Harburg
Vielseitigkeit

Abi bestanden, im Sattel überzeugt!

Weil sie die erlaubte Zeit um sechs Sekunden überschritten, bekamen Felicia von Baath und Full Hope beim Geländeritt winzige 2,4 Strafpunkte

Weil sie die erlaubte Zeit um sechs Sekunden überschritten, bekamen Felicia von Baath und Full Hope beim Geländeritt winzige 2,4 Strafpunkte

Foto: Annette Dölger / HA

Lokalmatadorin Felicia von Baath und Full Hope sind glücklich mit ihrem ersten Auftritt bei einer Vielseitigkeits-DM.

Luhmühlen.  Die deutschen Nachwuchsmeisterschaften der Vielseitigkeitsreiter in Luhmühlen. Felicia von Baath aus Luhmühlen ist zum ersten Mal dabei. Sie ist 18 Jahre alt, in Luhmühlen geboren und hat seit Freitag ihr Abiturzeugnis (Note 2,5) in der Tasche. Felicia gehörte nicht wie die ein Jahr jüngere Dibowski-Tochter Alina zum Favoritenkreis in der Juniorenklasse.

Und doch strahlte sie nach ihrem Null-Fehler-Ritt im abschließenden Springen „pures Glück“ aus, wie Mutter Alexa von Baath lachend erzählte. Felicia erkämpfte sich den elften Platz unter 51 Starterinnen und Startern bei den Junioren. Wir haben mit ihr über ihre Jahre im Reitsport gesprochen.

Felicia, einmal zu den sportlich auserwählten Teilnehmern einer deutschen Juniorenmeisterschaft zu gehören, war immer dein Traum. Das hast Du geschafft. Was bleibt davon? Was wirst Du einmal deinen Kindern erzählen?

Felicia von Baath: Oh je! Also jedenfalls, dass der Geländeritt eines der schönsten Erlebnisse in meinem Leben war. Wie Full Hope für mich gekämpft, wie er mich über die Hindernisse getragen hat, wie wir ein perfektes Team, eine Einheit geworden sind. Unglaublich. Mein Pferd weiß, wie es mich glücklich macht.

Wie schwierig ist es, sich für eine deutsche Meisterschaft zu qualifizieren?

Felicia: Man muss sich mindestens in einer L-Prüfung platzieren. In Bad Segeberg sind wir Neunte geworden. Und bei einer CIC-Ein-Sterne-Prüfung in Hornsmühlen haben wir uns im Springen nur einen Fehler geleistet (drei sind erlaubt) und haben die Dressur mit 38 Prozentpunkten geschafft.

Vor einem Jahr noch hatte ich mit Toutsi, der etwas zickigen Stute, hier in Luhmühlen in der Dressur 40,5 Punkte erreicht. Ganz knapp um 0,5 Punkte hatten wir damals die Qualifikation verpasst.

Um in deinem Sport erfolgreich zu sein, muss man ein sehr gutes Pferd reiten. Die aber sind teuer. Du musst dich also auch mit Mädchen und Jungen messen, deren Eltern sich wertvolle Pferde leisten können. Findest Du das nicht ungerecht?

Felicia: Na ja, es kommt immer noch darauf an, was der Reiter daraus macht. Auch das teuerste Pferd spürt, wenn der Mensch auf seinem Rücken unsicher ist und Angst hat. Das überträgt sich auf das Tier. Ich glaube, das möchte ich auch gar nicht. Neben Full Hope arbeite ich auch mit dem sechsjährigen Quantum. Er konnte nichts, als er zu uns kam. Wir beide erarbeiten uns alles selbst. Mich macht jeder kleinste Fortschritt stolz und glücklich.

Die Meldegebühr für diese DM beträgt 120 Euro. Billig ist der Sport ja nicht, den du und deine Schwester Antonia so begeistert betreiben?

Felica: Nein, ist er nicht. Aber wir verdienen beispielsweise durch kleine Jobs hier im Ausbildungszentrum Geld dazu. Ich reite auch keine eigenen Pferde. Die Besitzer vertrauen uns talentierte Tiere an. Mit dem Besitzer von Quantum haben wir einen Vertrag, wie er üblich ist. Der Besitzer hat sich verpflichtet, das Pferd in den nächsten vier Jahren nicht zu verkaufen. Haben wir sportliche Erfolge, die das Pferd ja wertvoller machen, bekomme ich etwas davon ab.

Bei der großen Vier-Sterne-Prüfung vergangene Woche musste nach einem Sturz ein Pferd eingeschläfert werden. Hast Du und deine Familie so ein Drama auch schon erleben müssen?

Felicia: Vor einigen Jahren hat sich das Pferd meiner Schwester vier Tage vor Weihnachten bei minus zehn Grad und Eis ein Bein gebrochen.

Musste es eingeschläfert werden?

Felicia: Das waren wir ihm doch schuldig. Wir konnten das Tier doch nicht leiden lassen. Diese Reitpferde tun so viel für uns, machen uns so viel Freude, da ist man als Mensch doch in der Verantwortung – auch wenn das Herz weh tut dabei.

Seit zwei Tagen hast Du dein Abiturzeugnis in der Tasche. Wie geht es weiter?

Felicia: In den Wintermonaten werde ich nach Neuseeland zu einer erfolgreichen Vielseitigkeitsreiterin gehen.

Soll also die Reiterei dein Beruf werden?

Felicia: Nein, auf keinen Fall. Jetzt arbeite ich mit zwei Pferden täglich jeweils eine Stunde. Wenn du als Berufsreiter auch bei 30 Grad Hitze und bei 10 Grad Minus mit fünf oder sechs Pferden am Tag arbeiten musst, ist das etwas ganz anderes. Das ist mir ein zu harter Beruf.

Du und deine Schwester, ihr habt mit eurer Mutter schon als Dreijährige im Sattel gesessen. Was ist das wichtigste, was Du von den Pferden gelernt hast und was Du mitnimmst ins Leben?

Felicia: Dass du nur in enger Harmonie und Zusammenarbeit mit dem Partner Erfolg haben kannst. Das aber kann nur gelingen, wenn du dich mit viel Feingefühl auf den Charakter der Pferde einstellst, der oft sehr unterschiedlich ist. Mit Eigensinn und Trotz kommst du da nicht weiter. Sich immer wieder auf neue Situationen einstellen und im Team Lösungen finden, das wird mir auch sonst im Leben weiter helfen.