Harburg
Motorsport

Estering aus dem WM-Kalender gestrichen

So war es Mitte Oktober 2018 auf dem Estering: WM- und EM-Lauf mit Weltmeister Johan Kristoffersson aus Schweden an der Spitze.

So war es Mitte Oktober 2018 auf dem Estering: WM- und EM-Lauf mit Weltmeister Johan Kristoffersson aus Schweden an der Spitze.

Foto: Volker Koch

Ausrichter ACN zog die Notbremse: Finanzielles Risiko wurde zu groß. Buxtehuder Rallycross-Strecke ist schon 2019 nicht mehr dabei.

Buxtehude.  Schlechte Nachrichten für alle deutschen Rallycross-Fans: Mit dem Buxtehuder Estering fliegt die einzige deutsche Rennstrecke aus dem Rallycross-WM-Kalender. Entgegen allen Erwartungen zog der Automobil-Club Niederelbe (ACN) damit bereits in diesem Jahr die Konsequenzen aus den jüngsten Entwicklungen der WM-Serie. Stattdessen gastiert 2019 die Europameisterschaft der Supercars und Super 1600-er auf dem Estering.

Zwei Wochen nachdem 22.500 Motorsportfans den elften Lauf der Rallycross-WM 2018 auf der Traditionsstrecke verfolgten, beendet der ACN die Austragung der WM-Serie – vermutlich für immer. „Die Entscheidung haben wir selber getroffen. Die WM ist mit so einer heißen Nadel gestrickt, dass das finanzielle Risiko für uns als Verein einfach zu groß ist“, sagt Andreas Steffen, der Erste Vorsitzende des ACN.

Seit mehreren Monaten verfolgt der US-amerikanische Vermarkter IMG eine Expansionsstrategie. Kommerziell betriebene Formel-1-Strecken wie Austin/Texas oder Silverstone in Großbritannien ersetzen kleinere Traditionsstrecken. Ab 2021 ist zusätzlich eine rein elektrische Rallycross-WM geplant. Eine Entwicklung, die viele Teams kritisch sehen. Bereits 2017 verkündete Ford als erster großer Hersteller seinen Ausstieg, im Laufe der Saison 2018 folgten Audi und Peugeot.

Die Hersteller Ford, Audi und Peugeot verkündeten ihren Ausstieg

Damit bleibt für die WM-Saison 2019 nur noch Volkswagen als Team mit Werksunterstützung übrig, private Teams scheinen chancenlos. Die VW-Fahrer Johan Kristoffersson (29) und Petter Solberg (43) dominierten die aktuelle Saison – in zehn von elf Läufen siegte ein VW. So sagte jüngst auch Olsbergs MSE als erstes großes Privatteam seine Teilnahme an der kommenden Saison ab.

Für MSE-Teamchef Andreas Eriksson sei das aktuelle WM-Wettrüsten nicht mehr zu finanzieren, in Zukunft werde man sich auf Auftritte in der Rallycross-Europameisterschaft konzentrieren. „Mit den Teams verschwinden gleichzeitig auch die großen Namen aus der Rallycross-WM. Gerade die bekannten Fahrer locken die Zuschauer auf den Estering“, erklärt Andreas Steffen. Motorsportgrößen wie Mattias Ekström (40) oder Sébastien Loeb (44) sind wahre Zuschauermagneten.

Mit einem dezimierten Feld und nachlassender Attraktivität sei eine zuverlässige Grundlage für Veranstalter und Sponsoren nicht mehr gewiss, heißt es in der Mitteilung des ACN. Eigentlich besitzt der ACN rund um Andreas Steffen einen Vertrag bis einschließlich 2019 – nun bat man darum, auf die WM-Ausrichtung zu verzichten.

Abu Dhabi und Spa-Francorchamps sind 2019 neu im WM-Kalender

„Wir haben uns entschieden, zugunsten eines breiten und ausgeglichenen, aber sehr leistungsstarken Teilnehmerfeldes die Europameisterschaft der Supercars vorzuziehen. Wir gehen davon aus, dass wir den Zuschauern damit ebenso guten und eher noch spannenderen Motorsport bieten können“, sagt Andreas Steffen, der selber als Rallycrossfahrer aktiv ist. In erster Linie sei jedoch das finanzielle Risiko besser zu kalkulieren.

Neben Läufen in Großbritannien, Norwegen, Schweden, Frankreich und Lettland komplettiert der Lauf auf dem Buxtehuder Estering den Rallycross-EM-Kalender 2019. Der Estering wird am 17. und 18. August kommenden Jahres den vierten von sechs Europameisterschaftsläufen sehen.

Bei der WM-Tour hingegen kommen Läufe auf den Formel-1-Strecken in Abu Dhabi und Spa-Francorchamps hinzu. „Wenn man Fans und Fahrer fragt, wünscht sich die Mehrheit, dass die kleinen Traditionsstrecken bestehen bleiben. IMG hat jedoch andere Interessen“, sagt der ACN-Vorsitzende.

Andreas Steffen sucht Werksunterstützung für EM-Saison 2019

Rallycross-Pilot Steffen plant im kommenden Jahr an den Läufen der Europameisterschaft teilzunehmen. In welchem Team er sich 2019 den Estering-Fans präsentieren wird, wisse er noch nicht. Momentan laufen die Verhandlungen mit einem schwedischen Team, eine Entscheidung visiert Steffen für Ende dieses Jahres an. „Dieses Jahr muss noch etwas geschehen und die Sache klar gemacht werden“, legt sich Andreas Steffen fest.

Der ACN-Vorsitzende finanzierte seine Auftritte in seinem über 200.000 Euro teuren Ford Fiesta ST bislang in erster Linie mithilfe von Sponsorengeldern. Nun sei der Zeitpunkt gekommen, sich finanziell anders aufzustellen.