Harburg
Handball

Tanja Logvin lässt die Luchse ratlos zurück

Wie immer mit vollem Einsatz ging Sarah Lamp in die Deckung der Füchse Berlin. Die Rückraumspielerin, die hier von Kreisläuferin Evelyn Schulz (hinten) beobachtet wird, erzielte vier Tore

Wie immer mit vollem Einsatz ging Sarah Lamp in die Deckung der Füchse Berlin. Die Rückraumspielerin, die hier von Kreisläuferin Evelyn Schulz (hinten) beobachtet wird, erzielte vier Tore

Foto: Karsten Schaar / HA

Per WhatsApp beendet die Trainerin ihr Engagement beim Zweitliga-Tabellenführer. Erst Mitte Dezember war sie vorgestellt worden.

Buchholz.  So schnell wie sie im Dezember 2017 aufgetaucht war, ist sie jetzt wieder verschwunden. Eine kurze Nachricht an die Spielerinnen und die Vereinsverantwortlichen via WhatsApp, dass sie nicht mehr zur Verfügung stünde – das war’s, und die frühere Weltklasse-Handballerin Tanja Logvin hatte sich nach weniger als drei Monaten aus der gerade erst übernommenen Verantwortung gezogen. „Wir standen urplötzlich ohne Trainerin da“, sagte Fritz Falk, Pressesprecher der Zweitligafrauen der Handball-Luchse Buchholz 08-Rosengarten, die diesen Schock offensichtlich noch nicht überwunden hatten, als es in das Heimspiel gegen die Füchse Berlin ging. Am Ende aber hatten sie zur sportlichen Stärke zurückgefunden und gewannen auch ohne ihre Trainerin mit 32:18 (14:11) mehr als deutlich.

An den Spekulationen über die Motivation von Tanja Logvin, ihr Engagement in der Nordheide so schnell und abrupt zu beenden, wollte sich Fritz Falk nicht beteiligen. Auch das Gerücht, dass sie beim Ligakonkurrenten SV Union Halle-Neustadt angeheuert habe, konnte er nicht bestätigen. Auffällig ist nur, dass Logvin unmittelbar nach der Entscheidung der Handball-Luchse, die Aufstiegsoption in die 1. Bundesliga nicht wahrnehmen zu wollen (wir berichteten), hingeschmissen hat. „Da mag sich jeder seine eigenen Gedanken machen“, sagte Fritz Falk.

Ist Verzicht auf Erstliga-Aufstieg der Grund für Logvins Abgang?

Für einen Wechsel an die Saale könnte sprechen, dass Halle-Neustadt der einzige Verein aus der 2. Bundesliga ist, der für die kommende Saison einen Lizenzantrag auch für die 1. Frauen-Bundesliga abgegeben hat. Dass eine mehr als zehn Jahre international so erfolgreiche Profihandballerin wie Logvin auch als Trainerin nach höheren Zielen strebt, hatten nicht wenige Handballinteressierte schon bei ihrem Amtsantritt in Buchholz vermutet. „Wir müssen jetzt ganz dringend Gespräche führen; auch mit Tanja Logvin“, sagte Falk zum weiteren Vorgehen, „die Mannschaft hat einen Anspruch darauf, professionell geführt zu werden.“

Erst einmal eingesprungen ist der frühere Meistertrainer der Handball-Luchse, Martin Hug. Fritz Falk: „Zum Glück hat unser Geschäftsführer Sven Dubau einen so guten Draht zu Martin“, sagte er. Ob überhaupt und wie lange Martin Hug die sportliche Verantwortung übernimmt, müsse noch entschieden werden. Vorerst war nur wichtig, für das Heimspiel gegen die Füchse Berlin eine Lösung zu finden.

Hug ist bereits der dritte Trainer, der in dieser Saison die Fäden am Spielfeldrand in Händen hält. Von Maximilian Busch hatte sich Geschäftsführer Sven Dubau Anfang Dezember 2017 genauso überraschend getrennt wie jetzt dessen Nachfolgerin Tanja Logvin von ihrer Seite aus hinschmiss.

„Irgendetwas stimmt doch da nicht im Verein“, war aus den Reihen der diesmal nur 224 Zuschauer zu hören, die anfangs überhaupt nicht in Stimmung kamen. Auch Fritz Falk macht sich Sorgen um den guten Ruf der Handball-Luchse als seriöser Verein. Busch wurde kurz vor Ende seiner Probezeit gekündigt, obwohl er mit der Mannschaft Tabellenführer der 2. Liga war und großen sportlichen Erfolg hatte. Seine Nachfolgerin verschwindet quasi über Nacht. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Fans ins Grübeln kommen.

Zum Glück erholten sich die Spielerinnen bald von dem Schock. In der ersten Halbzeit hielt Torhüterin Mareike Vogel mit zahlreichen Paraden ihr Team im Spiel, nach dem 11:11 (25. Minute) legten Evelyn Schulz und Laura Schultze bis zur Pause auf 14:11 vor. Nach dem Seitenwechsel ging es Schlag auf Schlag. Vogel war nach der Pause genauso präsent wie im ersten Spielabschnitt, Zeliha Puls zumeist bei Tempogegenstößen als Vollstreckerin zur Stelle. Bei 23:13 (46.) und damit einer komfortablen Zehn-Tore-Führung übernahm Mandy Hoogenboom den Platz im Luchse-Kasten.

Schock schnell verdaut – Luchse gewinnen 32:18 gegen Berlin

Am Ende wurden die Gäste aus der Bundeshauptstadt deklassiert, die Fans skandierten lautstark „Buchholz ist viel schöner als Berlin“. Es war – und das ist vielleicht die positivste aller Erkenntnisse an diesem Abend in der Nordheidehalle – eine geschlossene Mannschaftsleistung, was sich auch in der Liste der Torschützinnen ablesen lässt. Bis auf die beiden Keeperinnen und Julia Herbst, Meike Schult und Sabrina Genilke waren alle Spielerinnen am Torreigen beteiligt. Beste Werferin und auch beste Spielerin war Spielmacherin Kim Land mit sechs Treffern, auf jeweils fünf Tore brachten es Leonie Limberg und Zeliha Puls über die Außenbahnen sowie Johanna Heldmann aus dem Rückraum.

Für Martin Hug war es ein Sieg der Defensive. „Wir waren deutlich aktiver in unserem Abwehrspiel“, sagte er in seiner Spielanalyse. „Und wir haben die Zweikämpfe gewonnen. Heute war es schwer, gegen uns Tore zu erzielen.“ Zudem hatte er ausgemacht, dass die Handballfrauen aus Berlin spätestens nach mehreren Tempogegenstößen von Zeliha Puls nach der Pause die Köpfe hängen ließen. Am Ende seines Statements stand ein „riesen Kompliment“ des Interimstrainers an die Mannschaft.

Über die sportliche Zukunft müssen sich die Verantwortlichen also keine Sorgen zu machen; zumal auch Lynn Schneider ihren Vertrag verlängert hat. Jetzt gilt es für Geschäftsführer Sven Dubau vor allem, die Trainerfrage zu klären und wieder für geordnete Verhältnisse im Umfeld des Zweitliga-Spitzenreiters zu sorgen.