Harburg
Volleyball

Starke Leistung, aber keine Punkte

Viel häufiger als zuletzt hatten die Volleyballerinnen des VT Hamburg im Heimspiel gegen Köln Anlass zum kollektiven Jubel

Viel häufiger als zuletzt hatten die Volleyballerinnen des VT Hamburg im Heimspiel gegen Köln Anlass zum kollektiven Jubel

Foto: Karsten Schaar / HA

Zweitliga-Volleyballerinnen des VT Hamburg zeigen sich bei der 1:3-Niederlage gegen Spitzenreiter Köln stark verbessert.

Neugraben.  Der HSV steht auf dem ersten Abstiegsplatz; das Volleyball-Team (VT) Hamburg rangiert trotz Punktgleichheit noch knapp davor. Die Negativserie der Bundesliga-Fußballer drückt sich in zuletzt vier Niederlagen aus, die der Zweitliga-Volleyballfrauen aus dem Süden der Hansestadt in nunmehr sechs Pleiten hintereinander. Am Sonnabendabend verloren beide Teams fast zeitgleich ihre Heimspiele gegen Köln. Die Fußballer mit 0:2 gegen den 1. FC Köln, die Volleyballfrauen mit 1:3 gegen DSHS Snowtrex Köln.

Soviel an Gemeinsamkeiten. Denn während der Auftritt der hoch bezahlten Profis vor mehr als 50.000 Zuschauern im Volksparkstadion ein einziges Trauerspiel war, haben sich die alles andere als hoch dotierten Volleyballfrauen in die Herzen ihrer Anhänger gespielt. Von denen allerdings hatten nur knapp 300 Zuschauer den Weg in die CU-Arena nach Neugraben gefunden. Viele, die nicht gekommen waren, hatten sich wahrscheinlich für Fußballtristesse entschieden und dürften sich am Ende des Tages geärgert haben.

Richtig fröhlich sahen aber auch die Volleyballfans in Neugraben nicht aus, die sich nach vier Sätzen und 113 Spielminuten auf den Heimweg machten. Aber sie konnten aus der Niederlage ihrer „Lieblinge“ wenigstens Hoffnung schöpfen. Denn anders als die Erstliga-Fußballer hatten es die Zweitliga-Volleyballfrauen nicht mit dem Schlusslicht der Liga zu tun, sondern mit dem amtierenden Meister und aktuellen Tabellenführer.

Saskia Radzuweit wird als wertvollste Spielerin geehrt

Anfangs sah es auch noch nach Abstiegskandidat gegen Titelanwärter aus. Etwa im ersten Satz, als sich nach dem Spielstand von 3:3 sogar ein Debakel anbahnte. Ob ein Schmetterball ins Aus, ein Angriffsball, der sich im Netz verfing, Annahme- oder technische Fehler oder auch ein Blockversuch, der im Seitenaus landete – es reihte sich Fehler an Fehler. Die Gäste von der Deutschen Sporthochschule (DSHS) aus der Domstadt zogen auf 17:7 davon.

Nur vereinzelt ließen die VTH-Damen in dieser Phase ihr Können aufblitzen, als etwa Saskia Radzuweit „den Hammer rausholte“ und den Ball gnadenlos ins gegnerische Feld schmetterte oder Nina Braack im Zentrum zum erfolgreichen Block in die Luft stieg. Symptomatisch aber war, dass Außenangreiferin Radzuweit den ersten Satz mit einem Ball ins Netz zum 16:25 aus Hamburger Sicht beendete.

Da sah es im zweiten Durchgang schon viel besser aus. Saskia Radzuweit – sie wurde am Ende zur wertvollsten Spielerin ihres Teams gekürt – fand immer besser ins Spiel und obwohl sich in diesem Durchgang die Anzahl technischer Fehler bei den Hamburgerinnen bedenklich häufte, konnten sie die Führung bis zum 19:18 behaupten. Dann aber ließen sie sechs Punkte der Kölnerinnen in Folge zu, und auch der zweite Satz ging mit 21:25 verloren.

Im Hinspiel in Köln hatten die VTH-Damen die ersten beiden Sätze gewonnen, waren anschließend eingebrochen und holten sich dank einer Energieleistung im Tiebreak, als sie erst zwei Matchbälle abwehren konnten, um am Ende mit 16:14 einen Überraschungssieg zu feiern, doch noch einen 3:2-Auswärtssieg.

Eine Energieleistung war auch jetzt wieder nötig, um nach der Zehn-Minuten-Pause das Blatt vielleicht noch zu wenden. Und der dritte Satz wurde tatsächlich zu einem Kraftakt. Mit vier Punkten bei Aufschlag Lisa Schwarz gingen die Hamburgerinnen mit 13:10 in Führung; bis zum 23:22 hielt der Vorsprung. Die Kölnerinnen konnten ausgleichen. Wenig später bescherte ein erfolgreicher Block von Saskia Radzuweit zum 26:24 den Satzgewinn für das VT Hamburg. Von einem vermeintlichen Klassenunterschied zwischen den beiden Teams war längst nichts mehr zu sehen.

Auch der vierte Satz war ein Spiel auf Augenhöhe. Und wieder war es Saskia Radzuweit, die mit einem „Monsterblock“ zum 9:9 ihr Team im Spiel hielt. Bei Aufschlag von Anisa Sarac holten die Hamburgerinnen vier weitere Punkte in Folge und waren spätestens nach dem „Hammer“ von Radzuweit zum 13:9 auf dem Weg zum Satzausgleich und damit auf dem Weg in den Tiebreak. Erst recht nach dem Punkt zum 19:15 durch Lisa Schwarz.

Nur knapp 300 Zuschauer in der CU-Arena

Aber die Aufholjagd hatte viel Kraft gekostet und Abstiegskampf ist eben auch Nervensache. Der HSV lässt grüßen. Plötzlich schien es, als hätten die VTH-Frauen ihr gesamtes Pulver verschossen. Köln konnte zum 21:21 ausgleichen; der Satz war trotzdem noch nicht verloren. Bei 25:24 und Aufschlag Nina Braack konnten die Hamburgerinnen ihren Satzball nicht verwandeln, weil sie am Kölner Block scheiterten. Die Gäste dagegen nutzten beim 25:26 gleich ihren ersten Matchball zum 3:1-Gesamtsieg und die VTH-Damen standen zum sechsten Mal in Folge mit leeren Händen da. Ganz nah waren sie in Neugraben gegen Köln an einem Punktgewinn; viel näher jedenfalls als im Volkspark die HSV-Fußballprofis. Und die Zuschauer in der CU-Arena brauchten ihr Kommen nicht zu bereuen. Ihre Mannschaft hatte sie trotz Fortsetzung der Niederlagenserie mitreißen können.

Wie die Zuschauer war auch Trainer Jan Maier nach dem Spiel mit der Leistung zufrieden, vom Ergebnis aber enttäuscht: „Wir haben uns von Satz zu Satz gesteigert. Den Anfang haben wir komplett verschlafen, im zweiten Durchgang haben wir die Führung leider nicht ins Ziel bringen können, was uns dann im dritten Satz gelungen ist. Im vierten Satz haben wir leider unsere Satzbälle nicht nutzen können. Ich hätte der Mannschaft den Punktgewinn gewünscht; sie hat ein starkes Spiel gezeigt.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.