Harburg
Radsport

Luk Boving stellt die Elite in den Schatten

Der offizielle U19-Sieger Levin Stange (RSG Nordheide) ist im gemeinsamen Rennen schneller unterwegs als der deutsche Seniorenmeister, Sven Kuschla aus Hannover (r.)

Der offizielle U19-Sieger Levin Stange (RSG Nordheide) ist im gemeinsamen Rennen schneller unterwegs als der deutsche Seniorenmeister, Sven Kuschla aus Hannover (r.)

Foto: Volker Koch / HA

200 Crossfahrer beim Finale des Stevens Cyclocross-Cups in Buchholz. U19-Junior von der RSG Nordheide ist schneller als die Männer.

Buchholz.  Nein, das Wort vom Familienfest der Radcrosser ist nicht zu abgenutzt. Nicht für den traditionellen Saisonausklang in Buchholz der offiziell als „Finale Stevens Cyclocross-Cup 2017/2018“ firmiert. Auch diesmal waren fast 200 Frauen, junge und noch viel mehr lebenserfahrene Männer zum Schützenplatz gekommen, um sich im nahen Stadtwald die letzten harten Duelle dieser Wintersaison zu liefern.

Der von der Radsportgemeinschaft (RSG) Nordheide ausgerichtete Renntag war der letzte von zehn Läufen, die den Stevens-Cup zur wichtigsten Querfeldeinserie Norddeutschlands machen. Man sitzt in der Schützenhalle bei Kaffee und Kuchen zusammen. Zwischen den neun Starts bleibt Zeit zum Plaudern und Austausch von Neuigkeiten.

Wenn man nicht zu den Besessenen gehört, deren schönstes Sonntagsvergnügen darin besteht, sich mit Spezialrädern über Steine und Wurzeln steile Abhänge herunter zu stürzen, um sich den Berg dann wieder hoch zu quälen, kann man die Frage in die Diskussion werfen: „Wieviel Geld kann man für so ein Rad springen lassen?“ Ronald Prinzlau, der Chef vom Team Pirate lächelt. „Naja, wenn vom Rahmen über Schaltung bis zu Laufrädern alles vom Feinsten sein soll, können schon 10.000 Euro zusammen kommen.“ Und was sieht er an Werten in Buchholz herumfahren? „Auch viele Hobbyfahrer haben Karbonräder mit elektronischer Schaltung, die zwischen 6000 und 8000 Euro kosten.“

Die Rennmaschinen können bis zu 10.000 Euro kosten

Zu der Atmosphäre der Freundschaften und Vertrautheiten gehört auch, die Arbeit der vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer zu würdigen, ohne die ein Sonntag mit Rennen von 9 Uhr in der Früh bis 15 Uhr am Nachmittag nicht organisiert werden kann. Etwas einsam in einem Kämmerchen saß auch diesmal Hans-Dieter von Zelewski vor seinem Laptop. Damit füllt der Pensionär seit Jahren die Siegerlisten beim Stevens-Cup. „Das habe ich auch schon im Campingwagen in Neuseeland gemacht“, erzählt der Weltreisende mit nächstem Ziel Peru. „Die Ergebnisse bekam ich zugemailt.“ Diesmal ist am Ende der Ergebnisliste „Tschüss“ zu lesen. „Euer Hans-Dieter von Zelewski“. Es war sein letzter Arbeitstag für den Radsport in Norddeutschland.

Dass die wertvollste Leistung beim Eliterennen nicht ohne weiteres aus der Ergebnisliste abzulesen ist, liegt an den speziellen Regeln für die Lizenzfahrer. Mit einem Vorsprung von 30 Sekunden waren beim sportlichen Höhepunkt drei U19-Fahrer auf die Strecke geschickt worden. Zu denen gehörte Luk Boving, Sohn des RSG-Vorsitzenden Michael Boving. Luk ist noch keine 18 Jahre alt, hatte aber extra für das Herrenrennen gemeldet. „Das macht Max Lindenau heute“, war Lorraine Schröder, zweite Vorsitzende der RSG Nordheide und Organisatorin des Cyclocross-Cups überzeugt. Sie hatte wie alle Fahrer und Zuschauer erwartet, dass Max und sein jüngerer Bruder Paul, die meist Weltcup-Rennen fahren, spätestens in der zweiten Runde Luk Boving überholen würden. In der dritten Runde plötzlich der Ruf eines Zuschauers: „Der Junge baut seinen Vorsprung ja noch aus!“

Was für ein Wille! Was für ein Kampf! Ganz allein vorne weg, fuhr Luk Boving das Rennen seines jungen Lebens. Wie er sich den Steilhang im Wald hoch kämpfte, ganz oben, wo viele andere keuchend schwer in die Pedalen traten, stieg er aus dem Sattel, erhöhte sogar noch die Trittfrequenz. „Das war unglaublich“, freute sich auch Lorraine Schröder. „Luk hatte bei der deutschen Meisterschaft vor einer Woche einen Defekt am Rad. Auch vorher hat er in dieser Saison häufig Pech gehabt. In diesem tollen Rennen ist er seinen ganzen Frust los geworden.“

Den tollen Sieg aber hat Luk Boving nur für sich herausgefahren. Weil er als U19-Fahrer bei den Herren mitfuhr, blieb er außer Konkurrenz. Der offizielle Sieger heißt Max Lindenau, der Zweite Paul Lindenau, dahinter Tim Rieckmann von der RSG Nordheide.

Lena Bischoff-Stein schafft ersten Sieg beim Heimrennen

In Buchholz gab es auch eine Revanche für die U17-DM vor einer Woche in Bensheim. Den deutschen Meistertitel hatte sich souverän Jasper Pahlke, der für die Harburger RG startet, erkämpft. „Mein Vorsprung war so groß, dass ich die letzte Runde ganz sicher zu Ende fahren konnte“, erzählt der 15-Jährige, der häufig mit den Brüdern Lindenau und deren Vater Lars Erdmann (gewann den Cup bei den Senioren) trainiert. Aber Ben Laatsch, der Dritte der DM und deutsche U15-Meister des vergangenen Jahres, hatte sich geschworen: „Zu Hause in Buchholz gewinnst du heute.“ Er hielt Wort. Jasper Pahlke im weißen Trikot des deutschen Meisters wurde „nur“ Dritter, dazwischen schob sich Felix Dierking aus Oldenburg.

Auch bei den Damen gab es einen Heimsieg für Lena Bischoff-Stein. „Der allererste übrigens“, erzählte sie, „vorher war ich hier zweimal Zweite.“ Die Gesamtwertung aller zehn Rennen gewann in Abwesenheit Lisa Schröder-Ott, die Schwiegertochter von Lorraine Schröder. Jannick Geisler (Stevens Racing Team), der in Buchholz ebenfalls fehlte, gewann den Cyclocross-Cup der Männer, bei der U17 Ben Laatsch und bei der U15 Piet Loos (beide RSG Nordheide). Bei den Jüngsten in der U13 dominierte Max Oertzen (Harburger RG). Er startete bei acht Rennen (beim letzten nicht) und blieb acht Mal Sieger.