Harburg
Fussball

FC Süderelbe hofft auf das Comeback von Eren Sen

Physiotherapeutin Katharina Seelack absolviert Aufbauübungen mit dem früheren Profi-Fußballer Eren Sen

Physiotherapeutin Katharina Seelack absolviert Aufbauübungen mit dem früheren Profi-Fußballer Eren Sen

Foto: Hans Kall

Nach drei Knie-Operationen schätzt der Ex-Profi die Chancen auf 50 zu 50. Alle Spieler im Verein profitieren vom medizinischen Konzept.

Hausbruch.  Eines hat er sich immer bewahrt, und das ist sein Optimismus. Trotz aller Rückschläge mit drei Knie-Operationen, drohendem Karriereende nach dreijähriger Pause und der intensiver Zeit in der Rehabilitation glaubt Eren Sen an sein Comeback auf dem Fußballplatz. „Die Chance steht 50 zu 50“, sagt der frühere Profikicker, und in seiner Stimme klingt Zuversicht.

Mit seiner Physiotherapeutin Katharina Seelack arbeitet der heute 33 Jahre alte Angreifer an seiner Rückkehr auf den Fußballplatz. Noch weiß Eren Sen nicht, ob sein Knie hält. Zurzeit ist er im Lauftraining, arbeitet an der Koordination. Zu einem späteren Zeitpunkt soll der Ball dazukommen. Allerdings lässt sich der gebürtige Hamburger, der bei der FSV Harburg seine Karriere begann, Zeit. „Die Hoffnung auf ein Comeback ist jedenfalls da“, sagt Eren Sen.

Selbst Dr. Müller-Wohlfahrt operierte das lädierte Knie

Sollte die Rückkehr auf den Fußballplatz gelingen, dann wird er sein erstes Spiel für die Altliga des Hamburger SV bestreiten. Der HSV ist ohnehin seine große Leidenschaft. Von 2003 bis 2005 spielte Sen für die Rothosen, absolvierte am 13. September 2003 sein erstes Bundesligaspiel gegen Bayer 04 Leverkusen. Er wurde für Stefan Beinlich eingewechselt. Ansonsten tingelte der Stürmer um die Welt, spielte in der Schweiz (mit dem FC Thun in der Champions League), in der Türkei, im Iran und in Deutschland. Im Iran lernte er auch seine Freundin kennen, mit der er künftig in Hamburg leben möchte.

An die dreijährige Leidensgeschichte denkt Eren Sen mit viel Wehmut zurück. Ein Knorpelschaden im Knie zwang den Vollblutfußballer zu einer langen Pause. Sen versuchte alles, ließ sich bei Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt in München und Dr. Ulrich Boenisch in Augsburg operieren. Die Beschwerden blieben, an Fußball war nicht zu denken. Erst der Hamburger Orthopäde Dr. Oliver Dierk lässt den Fußballer wieder hoffen. Der Arzt züchtete im Labor neuen Knorpel und operierte das Knie erneut. Eine Methode mit Erfolgsaussichten, Eren Sen jedenfalls kann beschwerdefrei mit der Physiotherapeutin trainieren, wenn auch ohne Ball.

„Die Hoffnung ist da“, sagt er. Wenn es klappt, hat er Trainer Stefan Arlt aus der zweiten Mannschaft des FC Süderelbe sein Wort gegeben, dieser jungen Mannschaft in der Kreisliga behilflich zu sein. Macht das Knie nicht mit, könnte er sich auch eine Karriere als Trainer vorstellen. Eren Sen hat die B-Lizenz und ist Co-Trainer beim Landesliga-Aufsteiger Inter 2000, der seine Heimspiele der vergangenen Saison am Jägerhof in Neugraben austrug. „Das Trainergeschäft gefällt mir“, sagt Eren Sen, „am liebsten möchte ich aber wieder spielen.“

Wie wichtig in diesem Zusammenhang eine gute medizinische Betreuung ist, haben Eren Sen und auch der FC Süderelbe erkannt. Zusammen mit dem Harburger Physiotherapeuten und Physioenergetiker Jörn Schimkat hat der Fußball-Oberligaverein ein Konzept erarbeitet, bei dem alle Spieler von der Jugend bis zur Oberliga auf Herz und Nieren geprüft werden. Treten Defizite zutage, wird gezielt an deren Behebung gearbeitet.

Auch die Nachwuchsspieler werden auf Herz und Nieren geprüft

Stefan Arlt schwört auf das medizinische Konzept. Er hat mit seiner Mannschaft als Erster die Möglichkeiten genutzt, einmal wöchentlich wird mit den jungen Fußballern physiotherapeutisch am Kiesbarg gearbeitet. Katharina Seelack aus dem Schimkat-Team kümmert sich um die Spieler. Die gebürtige Österreicherin ist in den Bergen aufgewachsen, Bewegung spielt bei ihr seit jeher eine große Rolle, privat und beruflich. Sie gibt ihre Erfahrungen weiter, ihre Lieblingssportarten sind Windsurfen, Skifahren, Snowboarden, Fahrradfahren, Laufen und Fitnesstraining.

Der FC Süderelbe ist Vorreiter, das medizinische Konzept könnte für jeden anderen Verein aber ebenfalls relevant sein. Zudem ist Jörn Schimkat mit vielen Ärzten vernetzt, bietet eine Sportlersprechstunde im Harburger Ärztezentrum an und steht jeweils montags für Notfälle bereit, wenn sich ein Kicker am Wochenende verletzt hat. Außerdem bildet er Sportbetreuer aus, die in die Lage versetzt werden, schnell und effektiv bei Verletzungen auf dem Platz eingreifen zu können. Festgestellt hat Schimkat bei allen Sportlern, dass viel zu wenig getrunken wird. Leistungssportler sollten zwei bis drei Liter täglich trinken. „Das ist wie das Benzin beim Auto“, sagt der Physioenergetiker, „wenn es fehlt, gibt es Probleme.“