmal zusammengesetzt und über unsere Ziele gesprochen“, erzählt Annika Lott. Mittlerweile läuft es wieder besser für die Estestädterinnen. In den letzten drei Spielen gegen Frisch Auf Göppingen, TSV Bayer 04 Leverkusen und die Bad Wildungen Vipers konnten zuletzt drei Siege gefeiert werden.

„Ich habe den ersten Schritt jetzt gemacht und bin in der Liga angekommen“, sagt Annika Lott. „In der Abwehrabstimmung muss ich mich aber beispielsweise noch verbessern“. Nach 20 Minuten verabschiedet sich die Studentin in die Vorlesung. In den nächsten Wochen schreibt sie die ersten drei Klausuren. Die Themen: Rechtssoziologie, Vertragsrecht, Strafrecht und Staatsorganisationsrecht.