Harburg
Leichtathletik

Der Stadtlauf-Chef zieht sich zurück

Start zum 5,3-Kilometer-Löns-Lauf mit dem späteren Zweiten Daniel Dieckmann (Bad Fallingbostel/Nr. 80) und dem Dritten Eicke Soboth (BW Buchholz/Nr. 11220)

Start zum 5,3-Kilometer-Löns-Lauf mit dem späteren Zweiten Daniel Dieckmann (Bad Fallingbostel/Nr. 80) und dem Dritten Eicke Soboth (BW Buchholz/Nr. 11220)

Foto: Karsten Schaar / HA

Arno Reglitzky, Hauptorganisator des Buchholzer Großevents, fordert neue Strukturen und neue Verantwortlichkeiten.

Buchholz.  Aus, Schluss, vorbei. Arno Reglitzky klingt wild entschlossen. „Für mich ist absolut klar, dass es mit diesen Strukturen nicht weitergehen kann“, sagt der langjährige Hauptorganisator des Buchholzer Stadtlaufs. An diesem Sonntag war die Großveranstaltung mit mehr als 2000 Teilnehmern und zehnmal so vielen Zuschauern zum 20. Mal in der Buchholzer Innenstadt über die Bühne gegangen. Vom ersten bis zum 20. Stadtlauf liefen alle organisatorischen Fäden bei Reglitzky zusammen.

Nach dem Abgang der Verantwortlichen für die Streckenabsicherung und dem Ausfall des IT-Verantwortlichen war die Belastung für den 82 Jahre alten Vorsitzenden von Blau-Weiss Buchholz beim Jubiläumslauf noch einmal größer geworden. „Ich habe den IT-Bereich provisorisch übernommen und in enger Zusammenarbeit mit der Firma, die für die Zeitmessung zuständig ist, versucht, alles wie gewohnt zu regeln“, sagt Arno Reglitzky. Doch die Wucht der Aufgaben, die auf seinen Schultern lastet, ist einfach zu groß.

„Ich mache erstmal einen Schnitt und werde nicht mehr an erster Stelle für den Buchholzer Stadtlauf stehen“, betont Reglitzky. „Ich werde aber weiterhin unterstützen. Dringend erforderlich ist, dass andere Personen wesentliche Bauteile übernehmen und wir vernünftige Strukturen bekommen.“

Jahresumsatz des Stadtlauf-Vereins beträgt etwa 65.000 Euro

Das wird und soll nicht von jetzt auf gleich gehen. Die Sommerferien sollen allen Beteiligten Zeit und Ruhe zum Nachdenken geben. „Im August werden wir uns zusammensetzen und über neue Strukturen sprechen.“ Ursprünglich eine eigene Abteilung von Blau-Weiss Buchholz, tritt seit einiger Jahren der eigens gegründete Verein „Buchholzer Stadtlauf e.V.“ als Veranstalter auf. Getragen wird er von Blau-Weiss Buchholz und dem TSV Buchholz 08. Um die wirtschaftlichen Dimensionen einzuordnen: der Stadtlauf generiert Jahr für Jahr einen Umsatz von etwa 65.000 Euro.

Bei seinem Streben nach Veränderungen und neuen Gesichtern in der ersten Reihe kann sich Arno Reglitzky breiter Unterstützung in der Stadt und der Kaufmannschaft sicher sein. Der Stadtlauf muss weitergehen, habe zum Beispiel Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse gesagt. Auch zahlreiche Sponsoren seien an der Fortschreibung der Erfolgsgeschichte interessiert. „Sie müssen künftig mehr Verantwortung übernehmen. Sei es selbst oder mit der Bereitstellung von Personal“, fordert Arno Reglitzky, der auch auf das fortschreitende Alter vieler der insgesamt 230 Helferinnen und Helfer hinwiest. „Wir brauchen eine Frischzellenkur!“

