Harburg
Badminton

Tim Haller kann die „Mission Gold“ angehen

Tim Haller (Mitte) und seine Förderer, Andreas Sommer (Sparkasse Harburg-Buxtehude) und Katja Oldenburg-Schmidt (Bürgermeisterin der Stadt Buxtehude)

Tim Haller (Mitte) und seine Förderer, Andreas Sommer (Sparkasse Harburg-Buxtehude) und Katja Oldenburg-Schmidt (Bürgermeisterin der Stadt Buxtehude)

Foto: Günther Bröde (FMG) / Günther Bröde

Para-Badmintonspieler wird auf dem Weg nach Tokio 2020 von Stadt Buxtehude und Sparkasse Harburg-Buxtehude unterstützt.

Buxtehude.  Sein Name ist Haller, Tim Haller. Und der junge Mann – er ist erst 23 Jahre alt – hat eine Mission. Er will Gold gewinnen. 2020 in Tokio bei den Paralympischen Spielen. Seine Sportart Badminton wird dann erstmals zum paralympischen Programm gehören, und Tim Haller gehört zu den Besten seines Fachs. Die nötige internationale Erfahrung für seine „Mission Gold“ hat er auch. Tim Haller hat schon in Brasilien, den USA, in Südkorea, Thailand, Guatemala und Irland gespielt. Was ihm bisher fehlte, waren die finanziellen Mittel. Für die kalkulierten 9000 Euro, die mindestens erforderlich sind, stehen jetzt die Sparkasse Harburg-Buxtehuder und die Stadt Buxtehude zu gleichen Teilen gerade.

Um sich für die Paralympischen Spiele zu qualifizieren, will Tim Haller weiter auf internationalen Turnieren überzeugen und Punkte für die Weltrangliste sammeln. „Die besten Chancen auf die Qualifikation für Tokio habe ich, wenn ich es in der Weltrangliste unter die ersten Zehn schaffe“, lautet sein Kalkül. Tim Haller leidet an einer rechtsseitigen Spastik in Arm und Bein sowie Schwerhörigkeit. Oder eben auch nicht leidet. „Der Sport hat ihn sehr selbstbewusst gemacht“, sagte seine Vereinstrainerin Heike Koch, die auch Badminton-Abteilungsleiterin des Buxtehuder SV ist, anlässlich eines Pressetermins.

Regelmäßig Training am Olympiastützpunkt gegen Nicht-Behinderte

Im Verein trainiert Tim Haller bei den erwachsenen Männern mit. Aber das genügt nicht. „Unsere Möglichkeiten, Tim darüber hinaus zu fördern, sind weitgehend erschöpft“, sagt Koch. Deshalb sei sie froh, dass es gelungen ist, Tim Haller im Olympiastützpunkt Hamburg zweimal pro Woche ein Training auf hohem Niveau zu ermöglichen.

Dort trainiert er gemeinsam mit dem deutschen Badminton-Nachwuchs, allesamt junge Talente ohne körperliche oder geistige Beeinträchtigungen. Und trifft dabei auf richtig starke Trainingspartner. „Die hauen mir die Bälle ganz schön um die Ohren“, räumt er ein, dass er richtig ge- und manchmal auch überfordert wird. Aber genau das brauche er. Dass Tim überhaupt in Hamburg trainieren darf, ist hauptsächlich dem persönlichen Einsatz seiner Mutter Rose-Mary Haller zu verdanken, die eine wirksame Unterstützung durch den Deutschen Badminton-Verband vermisst. Buxtehudes Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt nennt es „eine Schande“, dass in einem so reichen Land wie der Bundesrepublik Deutschland, talentierte Sportler, ob sie nun behindert sind oder nicht, um finanzielle Unterstützung betteln müssen.

„Tim ist ein Vorbild für die gesamte Jugend“, betonte sie, bevor sie und der neue Sparkassen-Vorstandsvorsitzende Andreas Sommer die gemeinsam beschlossene Unterstützung für Tim Haller – auch zur Überraschung des Sportlers selbst – bekanntgaben. „Die Bürgermeisterin hat so begeistert von Tim gesprochen, da konnte ich gar nicht Nein sagen“, sagte Sommer. Kennengelernt hatte die Bürgermeisterin den jungen Sportler anlässlich der Sportlerehrung 2017 der Stadt Buxtehude, nachdem dieser in Sao Paulo Zweiter bei den internationalen brasilianischen Meisterschaften geworden war und mit seinem Partner aus Peru sogar das Doppel gewonnen hatte.

Die Liste seiner Erfolge ist lang. Erst kürzlich kehrte er mit zwei Bronzemedaillen von einem internationalen Turnier aus Brasilien zurück. Von den nationalen Titelkämpfen in Hannover brachte er einen Meistertitel heim. „Als deutscher Meister kann ich an allen internationalen Turnieren teilnehmen“, erklärt Tim Haller die Bedeutung dieses Titels. Im vergangenen Jahr spielte er als einziger deutscher Sportler, wie schon vorher in Brasilien, in Colorado Springs in den USA. Auf seinen sportlichen Reisen hat er viel von der Welt gesehen. „Das größte Abenteuer aber war der Trip zur Weltmeisterschaft nach Guatemala“, sagte seine Mutter, die ihn auf einigen – aber längst nicht allen Reisen – begleiten konnte.

Das nächste Ziel ist der Sprung unter die Top-Ten der Weltrangliste

Stefanie Teske, Geschäftsführerin des Buxtehuder SV, bezeichnete Tim als Paradebeispiel für gelungene Inklusion. „Und es ist natürlich toll, dass er unser Vereinslogo in die ganze Welt hinausträgt“, sagte sie. Natürlich macht Tim Haller auch die Stadt Buxtehude in der Welt bekannt. Demnächst stehen die Dänemark Open und die Europameisterschaft in Frankreich auf seinem Programm. Bei der WM rechnet sich Tim Haller Medaillenchancen aus. „Gold wird aber schwierig. Ich treffe auf den amtierenden Weltmeister.“ Weitere gute Gelegenheiten, Plätze auf der Weltrangliste gutzumachen, sind die anstehenden Turnier allemal. Zuletzt hat sich Tim Haller von Platz 27 auf 13 verbessern können. Die angestrebten Top-Ten sind also schon in Sichtweite.

Beruflich hat Tim Haller seine Heimat beim Harsefelder Lackier- und Karosseriefachbetrieb Pankel als Fahrzeugaufbereiter gefunden. Er darf früher Feierabend machen, wenn er zum Training muss und bekommt Urlaub für die Reisen zu Wettkämpfen. Chefin Petra Pankel weiß aus persönlicher Erfahrung, wie schwer Beruf und Spitzensport zu vereinbaren sind. Ihre Tochter tanzt in der Bundesliga-Lateinformation von Blau-Weiss Buchholz.

Ein Spendenkonto hat der Buxtehuder SV für seinen Spitzensportler und vielleicht ersten Goldmedaillengewinner eingerichtet (IBAN:
DE 25 2419 1015 2000 5105 00, Kontoinhaber: BSV, Verwendungszweck: Tim Haller).