Harburg
Basketball

Nationalspielerin zeigt den Kids, wie es geht

Auch das gehört zum Basketball-Rookie-Camp dazu: ein Gruppenbild mit allen Teilnehmern, Trainern und Ehrengästen

Auch das gehört zum Basketball-Rookie-Camp dazu: ein Gruppenbild mit allen Teilnehmern, Trainern und Ehrengästen

Foto: Markus Steinbrück / HA

Emma Stach und Jacob Hollatz besuchen das Rookie-Camp des Hamburger Basketball-Verbandes. 42 Teilnehmer in Hittfeld.

Hittfeld.  Eine junge Frau steht ziemlich allein in der großen Sporthalle des Gymnasiums Hittfeld am Peperdieksberg und wirft einen Basketball nach dem anderen auf den Korb. Etwa 15 Mädchen und Jungen hocken ein paar Meter weiter am Rand und verfolgen teils mit offenem Mund die Wurfversuche von jenseits der Drei-Punkte-Linie.

„Was fällt Euch an ihrer Technik auf? Außer dass sie sehr schön ist“, fragt der Trainer die Kids. Wenig später erklärt er ihnen, worauf sie achten sollten. „Sie hat immer einen Fuß vorn und wirft nicht nur aus dem Arm. Die Kraft kommt aus dem ganzen Körper, sie fließt wie eine Welle durch den ganzen Körper und mündet in den Wurf.“ Klingt gut, sieht gut aus und ist auch erfolgreich. Knapp die Hälfte der Würfe versenkt die junge Frau im Korb.

An sechs Tagen wird zweimal täglich bei acht Trainern geübt

Sie ist nicht irgendwer, sie ist Emma Stach, deutsche Nationalspielerin, die sich selbst als Vollprofi bezeichnet und dazu aus der Region kommt. Es gehört zur guten Gewohnheit, dass Bundestrainer oder bekannte Spieler dem Rookie-Camp des Hamburger Basketball-Verbandes (HBV) in Hittfeld einen Besuch abstatten. Gestern Vormittag war es wieder soweit. Die 21 Jahre alte Emma Stach wurde in die Trainingseinheiten ebenso eingebunden wie der zwei Jahre jüngere Jacob Hollatz. Der 19-Jährige spielte fast zehn Jahre für die Hittfeld Sharks und Hamburg Sharks in der U16-Jugend-Basketball-Bundesliga (JBBL) und ist aktuell auf dem Sprung in den Herren-Bundesligakader der EWE Baskets Oldenburg.

Am Freitag endet das sechstägige Rookie-Camp in Hittfeld. Bei der zwölften Auflage waren 42 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen acht und zwölf Jahren dabei. Das ist deutlich weniger als in den Vorjahren. „Das hängt wohl damit zusammen, dass unser Termin diesmal am Anfang der Sommerferien liegt und viele Familien gleich zu Beginn wegfahren“, sagt Campleiter Lars Mittwollen. Das Einzugsgebiet ist beachtlich. Die weiteste Anreise hatte ein Junge aus Rostock, auch aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein und natürlich Hamburg sind junge Sportler dabei.

Das Hittfelder Camp unterscheidet sich von anderen dieser Art. „Wir leisten hier Überzeugungsarbeit, wollen die Teilnehmer für den Basketball begeistern“, sagt Mittwollen. Bei anderen Camps müsse man ein gewisses Talent und Können mitbringen, häufig erstrecke sich die Zielgruppe auch bis zu 20-Jährigen. Die Rookies in Hittfeld trainieren zweimal täglich jeweils zweieinhalb Stunden bei acht Trainerinnen und Trainern. Zweimal am Tag geht es zu Fuß von der Unterkunft Sunderhof zur Sporthalle und zurück. Ein Highlight ist natürlich die Players Disco – und der Besuch von Emma Stach und Jacob Hollatz, die sich auch Zeit für eine große Fragerunde und Autogramme nahmen.

Lange musste Emma Stach nicht überlegen, als die Anfrage von Lars Mittwollen kam. „Ich überlege, selbst einmal Trainerin zu werden“, erzählt die 21-Jährge aus ihrem bewegten Leben. „Es ist cool, mit jungen Kindern zu arbeiten und eine schöne Abwechslung, selbst etwas vormachen zu können. Besonders schön zu sehen ist, wie sich einige in dieser kurzen Zeit weiterentwickeln.“ Vielleicht ist sie auch deshalb gern nach Hittfeld gekommen, weil sie selbst im Rahmen eines Camps erstmals mit Basketball in Berührung gekommen war. „Eine Freundin hat mich überredet, zum Camp mitzukommen“, erzählt Emma bei der Fragerunde. „Ich fand es doof und wollte nicht mehr hingehen. Aber meine Freundin war hartnäckig.“

Bis zu 6000 Fans jubelten Emma Stach bei Collegespielen zu

Es war der Anfang einer schon jetzt beeindruckenden Karriere. In den ersten Jahren spielte Emma Stach, deren Familie in Holm-Seppensen zu Hause ist, bei den Wild Girls Sprötze. Schon als 14-Jährige wechselte sie an die Eichenschule nach Scheeßel, wohnte in einer Sportler-WG und spielte Basketball auf hohem Niveau: mit der U17-Mannschaft der BG Rotenburg/Scheeßel in der Nachwuchs-Bundesliga (WNBL) und mit dem Damenteam der Hurricanes in der 2. Bundesliga, zwei Jahre lang sogar in der 1. Liga. Mit 14 Jahren ist sie die jüngste Spielerin, die jemals in der Bundesliga eingesetzt wurde.

Nach dem Abi zog es Emma Stach zum Studium in die USA. Vier Jahre studierte sie in Spokane im Bundesstaat Washington Psychologie mit dem Nebenfach Soziologie und spielte College-Basketball für die Gonzaga Bulldogs. Das Team ist eine große Nummer in der Szene. Bis zu 6000 Zuschauer verfolgen die Spiele, Fans vererben ihre Dauerkarten. Nach vier Jahren ist die Nationalspielerin mit dem Bachelor in der Tasche nach Deutschland zurückgekehrt.

Zu gern hätte sie in Frankreich („Das ist die beste Liga“) oder in Spanien („Da ist es so schön warm“) einen neuen Verein gefunden. Letztlich hat es sie nach Keltern in die Nähe von Pforzheim verschlagen. Beim aktuellen deutschen Meister hat sie einen Einjahresvertrag unterzeichnet und bekommt die Möglichkeit, im Eurocup, vergleichbar der Champions League im Fußball, zu spielen. „Ich möchte mich vor allem individuell weiterentwickeln“, sagte Emma Stach, die aus einer sehr sportlichen Familie kommt. Vater Matthias spielte Tennis auf Bundesliganiveau, Mutter Julia in der Handball-Bundesliga, Bruder Anton (19) kickt in der U23-Mannschaft des VfL Wolfsburg und Schwester Lotta (16) spielt in der 2. Basketball-Bundesliga in Scheeßel.

Wenn es das Los will, könnte es im Deutschen Basketball-Pokal zu einem Schwesternduell zwischen Keltern und Rotenburg/Scheeßel kommen. Dann hätte Lotta Stach Gelegenheit, den Worten ihrer älteren Schwester zu folgen, die in der Fragerunde im Rookie-Camp sagte: „Man kann sich viel von großen Spielern abgucken.“ Denn eine Große ist Emma Stach trotz ihrer erst 21 Jahre schon jetzt.