Der Hauptorganisator übergibt jedenfalls einen guten laufenden Motor. „Alles war jubiläumsreif – das Wetter, die Teilnehmer, die Zuschauer und auch die Organisation“, bilanzierte Reglitzky den 20. Buchholzer Stadtlauf. „Bei all den Schwierigkeiten im Vorfeld ist es viel besser gelaufen als erwartet.“ Neben dem beschriebenen Ausfall von Helfern auf Schlüsselpositionen gab es Fehler bei den Anmeldungen und die Sorge um eine unzureichende Wasserversorgung angesichts der angekündigten Schwüle. Diese Sorge erwies sich als unbegründet. Zwar entwickelte sich der Veranstaltungstag nach Kühle und Regentropfen am Vormittag, die den Inlineskatern zu schaffen machten, in den vorhergesagten hohen Temperaturbereich. Allerdings gab es insgesamt vier Wasserstellen auf der fünf Kilometer langen Runde. „Sonst hatten wir eine, maximal zwei“, sagte Reglitzky.

Die Hälfte der 2191 Teilnehmer sind Schülerinnen und Schüler

Rein sportlich boten die 2191 Teilnehmer, davon allein 1029 Schülerinnen und Schüler, gute Leistungen. Auf der Halbmarathonstrecke der Inlineskater gab es zum Beispiel die beste Zeit seit fünf Jahren. Stefan Krostitz aus Eutin rollte nach 40:58 Minuten über die Ziellinie und hatte noch Kraft genug, um wenige Stunden später erneut einen Halbmarathon in Angriff zu nehmen – diesmal laufend.

Einen sehr spannenden Wettkampf gab es im Halbmarathonlauf der Männer. Erst in der letzten von vier Runden wurde der lange führende Michael Röhrs (Schneverdingen) von Dieter Zilinski (Lüneburg) ein- und überholt. Auf den letzten 500 Meter vor dem Ziel an der Empore passierte auch Sacha Scharnewski (Buxtehude) den zwölf Jahre älteren Röhrs, der mit der Hitze zu kämpfen hatte. Zilinski siegte schließlich in 1:20:54 Stunden mit 18 Sekunden Vorsprung vor Scharnewski. Nur Rang vier belegte Seriensieger Lars Roger Röpke (Seevetal), der zwei Wochen zuvor die längste Strecke beim HIT-felder Volkslauf dominiert hatte.

Buchholzer Neubürger Tilman Deneke erkämpft sich 10-km-Sieg

Ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt hatte sich vor dem Zehn-Kilometer-Lauf Tilman Deneke. Just als Arno Reglitzky den mehrfachen Buchholz-Sieger Frank Themsen (Bremen) interviewte und ihn als Favoriten vorstellte, stürmte Deneke nach vorne und ergriff das Mikro. „Ich bin Neubürger in Buchholz und ich bin hier, um den Lauf zu gewinnen“, stellte sich der M40-Senior vor und setzte sich selbst unter Druck. „Du hast ja ein eher starkes Selbstbewusstsein“, entgegnete Reglitzky. Doch Tilman Deneke ließ seiner Ansage Taten folgen.

Buchstäblich auf den letzten Metern des Zehn-Kilometer-Laufs kämpfte er Frank Themsen nieder und gewann in 36:51 Minuten mit drei Sekunden Vorsprung. Im Ziel brach Deneke völlig entkräftet zusammen, erholte sich aber bald wieder. Nicht ganz so schnell dürfte er seine Achillessehnen-Probleme los werden, was Reglitzky zu einer kleinen Stichelei ermutigte. „Du musst Dir wohl mal einen richtigen Physiotherapeuten suchen“, sagte er zu dem Mann, der als selbstständiger Physiotherapeut gerade eine Praxis in Buchholz eröffnet hat.

Wenn der 82 Jahre alte Reglitzky im kommenden Jahr in die zweite Reihe der Stadtlauf-Organisatoren zurücktritt – seine Rolle als Moderator dürfte er ruhig weiter ausführen.