Radcross

Kein Weihnachten ohne Cross in Appelbüttel

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Norbert Scheid

Foto: Volker Koch / HA

Norddeutsche Radcross-Elite und Hobbyfahrer kämpfen im Waldgelände am Ehestorfer Weg gegen den Weihnachtsspeck.

Harburg.  Nach zwei Tagen „O Tannenbaum“ und Gans oder Karpfen, auf jeden Fall viel und üppig schlemmen und sich zuprosten schleicht sich am dritten Tag bei so manchen Mitbürgern ein, dass es langsam genug ist mit Müßiggang und Völlerei. Deshalb zieht es viele Menschen am zweiten Weihnachtstag in den Appelbütteler Forst. Beim Weihnachtscross der Harburger Radsport-Gemeinschaft bekommen sie Freude und Begeisterung in schwitzenden Gesichtern zu sehen.

„Ja, das ist schon so“, gesteht lachend Ralf Schöllhammer ein. Er ist einer der Rennsportler, die sich auf das Senioren 2-Rennen, der Cross-Teilnehmer über 40 Jahre, vorbereiten. „Nach all dem vielen Essen und Feiern freue ich mich jedes Jahr darauf, hier für ein paar Stunden all das hinter mir zu lassen, entspannt und ganz bei mir zu sein. Dazu kommt das Erleben der Natur, die Kälte, das Kämpfen, den gesamten Körper zu spüren. Ich fahre jedenfalls nachher ganz entspannt nach Hause“.

Ralf Schöllhammer, der in Bremen einen Handy-Shop leitet, gehört zu der großen Gemeinschaft, für die ein Weihnachten ohne das Cross-Rennen in Harburg gar nicht mehr vorstellbar ist. „Ich war 12 Jahre alt, da bin ich drüben in der Haake in Harburg das erste Mal mitgefahren“. Es ist, so haben die Ausrichter von der HRG wissen lassen, bereits der 30. Weihnachts-Cross. Und der Gast aus Bremen hat keinen Weihnachtscross ausgelassen.

Sein Freund und Vereinspartner Vladi Riah hat Mitten im Wald unter den kahlen Buchen seine Rollen aufgestellt und strampelt sich für das Seniorenrennen warm. „Zwei Kilo habe ich über Weihnachten zugenommen,“ ruft er. „Wenigstens ein Kilo will ich hier im Wald zurücklassen“. Er gewann zum dritten Mal in Folge das Senioren 2-Rennen. Nur ein paar Meter von ihm entfernt, tritt seine Freundin Carolin Schiff mächtig in die Pedalen. Auch sie längst Dauergast im Forst von Appelbüttel.

Es wird eine schnelle Jagd, wie alle Rennen in diesem Jahr. „Wir haben die Strecke auf etwa 1,8 Kilometer verkürzt“, erläutert Philipp Plambeck, der seinen erkrankten Vater Frank Plambeck als Organisator vertreten musste. „Es ist diesmal eine sehr moderne, also schnelle Cross-Strecke mit vielen Kurven zwar, aber den kraftzehrenden Hügel haben wir weggelassen. Man kann die gesamte Strecke durchfahren, selbst die drei eingebauten Hindernisse können mit dem Rad überspringen werden.“

Die Athletin, die das Elite-Rennen der Damen dominierte, zählt auch zu denen, die es von weit her zu Weihnachten nach Harburg zieht. „Vor zwei Jahren waren wir das erste Mal hier“, erzählt Kristin Endres, die überlegene Siegerin. Die Zahnärztin aus Bensheim hatte diesmal ihr ganz besonderes Glück mit auf dem Siegertreppchen. Töchterchen Lia, gerade 13 Monate alt, war fasziniert von dem glänzenden Pokal, den die Mama in der Hand hielt. Der Papa ist übrigens bei einem der Rennen für Hobbyfahrer gestartet.

„Wir haben in Hamburg Freunde aus meiner Jugendzeit“, erzählt die sportliche Zahnärztin. „Als Seglerin gehörte ich früher dem Nationalkader an. Mit Freunden von damals feiern wir nach dem Weihnachtscross noch den zweiten Weihnachtstag. Diese Cross-Veranstaltung hier in Harburg ist so etwas wie ein Familientreffen.“

Und es bleibt ja nicht immer bei den Bekanntschaften in dieser radelnden Sportgemeinschaft. So ist Lisa Schröder-Ott, die Zweite bei den Damen, inzwischen die Schwiegertochter von Lorraine Schröder, der langjährigen Chefin der RG Nordheide. Und die wiederum organisiert auch den Stevens-Cup, die wichtigste Cross-Serie im Norden. Der Weihnachtscross zählt zu dieser Serie, die mit dem Rennen am 21. Januar in Buchholz beendet wird.

Alle Nachwuchsrennen am zweiten Weihnachtstag wurden von jungen Lokalfavoriten gewonnen. Von der Harburger Radsport Gemeinschaften gewannen Constantin Ehm den Wettbewerb der U11, Max Oertzen den der U13, Jasper Pahlke bei der U17 und Moritz Plambeck das Rennen der U19. Sieger in der U-15-Altersklasse wurde Piet Loos von der RG Nordheide.

Radrennen durch Wälder und über Felder werden aber von den Senioren dominiert. Die Königsklasse ist das Eliterennen der Männer. Das war allerdings eine recht einseitige Angelegenheit. Schon nach der zweiten von insgesamt 13 Runden hatte Max Lindenau vom Stevens-Team die Führung übernommen.

Jannick Geisler, auch bei Stevens unter Vertrag und seit mehr als zehn Jahren Harburgs erfolgreichster Cross-Spezialist, blieb nur die Rolle des Dauerverfolgers. Bis ins Ziel. Dritter, wie schon während des gesamten Rennens, war am Ende Timm Rieckmann, auch er ist einer aus der „goldenen Generation“ des Harburger Radsports.

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