Harburg
Fussball

Die Bayern kommen – Drochtersen im Ausnahmezustand

Regionalligist darf den Traum aller Amateurvereine leben. Der Rekordmeister spielt in der ersten DFB-Pokal-Runde im Kehdinger Land

Drochtersen.  Die SV Drochtersen/Assel blickt dem Höhepunkt ihrer 41-jährigen Vereinsgeschichte entgegen. Die Moderatorin und Schauspielerin Palina Rojinski loste den Kehdingern den FC Bayern München als Gegner in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals 2018/2019 zu. „Das ist der absolute Hammer“, schrie Drochtersens Präsident Rigo Gooßen am späten Freitagabend unmittelbar nach dem Glücksgriff der Losfee in der ARD-Liveübertragung ins Mikrofon und scherzte: „Wir wollten so gerne in die zweite Runde, das wird jetzt sehr schwer.“

Mannschaftskapitän Sören Behrmann und Betreuer Andreas Heinsohn, die zu der kleinen Delegation des Regionalligavereins im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund gehörten, konnten ihren euphorisierten Vereinsboss, den nun ganz Fußball-Deutschland kennt, kaum bremsen.

Kehdinger Stadion könnte auf 7500 Plätze erweitert werden

Noch während der Sendung habe das Handy fast ohne Unterbrechung in seiner Hosentasche geklingelt, verriet der 58 Jahre alte Steuerberater mit heiserer Stimme. Gooßen musste Presseanfragen aus ganz Deutschland beantworten, Bilder von jubelnden Spielern und Fans im Vereinsheim flimmerten auf vielen Kanälen. Bei der Vorbereitung auf das größte Ereignis in der Geschichte der 11.000-Einwohner-Gemeinde im Landkreis Stade komme dem Verein die Erfahrung aus dem DFB-Pokalspiel 2016 gegen Borussia Mönchengladbach (0:1) zugute, so Gooßen: „Wir haben einen Plan und müssen nur die alten Ordner rausholen.“ Ganz so einfach ist es nicht.

Die Bayern, die zwischen dem 17. und 20. August beim Regionalligisten antreten müssen, sind eine andere Nummer. Aktuell ist nicht einmal klar, ob die Partie im Kehdinger Stadion stattfinden wird. Zwar wäre es kein Problem, die Kapazität der Anlage mithilfe von Zusatztribünen von 2500 auf 7500 Plätze zu erhöhen, doch für eine mögliche Live-Übertragung im Fernsehen mit einer Anstoßzeit in den Abendstunden ist das Flutlicht zu schwach.

In diesem Fall müsste der Verein nach Hamburg oder Bremen ausweichen. Das will Rigo Gooßen unbedingt vermeiden: „Das wäre keine gute Option. Wir wollen unbedingt in Drochtersen spielen. Einen Plan B haben wir momentan nicht.“ Eine Nachrüstung der Flutlichtanlage schließt Gooßen, der Ende der Woche mit einer Entscheidung zum Spielort rechnet, aus Kostengründen aus.

Auch Andreas Heinsohn (55) hofft, dass der Rekordmeister im Kehdinger Stadion antritt: „Die Bayern bei uns am Deich, das wäre ein absolutes Highlight.“ Für den Betreuer gäbe es übrigens ein Wiedersehen mit Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Der hatte sich, seinerzeit als Manager, im März 1987 mächtig über eine 3:5-Niederlage im Freundschaftsspiel seines Clubs gegen eine Kehdinger Auswahl geärgert. Im Tor stand der beim Stand von 4:3 eingewechselte Andreas Heinsohn.