Harburg
Windsurfen

Von Buxtehude in den Weltcup

Luca Müller (18) während der zweiwöchigen Saisonvorbereitung im März in Ägypten

Luca Müller (18) während der zweiwöchigen Saisonvorbereitung im März in Ägypten

Foto: privat / HA

Luca Müller will in diesem Jahr deutscher U21-Meister werden und träumt vom professionellen Windsurfen.

Buxtehude.  „Ich will unter den besten drei U21-Windsurfern im Slalom landen und deutscher U21-Meister im Speed-Windsurfing werden. Das ist auch absolut realistisch“, sagt der 18-Jahre alte Luca Müller aus Buxtehude selbstbewusst. Dass der Teenager, der im kommenden Frühjahr sein Sportabitur schreibt, bereits zur Spitze des deutschen Speed-Windsurfings gehört, ist keine Selbstverständlichkeit.

„Mein großer Nachteil ist, dass ich nicht an der Nord- oder Ostsee wohne und nur am Wochenende auf dem Wasser sein kann“, erklärt Müller. Damit ist der Buxtehuder in der Szene ein Exot, seine Konkurrenten leben fast ausschließlich am Meer. Zwar nutzt Luca Müller an den Wochenenden die Wohnung seines Patenonkels in Grömitz, die Werktage jedoch verbringt er ausschließlich an Land und trainiert im Fitnessstudio. „Das Hauptproblem ist, dass die anderen Surfer sieben Tage zum Trainieren haben und ich nur zwei – wenn überhaupt genug Wind ist“, erklärt der Buxtehuder.

18-Jähriger kann nur am Wochenende auf dem Meer trainieren

Anfang März flog der 18-Jährige für zwei Wochen ins Trainingslager nach Ägypten, um sich auf die fünf Stationen der diesjährigen Serie um die deutsche Meisterschaft vorzubereiten. Gemeinsam mit Vincent Langer, dem mehrfachen deutschen Meister und Weltmeister, verbrachte er nach den morgendlichen Kraft- und Ausdauereinheiten meist den ganzen Tag auf dem Wasser. Abends folgten Videoanalysen oder Theorieeinheiten. Mit seinen 18 Jahren ist Müller etwa zehn Jahre jünger als die anderen Mitglieder der Trainingsgruppe. „Es war sehr cool zu sehen, dass man trotzdem zu den Schnellsten gehörte“, freut sich das Nachwuchstalent. „Das hat mir sehr geholfen, meinem Ziel, dem professionellen Windsurfen, einen großen Schritt näher zu kommen.“

Seit seiner Geburt verbringt Familie Müller ihren Urlaub in Grömitz, wo die besten deutschen Windsurfer neben Sylt, Zinnowitz und Kühlungsborn ebenfalls Station machen. Daher kam der Buxtehuder fast zwangsläufig mit dem Sport in Kontakt, im Alter von sechs Jahren nahem er erstmals an einem Windsurfing-Kursus teil. „Irgendwann wurde es mir am Strand zu langweilig“, berichtet Luca Müller.

Der Teenager blieb dran, ist seit 2014 selber Surflehrer in Grömitz. Fortan verbrachte er in der Saison Wochenende für Wochenende am und auf dem Wasser, wurde stetig besser und nahm im vergangenen Jahr das erste Mal probeweise an der deutschen Meisterschaft teil. „Das war noch zum Reinschnuppern, diese Saison will ich richtig angreifen“, sagt der 18-Jährige.

Eine der größten Herausforderungen sei, die hohen Kosten zu stemmen. Nach jeder Saison benötigt er komplett neues Material, die Kosten seiner Ausrüstung belaufen sich auf einen fünfstelligen Betrag. „Ich habe zwar mehrere verschiedene Surfboards und Segel, eigentlich reicht das aber noch nicht“, weiß der junge Nachwuchssurfer. Neben seinem Sponsor „Maui Ultra Fins“ finanziert er seinen Sport über sein Surflehrergehalt und regelmäßige DJ-Jobs. Zusätzlich arbeitet er für seinen Hersteller als Eventhelfer. „Ich bin ständig auf der Suche nach neuen Sponsoren. Das ganze Geld, das ich verdiene, stecke ich in den Sport“, sagt der Buxtehuder.

Surflehrer, DJ, Eventhelfer – so verdient er Geld für die Ausrüstung

An einem normalen Wettkampfwochenende reist Luca Müller am Donnerstag zum Wettkampfort, freitags finden die ersten sogenannten „Heats“, wie die einzelnen Rennen genannt werden, statt. Für anstehende Klausuren müsse auf der Fahrt oder abends nach den Rennen gelernt werden. Nach dem Abitur plant Müller ein Studium in Kiel oder Flensburg, die Nähe zum Meer ist für diese Auswahl entscheidend. Sein Ziel für die kommenden Jahre sei es, im Weltcup unter den besten 20 Windsurfern der Welt zu landen.

Das Saisonfinale um den „Multivan Surf Cup“, bei dem sich entscheidet, wer deutscher U21-Meister wird, findet vom 24. bis 29. Juli vor Westerland auf Sylt statt. Dort wird sich zeigen, ob sich Luca Müllers monatelanges Training auszahlt und er einen weiteren Schritt Richtung Weltklasse machen konnte.