Harburg
Leichtathletik

Hausmeister rettet das Hallensportfest

Mit einer elektronischen Startpistole schickt Starter Jens Möller den fünften 50-Meter-Vorlauf der jüngsten Schülerinnen auf die etwa zehn Sekunden lange Reise.

Mit einer elektronischen Startpistole schickt Starter Jens Möller den fünften 50-Meter-Vorlauf der jüngsten Schülerinnen auf die etwa zehn Sekunden lange Reise.

Foto: Markus Steinbrück / HA

146 Schüler treffen sich beim Winterevent der LG Nordheide in Winsen. Noch am Vorabend klemmte eine Trennwand.

Winsen.  Auf den ersten Blick saß Birgit Dietschmann ganz ruhig auf ihrem angestammten Platz im Regieraum der Winarena. Sie spielte Ergebnisse der elektronischen Zeitmessung ein, ermittelte die Endlaufteilnehmer und druckte erste Urkunden aus. Ohne die Frau aus Borstel geht bei den Leichtathletik-Veranstaltungen im Landkreis Harburg fast nichts.

Viele, viele Jahre war die 53-Jährige Einzelkämpferin, wenn es darum ging, Veranstaltungen mit der Cosa-Software auszuwerten. Keine kannte sich mit den Eigenheiten des Programms so gut aus wie sie. Mittlerweile ist es gelungen, einige Nachwuchskräfte aus Tostedt und Hanstedt an die Materie heranzuführen. Die Leichtathletiktermine müssen sich nicht mehr an den privaten Terminen von Birgit Dietschmann orientieren.

Doch zurück in die Winarena und zum 25. regionalen Schüler-Hallensportfest der LG Nordheide. Denn die Gemütslage der Steuerfachangestellten hatte sich am Vorabend ganz anders dargestellt. „Da habe ich fast eine Herzattacke bekommen“, berichtet Dietschmann. Beim Aufbau der Winarena gegen 19.30 Uhr stellten die freiwilligen Helferinnen und Helfer der LG Nordheide fest, dass sich der Trennvorhang, der die 75 Meter lange Großsporthalle in einen etwa 45 Meter und einen 30 Meter langen Teil teilt, nicht nach oben bewegen ließ.

Notfalls wären die Sprintstrecken auf 30 Meter verkürzt worden

„Das Problem ist seit sechs Wochen bekannt. Aber glaub mal nicht, dass uns jemand informiert hätte“, sagte die aus Borstel stammende Dietschmann. Sofort seien ihr Szenarien durch den Kopf geschossen, das Hallensportfest trotz dieses Hindernisses durchführen zu können. 145 Leichtathleten aus 22 Vereinen hatten ihr Kommen angekündigt. „Dann hätten wir nur 30 Meter sprinten können und die Hürden hätten ganz ausfallen müssen“, sagte Birgit Dietschmann.

So weit kam es zum Glück nicht. Denn Hausmeister Reno Wöhnke vom Gymnasium Winsen suchte sofort nach einer Lösung. Das ist gerade zu diesem Zeitpunkt am Sonnabendabend nicht selbstverständlich. Wöhnke entfernte einen Strebe aus dem widerspenstigen Trennvorhang, so dass sich dieser zumindest bis auf die Höhe der Tribüne anheben ließ. Wenn auch optisch nicht sonderlich ansprechend. Damit war die gesamte Länge der Großsporthalle zu belaufen. Der Nachwuchs konnte die vollen 60 Meter sprinten und auch die Hürden blieben im Programm bleiben.

Einstellen mussten sich die Teilnehmer nur auf einen veränderten Aufbau der Ballwurf- und Hochsprunganlagen. Weil lange nicht klar war, ob der Vorhang geliftet werden könnte, tauschten die Veranstalter die gewohnten Positionen. „Andersherum ist der Ablauf geschmeidiger“, sagte Birgit Dietschmann kurz, um sich dann wieder ihrem Laptop und der Auswertung der nächsten Disziplinen zu widmen. Da hatte sie sich längst wieder beruhigt.

Mit letztlich 146 Teilnehmern aus 24 Vereinen, Nachmeldungen sind bei der LG Nordheide immer möglich, verzeichnete das Schüler-Hallensportfest eine gute Resonanz. Die Vorteile der Halle haben in den vergangenen Jahren auch Vereine aus Schneverdingen, Rosche (Kreis Uelzen) und Schnega (Kreis Lüchow-Dannenberg) kennen und schätzen gelernt. Sie sind zu Dauergästen geworden. Auch der Sieg in einer der ersten technischen Disziplinen ging an eine junge Dame vom TV Jahn Schneverdingen.

Anna Waldschmidt gewann mit 1,29 Meter den Hochsprung der Schülerinnen W11. Zufrieden war die Führende der Bezirksbestenliste mit der Höhe allerdings nicht, im Sommer hatte sie schon 1,32 Meter geschafft. „Heute sollte sie 1,38 Meter springen, weil wir hier immer gut springen. Das hat aber nicht so gut geklappt“, sagte Annas Trainer Hans-Peter Weseloh. Als sein Schützling ein missmutiges Gesicht zog, fügte der Coach mit einem Schmunzeln hinzu: „Vielleicht müssen wir ein paar Crossläufe machen, damit ihr wisst, wie gut ihr es in der Halle habt.“

Die Zweitplatzierte dieses Wettbewerbs blieb ebenfalls drei Zentimeter hinter ihrer Bestleistung zurück. Hanna Hecht vom MTV Germania Fliegenberg war nach einem Sprung über 1,25 Meter im ersten Versuch trotzdem zufrieden. „Ich hatte mir kein Ziel gesetzt“, sagte die Schülerin des Gymnasiums Winsen, die im weiteren Verlauf des Sportfests den Schlagball auf 31 Meter warf und damit gewann. Mit am Start waren weitere Fünft- und Sechstklässlerinnen ihrer Schule, zum Beispiel Johanna Mia Petersen (TSV Winsen) als Fünfte im Hochsprung.

„Nächstes Jahr müssten wir eine gute Mannschaft für Jugend trainiert für Olympia zusammen haben“, sagte Kathrin Gurkasch, die als Lehrerin im Schulsport und Trainerin im Verein engagiert ist. 2018 waren die Gymnasiastinnen von der Bürgerweide Dritte auf Bezirksebene geworden. 2019 soll es in der Wettkampfklasse III weiter nach vorn gehen, vielleicht sogar bis zum Landesfinale.