Harburg
Schulsport

Junge Fischbeker sind Schulsport-Pioniere

Auch so sieht Sportunterricht an der Stadtteilschule Fischbek-Falkenberg aus: Schülerinnen und Schüler absolvieren Übungen zur Stärkung der Rumpfmuskulatur

Auch so sieht Sportunterricht an der Stadtteilschule Fischbek-Falkenberg aus: Schülerinnen und Schüler absolvieren Übungen zur Stärkung der Rumpfmuskulatur

Foto: Hans Kall

Nur durch die Partnerschaft von Schule und Verein hat Leistungssport noch eine Chance. Stadtteilschule als Modell für ganz Hamburg.

Fischbek.  Die Mädchen und Jungen, die an diesem Vormittag die große Sporthalle der Stadtteilschule Fischbek-Falkenberg mit quirligem Leben erfüllen, denken sicher nicht daran, dass sie zu Pionieren im Schulsport gehören. Wenn man es genau nimmt, retten sie auch den Leistungssports insgesamt.

Die erste Gruppe steht sich mit Bällen in den Händen an einem hohen Netz gegenüber. „Werfen, pritschen, fangen“, fordert Trainer Andre Thurm die Mädchen und Jungen auf. Er arbeitet mit Volleyball-Talenten.

Ein dicker Vorhang unterteilt die Halle. Vor dieser Wand lässt Lehrer Daniel Neidhold, er ist auch sportlicher Leiter der HNT-Leichtathleten, seine Gruppe an einer Linie Aufstellung nehmen. „Nehmt den Ball in die Hand und setzt den linken Fuß nach vorn“, ruft er. „Mit dem rechten stützt ihr euch hinten ab und mit einem kräftigen Schwung knallt ihr den Ball an die Wand.“ Mit den zehn und elf Jahre alten Leichtathleten übt er die Grundbewegung für den Speerwurf. Daneben lässt Peter Reher seine muntere Truppe über kleine Kästen springen. Er ist kein Lehrer, sondern vom Hamburger Triathlonverband zum spezialisierten Schulsport entsandt.

Mark Schepanski lässt eine vierte Gruppe mit Roller-Skiern durch die Halle rasen, wenn sie das schon können. Justin macht keine glückliche Figur. Die Rollen unter den Füßen reißen ihm die Beine auseinander. Er fällt hin, während zwei Mädchen lachend an ihm vorbei sauen. „Langsamer, Justin“, mahnt der Lehrer. „Die Beine zusammen, den Körper ausbalancieren. Siehst du!“

Was von den Mädchen und Jungen der vierten Klasse der Gesamtschule gezeigt wird, ist Schulsport der modernsten Art. Genauer gesagt, ist es die Einbettung von qualifiziertem Training in den Schulunterricht, der danach in den Vereinen weiter geführt wird. „Heute sind 36 Kinder und sieben Trainer in der Halle“, erläutert Mark Schepanski, „fast alle von uns trainieren mit den Volleyballtalenten, den Leichtathleten und mit den begabten Fußballern in den Vereinen weiter. Schule und traditioneller Verein – nur in dieser Partnerschaft ist Leistungssport heute noch möglich.“

Diese Gemeinsamkeit ist nicht selbstverständlich und doch unumgänglich. Die Schulen dehnen ihre Unterrichtszeiten aus. Das gipfelt in Ganztagsschulen, wenn auch die Stadtteilschule Fischbek-Falkenberg noch keine ist. Da die Schüler immer länger in den Klassen bleiben, wird ihre Zeit für den Vereinssport immer knapper. Die Lösung sind Kooperationen. Vereine stellen ihre Übungsleiter für Sport-Arbeitsgemeinschaften in den Schulen ab. „Die Vereine wiederum haben nur eine Zukunft, wenn sie ihren Nachwuchs in den Schulen abholen“, sagt Schepanski. Er ist seit 17 Jahren Lehrer, seit knapp zwei Jahren Präsident der Hausbruch-Neugrabener Turnerschaft. Der Großverein hat 65 Kooperationen mit Schulen.

In dieser Entwicklung hat die Schule Fischbek-Falkenberg einen besonderen Weg eingeschlagen. Unter der Führung von Jens Bendixen-Stach hat sie spezielle Sportklassen aufgebaut. In jeder sitzen sieben Mädchen und Jungen, die sich als begabte Leichtathleten, Volleyballer oder Fußballer ausgezeichnet haben. Für die Kicker schloss die Schule gerade einen Kooperationsvertrag mit dem Hamburger SV ab. „Jeden Dienstag und Donnerstag von 8 bis 13.30 Uhr arbeiten vier unserer Jugendtrainer mit mehreren Altersgruppen auf dem Sportplatz Opferberg oder beim FC Süderelbe“, sagt Sebastian Schmidt, beim HSV verantwortlich für die Talentförderung in fünf Hamburger Schulen. „Die Trainer sind beim HSV angestellt und kosten die Schulen keinen Pfennig.“

Wer in eine Sportklasse der Fischbeker Stadtteilschule aufgenommen werden will, muss einen Leistungstest bestehen. „Dabei geht es nicht nur um Sport“, sagt Mark Schepanski. „Wir berücksichtigen auch die schulischen Leistungen und das Sozialverhalten der Kinder. Das ist besonders wichtig.“

Alle wären natürlich stolz darauf, wenn eines der geförderten Mädchen oder Jungen irgendwann als beliebter Sportstar zu Besuch käme. Das entscheidende Ziel aber ist das nicht. „Wichtiger ist, dass der Leistungswille und die Leistungsbereitschaft in unserer Gesellschaft erhalten und gestärkt werden“, sagt Schepanski. „Diese Heranwachsenden haben ein Ziel in ihrem Sport, meist ein ganz persönliches. Und sie lernen bei uns, dieses Ziel durch Einsatz, Disziplin und auch durch Freude und Spaß in der Gemeinschaft zu erreichen. Ich sage den Kindern immer: Hier in der Schule, das ist heile Welt. Vorne am Tor aber, da musst Du beweisen, dass Du tüchtig für das Leben bist.“

Die Stadtteilschule Fischbek-Falkenberg ist gerade mit dem Prädikat „Partnerschule des Nachwuchs-Leistungssports“ ausgezeichnet worden – als erste Schule in Hamburg.