Harburg
Motorsport

Andreas Steffen triumphiert beim Heimrennen

Der Ungar Kristian Szabo im weißen VW Polo ist der einzige, der Andreas Steffen und seinem Ford Fiesta ST in den ersten Runden folgen kann

Der Ungar Kristian Szabo im weißen VW Polo ist der einzige, der Andreas Steffen und seinem Ford Fiesta ST in den ersten Runden folgen kann

Foto: Volker Koch / HA

Auf dem Estering kämpften 112 Fahrer in elf Wertungsklassen um Punkte für die Deutsche und Belgische Rallycross-Meisterschaft.

Buxtehude.  Krächzende Lautsprecherdurchsagen, der Geruch von Staub, verbranntem Gummi und Benzin, gemischt mit dem Sound brüllender Motoren der hochmotorisierten Rallycross-Boliden. Die Läufe zur Deutschen und Belgischen Rallycross-Meisterschaft sorgten für das gewohnte Bild am Estering in Buxtehude. Insgesamt 112 Fahrer aus sieben Nationen traten in elf verschiedenen Wertungsklassen gegeneinander an.

Der Buxtehuder Rallycross-Pilot Andreas Steffen konnte in der höchsten Klasse, den sogenannten „Supercars“, überzeugen und alle Konkurrenten hinter sich und seinem rund 600 PS starken Ford Fiesta ST lassen. Nur der amtierende Europameister Kristian Szabo (VW Polo) aus Ungarn konnte Steffen im Finale folgen, den letztlich souveränen Heimtriumph aber nie ernsthaft gefährden.

Zwischen den einzelnen „Heats“, die sich in allen Klassen in freies Training, jeweils drei Qualifikationsrennen sowie Halbfinale und Finale aufteilen, wird bei allen Teams am Auto gearbeitet. „Die Mechaniker versuchen, Schäden, die bei den Rennen entstehen, in den Pausen zu reparieren. Da kann von der Stoßstange bis zum Turbolader alles dabei sein“, erklärt Carina Krause, Pressesprecherin des Ausrichters Automobil-Club Niederelbe (ACN).

Ein Rennwochenende kostet das Team Steffen 10.000 Euro

Auffällig sind die Unterschiede im Budget der einzelnen Teams. Während Steffens 250.000 Euro teures Supercar von einem englischen Ingenieur mithilfe modernster Computertechnik ausgewertet wird, hilft in den kleinsten Rennklassen oftmals einfach ein beherzter Tritt gegen die Karosserie, um das Problem zu beheben. Die bei Kollisionen während der Rennen entstandenen Schäden werden somit auf einfachste Art und Weise repariert, extra starkes Klebeband sorgt für den nötigen Halt der demolierten Heck-Karosserie.

Schon wenige Sekunden nach dem Rennen werden beim Ford Fiesta ST von Andreas Steffen die Reifen geprüft, der Öldruck gemessen und auch die Aufnahmen der eingebauten On-Board-Kamera auf den PC überspielt. Während das mehrköpfige Mechanikerteam am Auto arbeitet, widmet sich Steffen im Team-Truck der Videoanalyse. „Die Mechaniker überprüfen jede Schraube. Und die Videoanalyse hilft mir auch sehr. Irgendeinen Fahrfehler entdeckt man immer“, erklärt der Buxtehuder.

Enorm seien die Kosten, die während eines Rennwochenendes auf das Team zukommen. „Dieses Wochenende kostet, wenn keine großen Schäden am Auto entstehen, 10.000 Euro“, berichtet der Buxtehuder Rallycross-Pilot. Verständlich – ein Satz Reifen kostet bereits 1000 Euro, ein Liter des speziellen Rennbenzins gibt es für etwa sieben Euro. „Wir haben das Glück, dass wir nicht auch noch eine weite Anreise bezahlen müssen“, erklärt Carina Krause.

Die längste Anfahrt hat ein Fahrer aus Lettland. Trotz seiner insgesamt neun Sponsoren sei ein Start für Andreas Steffen in der Deutschen oder Belgischen Rallycross-Meisterschaft nicht rentabel. „Die Meisterschaften sind nicht dazu da, um davon zu leben. Vom Preisgeld eines Deutschen Meistertitels kann man sich gerade mal einen neuen Satz Reifen leisten“, sagt Krause. Fatal wäre ein Totalschaden des 600 PS starken Supercars. „Ein Totalverlust des Autos wäre für uns finanziell nicht aufzufangen“, sagt Steffen nüchtern.

Ganz andere Sorgen bereitet dem Estestädter das neue Regelwerk des Deutschen Motor Sport Bunds (DMSB). Nach dem ersten Lauf dieser Saison Mitte April auf dem Lausitzring beschloss der DMSB, den besonderen Sprit des Ford Fiesta zu verbieten. Im Gegensatz dazu erlaubt das Regelwerk der Rallycross-Europameisterschaft nur genau diesen Sprit. Für Steffen, der auch bei einigen Läufen der Europameisterschaft startet, bedeutet dies, dass er in der Deutschen Meisterschaft nicht gewertet werden kann, so dass er kurzerhand als Gastfahrer in der Belgischen Meisterschaft startet.

Das spezielle Benzin ist in der Deutschen Meisterschaft verboten

„Keiner kann das Reglement begreifen. Der DMSB sollte sich schämen, das ist unglaublich“, ärgert sich Steffen und fügt hinzu: „Mein Plan war es, Deutscher Meister zu werden. Nach dem ersten Saisonrennen mussten wir unsere ganze Planung über den Haufen werfen. Wir werden jetzt eine Mischung aus Deutscher und Belgischer Meisterschaft, Europa- und Weltmeisterschaft fahren. Ganz Europa lacht über uns!“

Für die Zuschauer sei das Problem deutlich geringer, Fahrer der Deutschen und Belgischen Meisterschaft starten in den einzelnen Läufen stets gemeinsam. „Der normale Zuschauer kriegt von diesen Problemen oft gar nichts mit“, sagt Pressesprecherin Carina Krause.